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StartseiteCorsoKopfnicken und Crowdsurfen25.05.2019

Neues Album von The HeavyKopfnicken und Crowdsurfen

The Heavy aus England haben es mit ihrem hochenergetischen Mix aus Soul und Funk und Rock schon auf einen Tarantino-Soundtrack geschafft, trotzdem ist die Band bei uns noch wenig bekannt. Auf ihrem neuen Album "Sons" verbinden sie ihren mitreißenden Retrosound mit politischen Ansagen.

Von Bernd Lechler

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(BMG Pressefoto)
The Heavy: "Wir haben auch immer noch so einen Punk-typischen Do-it-yourself-Ansatz" (BMG Pressefoto)
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Kelvin Swaby: "What we wanted to do was have the best of our influ­ences."

Das Beste aus all ihren Einflüsse wollten sie verbinden, er­klärt Kelvin Swaby von The Heavy auf die Frage, mit welcher musikalischen Idee er die Band 2007 zusammen mit dem eben­falls soul- und funk-begeisterten Gitarristen Daniel Taylor gegründet hat.

"We didn't wanna kind of noodle to much, you know, we didn't want to play a lot of solos in our music."                                                            

Nicht "rumnudeln" wollten sie, also keinen langen Instrumentalsolos spielen, sondern eben ...

"We wanted to simplify our record collection, basically."

...  die eigene Plattensammlung noch vereinfachen. Schöner kann man's nicht sagen. Oder doch, als Sänger von The Heavy:

"Just make it heavier."

Kirchenlieder im Stil der Sex Pistols          

Heavy, in der Tat. Beim Opener des neuen Albums fühlt man sich zuerst eher an Led Zep­pelin erinnert als an die diversen Soul- ­und Funkgrößen, deren Geister die Songs von The Heavy unüber­hörbar be­völkern: Kelvin Swaby nennt Al Green, Ann Peebles, Bar­ry White. Vielleicht noch Wilson Pickett, James Brown; Sechziger und Siebziger, Motown und Chica­go. Alles aus Amerika, klar. Aber viel­leicht mit einem spe­­ziell britischen Vorwärtsdrängen, überlegt Kelvin Swaby. Stichwort Punk:

"Ich höre durchaus Garagenpunk in unserer Musik, so wie wir die Gitarren verzerren und das Schlagzeug komprimieren, damit es dreckig klingt. Wir haben auch immer noch so einen Punk-typischen Do-it-yourself-Ansatz. Und mir fällt dazu ein, wie ich als Junge an der katholischen Schule die Kirchenlieder im Stil der Sex Pistols gesungen habe."

Gift in Medizin verwandeln

Trotz klarer Retro-Formel klingen The Heavy auch auf diesem neuen Album nicht wie ein nostalgischer Abklatsch. Weil sie eben diese gewisse aggressive Kante haben, weil die Songs auf den Punkt kommen - und weil man spürt, dass sie persönlich sind. Immer schon.

"Beim letzten Album war die Aufgabe, unser ganzes Gift in Me­di­­zin zu verwandeln. Da ging es einigen von uns schlecht: Be­ziehungsprobleme, Scheidungen, all sowas. Diesmal sind alle viel glücklicher, und das musste in die Songs. Wir wollten eine positive Platte machen."

Er habe schließlich Kinder, sagt Kelvin Swaby, der als einzi­ger der Band nicht in England lebt, sondern in Florida. Ihnen wolle er auch klarmachen, was ihm wichtig ist. Und so singt er einen Song wie "Better As One", "Vereint geht's uns besser", entstanden nach den Ausschreitungen in Charlottesville, Virgi­nia, im letzten Sommer, als es bei einer Demo von Rechtsra­di­ka­len Tote gab und Swaby, wie er sagt, mit offenem Mund vorm Fernseher saß.

"Ich dachte: Da werden wir bald etwas vom Präsidenten hören. Aber der Tag verging ohne ein Statement. Der nächste auch. Und als er dann endlich ans Podium trat, vor der ganzen Welt, die hier etwas Schreckliches miterlebt hatte, da erwartet man doch definitiv etwas, was die Menschen zusammenbringt! Stattdessen sorgte er für noch mehr Spaltung."

Energie ist die wichtigste Botschaft 

Es ist eine simple Lyrik, in der The Heavy ihre Botschaft for­mulieren, aber sie wirkt dank der Energie dahinter nie banal, trotz manch mäßig origineller Songtitel wie "Fire" oder "Fighting For The Same Thing". Am Ende ist die Energie selbst die wichtigste Botschaft. Oder was antwortet Kelvin Swaby auf die Frage nach den schönsten Momenten mit dieser Band?

"Ich bin mal von der Bühne gefallen. In Chicago, glaube ich. Aber dann kam eben dieser Crowd­surf-Moment, wenn dich die Leute hochheben, und du singst immer noch, und sie tragen dich durch den ganzen Saal und wieder hoch auf die Bühne. Das war ziemlich surreal - und großartig."

Und es braucht die richtige Band dazu, und eben die hinreichend energetische Bot­schaft. The Heavy nehmen einen Song nur auf, wenn er dich mit dem Kopf nicken lässt, sagt Swaby. Andern­falls müsse man ihn überdenken.

"Essentially, you know, we don't put anything down unless our head nods. You know. If your head isn't nodding to it, we need to rethink the song."                  

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