Neuer Streamingkanal Fox WeatherKlimawandel-Leugner und -Profiteur zugleich

Die Klimaerwärmung herunterspielen und von ihren Auswirkungen profitieren: das hat sich Fox News mit seinem neuen Streamingkanal Fox Weather zum Ziel gesetzt. Der konservative US-Sender wittert hier ein Geschäft mit Zukunftspotential - wegen zunehmender Extremwetterereignisse, aber auch weil viele Zuschauer politikmüde sind.

Von Heike Wipperfürth | 02.11.2021

Fox Weather-Meteorologe Stephen Morgan am 20.10.2021 im Studio in New York
Nur einen Tag nach dem Start von Fox Weather war sie die am meisten heruntergeladene kostenlose App im Apple Store (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Richard Drew)
Mitten in der Sendung bricht der Fox-News-Moderator Bill Hemmer Ende August die Übertragung einer Pressekonferenz über die tödlichen Auswirkungen von Hurrikan Ida vorzeitig ab. "Es hat ja nicht lange gedauert, bis sie den Schwerpunkt auf den Klimawandel - in Anführungsstrichen - gelegt haben", begründete der Moderator seine Entscheidung, den Begriff Klimawandel als Unsinn abzutun.
Ende Oktober 2021 eilte er dann in das 12. Stockwerk das Hauptquartiers von Fox News in New York, um vor surrenden Fernsehkameras einen brandneuen Medienkanal zu feiern: Fox Weather, ein Streamingdienst, in dem es nur um eines geht: Das Wetter. 24 Stunden lang.
Trump-Anwalt Rudy Giuliani posiert mit Chanel Rion (l.), einer Korrespondentin des TV-Senders, und seiner eigenen Assistentin OAN
US-Sender Fox News, Newsmax und OAN - Buhlen um die Rechten
Lange galt Fox News als der liebste TV-Sender von Donald Trump. Doch zuletzt sympathisierte der noch amtierende US-Präsident mit zwei anderen Unternehmen: Newsmax und One America News.

Zehn Millionen Dollar und neue 100 Mitarbeiter

Die Klimaerwärmung herunterzuspielen und von extremem Wetter zu profitieren – das hat sich Fox News zum Ziel gesetzt. Es gab zehn Millionen Dollar aus und stellte 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein, darunter 40 TV-Meteorologen, um Fox Weather zu lancieren.
Jason Frazer and Britta Merwin sitzen am 29.10.2021 im Fox Weather-Studio in New York am Moderatorenpult
Die Fox Weather-Moderatoren und -Meteorologen Jason Frazer and Britta Merwin im neuen Fox Wather-Studio (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Richard Drew)
Ein Geschäft mit Zukunftspotential: Laut "New York Times" fiel die Zahl der Zuschauer von CNN, MSNBC und Fox News im ersten Halbjahr um 38 Prozent, die Zahl der Zuschauer vom Weather Channel aber schoss um sieben Prozent nach oben - weil Zuschauer politikmüde sind, aber mehr über das Wetter erfahren wollen.

Fox-Chef erwartet hohe Werbeeinnahmen

Und das ist erst der Anfang, freute sich Lachlan Murdoch, der Sohn des Firmengründers Rupert Murdoch, und Leiter der Fox Corporation, der Muttergesellschaft von Fox News, kürzlich auf einer Medienkonferenz in New York: "Wetter ist für alle unsere Zuschauer wichtig und es wird ein großes Geschäft, das enorm von Werbeeinnahmen auf unseren Plattformen profitieren wird."
Fox News-Firmengründer Rupert Murdoch steht bei seiner Hochzeit mit Jerry Hall am 04.03.2016 in London zwischen seinen Söhnen Lachlan (links) und James. 
Fox News-Firmengründer Rupert Murdoch mit seinen Söhnen Lachlan (links) und James. (IMAGO / Parsons Media / Andrew Parsons)
Der neue Wetterdienst ist also ein Schritt in die richtige Richtung für die Aktionäre der Firma. Doch Kritiker wie Angelo Carusone vom Medienwatchdog "Media Matters" sind entsetzt: "Fox News weiß genau, dass das Wetter noch viel extremer wird. Obwohl sie den Klimawandel leugnen oder herunterspielen, investieren sie in einen Kanal, der Verbrauchern Informationen vermitteln soll, die direkt mit dem Klimawandel zu tun haben. Das ist widerwärtig".
"Klimakrise auf den Schirm" steht auf dem Regenschirm der vor einer Demonstration auf dem Boden liegt. Verschiedene Ortsgruppen von Extinction Rebellion haben bei dezentralen Aktionen vor Medienhäusern unter dem Motto "Klimakrise auf die Titelseiten" zu einer besseren Berichterstattung über die Klimakrise aufgerufen
Klimakrise in den USA - TV-Meteorologen als Aufklärer
In den USA beschränken sich viele Fernseh-Meteorologen nicht mehr aufs reine Ansagen der Wettervorschau. Sie klären in ihren Berichten auch über die Zusammenhänge zwischen Wetter und Erderwärmung auf.

Klimaerwärmung wird kaum thematisiert

Wie aber gewinnt Fox Weather die Gunst der Zuschauerinnen und Zuschauer? Mit kurzen, aber informativen und lebendig vorgetragenen Berichten über Gewitterfronten, Turbulenzen und Stürme – ohne den Klimawandel als Ursache zu erwähnen, wie bei diesem Bericht über Wirbelsturm Wonda: "Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Sturm wie Wonda so spät in der Saison mit einer Windgeschwindigkeit von 80 Kilometern nordöstlich über den Atlantik zieht und den Schiffsverkehr bedroht".
Hinzu kommt: Das Unternehmen kann das volle Geschäftspotential seines neuen Kanals ausschöpfen, indem es den Streaming Dienst und die kostenlose Fox-Weather-App an das bestehende Publikum vermarktet, sagte Angelo Caruzone: "Sie zeigen das neue Produkt so oft wie möglich auf Fox News. Die Moderatoren zeigen den Zuschauern sogar, wie sie an die App kommen."
Bürogebäude von Fox News in Midtown Manhattan in New York. Bei dem konservativen Nachrichtenkanal wird eine Rede von US-Präsident Trump vor dem Kongress übertragen. 
Fox News, der einstige Lieblingssender von Donald Trump, muss nun den Rückgang seiner Abonnenten kompensieren. Ihre Zahl wird sich Ende 2021 laut "New York Times" auf 78,6 Millionen verringern – fünf Prozent weniger als im Vorjahr. (imago / Levine-Roberts)
Völlig aus seiner Sendung gestrichen hat Fox Weather den Klimawandel allerdings nicht. Am Sonntagmorgen interviewte "Fox Weather" eine Klimaschutzforscherin über die Ziele der Weltklimakonferenz und der Fox-Weather-Meteorologe Stephen Bender berichtete aus Glasgow: "Wenn sich die Atmosphäre erwärmt, wird das Wetter unbeständig und erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Unwetter."
Rupert Murdoch weiß schon seit langem, dass der Klimawandel nicht zu ignorieren ist, sagte der Klimajournalist Geoff Dembicki im öffentlichen Rundfunksender NPR. Die Fox Corporation, die früher News Corp. hieß, sei schon seit Jahren klimaneutral. Durch die Sanierung von Beleuchtungsanlagen, die automatische Abschaltung von Computern und Videokonferenzen statt Flugreisen habe die Fox Corporation bereits Millionen gespart.
"Dahinter steckt eine kohärente Strategie. Die Firma investiert nur in das, womit sie das meiste Geld verdient", so Dembicki.
Der Medienwissenschaftler und Autor Bernhard Pörksen liest und diskutiert am 09.06.2018 in Köln auf der 6. phil.cologne.
Journalismus und Klimawandel - "In der Art, wie die Krise beschrieben wird, liegt die Lösung"
Beim Thema Klima berichteten Medien bislang antivisionär, klickzahlgetrieben und zu neuigkeitsfixiert, kritisiert der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Journalisten müssten "langfristiger denken".