Freitag, 03. Dezember 2021

Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 20. bis 22. April +++

Die Zahl der bestätigten neuen Corona-Infektionen liegt laut Robert Koch-Institut etwa auf dem Niveau von vor einer Woche. Beim Bundesverfassungsgericht sind zahlreiche Beschwerden und Eilanträge gegen die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes eingegangen. Die USA haben den Impfstoff von Johnson&Johnson wieder freigegeben. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

22.04.2021

Schnelltest auf das Corona-Virus
Schnelltest auf das Corona-Virus (picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)
Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier in unserem Newsblog.
Donnerstag, 22. April
+++ Das geänderte Infektionsschutzgesetz tritt morgen in Kraft und gilt dann ab Samstag. In allen Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Siebentage-Inzidenz von über 100 greift die so genannte Corona-Notbremse mit Ausgangsbeschränkungen zwischen 22 und 5 Uhr. Zudem gelten unter anderem neue Kontaktbeschränkungen und Regeln zum Einkaufen in Läden. Nach dem Bundestag hatte heute auch der Bundesrat der Novelle zugestimmt, obwohl es teils deutlichen Unmut gab. Mehrere Ministerpräsidenten, die sich in der Aussprache zu Wort meldeten, machten verfassungsrechtliche Bedenken geltend – insbesondere wegen der starren Notbremse – und wegen der erwarteten Probleme bei der praktischen Umsetzung. Bundesratspräsident Haseloff von der CDU kritisierte die Kompetenzverlagerung auf den Bund. Der heutige Tag sei für ihn ein Tiefpunkt in der föderalen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, erklärte der Regierungschef von Sachsen-Anhalt.
+++ Die EU verzichtet auf die vertraglich vereinbarte Möglichkeit, 100 Millionen zusätzliche Dosen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca zu bestellen. Die Kommission ließ die Frist für die Option nach eigenen Angaben verstreichen. Man bemühe sich derzeit darum, dass die 300 Millionen bereits bestellten Dosen planmäßig geliefert würden, hieß es. Astrazeneca hatte unter Verweis auf Produktionsprobleme im ersten Quartal nur 30 Millionen statt 120 Millionen Impfdosen geliefert. Brüssel erwartet fürs zweite Quartal statt zugesagter 180 nur 70 Millionen Dosen von Astrazeneca. Für Verärgerung in der EU hatte gesorgt, dass die Lieferungen an Großbritannien und andere Länder offenbar nicht eingeschränkt wurden. Hinzu kommen Bedenken wegen seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen nach Impfungen mit Astrazeneca. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hielt zwar an ihrer positiven Bewertung des Impfstoffs fest, viele Länder, darunter Deutschland, führten aber Altersuntergrenzen für Astrazeneca-Impfungen ein.
+++ China bietet Indien Hilfe im Kampf gegen das Coronavirus an. Details nennt der Sprecher des Außenministeriums nicht. "China ist bereit, die nötige Unterstützung und Hilfe zur Verfügung zu stellen", sagt er lediglich. Die weltweite Gemeinschaft müsse zusammenstehen. In Indien wütet die zweite Corona-Welle immer heftiger, das Gesundheitssystem steht unter Druck. Vor allem im Norden und Westen des Landes sind die meisten Klinken voll und Sauerstoff zur Beatmung der Covid-19-Patienten ist knapp.
+++ Bundesgesundheitsminister Spahn erwartet spätestens für Juni eine Freigabe der Corona-Impfungen für alle Impfwilligen in Deutschland. Wenn es früher sein sollte, wäre er froh, sagte der CDU-Politiker im Bundesrat. Stand jetzt gehe er davon aus, dass die Priorisierung im Juni aufgehoben werden könne. Inzwischen sei bereits die Hälfte der über 60-Jährigen in Deutschland mindestens einmal geimpft. Im Mai könne entsprechend mit der Immunisierung der Prioritätsgruppe 3 begonnen werden.
+++ Das Tübinger Corona-Modellprojekt wird wegen der Bundes-Notbremse nach sechs Wochen beendet. "Ab Montag ist also auch bei uns alles dicht. Theater, Handel, Schulen und Kitas", schrieb der Tübinger Oberbürgermeister Palmer auf seiner Facebook-Seite. Diese Entscheidung habe die CDU-Wahlkreisabgeordnete Widmann-Mauz der Presse mitgeteilt. Die Inzidenz im Landkreis sei mit 180 eben viel zu hoch, schrieb Palmer. Das Vorzeigeprojekt war bereits zwei Mal verlängert worden und hatte bundesweit für viel Aufsehen gesorgt, aber auch für einige Kritik.
Menschen in Tübingen sitzen am 29.3.2021 in einem Biergarten.
Menschen in Tübingen sitzen am 29.3.2021 in einem Biergarten. (www.imago-images.de / Thomas Dinges)
+++ Das Robert Koch-Institut hat in Deutschland binnen 24 Stunden 29.518 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Das sind 92 mehr als vor einer Woche. Die Zahlen könnten allerdings Nachmeldungen aus Nordrhein-Westfalen enthalten. Dort hatte es gestern technische Probleme bei der Übermittlung gegeben. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt laut dem RKI leicht auf 161,1 gegenüber 160,1 am Vortag. Die Zahl der an oder mit dem Virus gestorbenen Menschen erhöhte sich um 259 auf insgesamt 80.893.
+++ Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Sager, kritisiert das überarbeitete Infektionsschutzgesetz. Es werde etwas pauschal von Berlin aus geregelt, wohingegen flexibles und angemessenes Handeln vor Ort angezeigt sei, sagt der CDU-Politiker im ZDF. "Uns stört unter anderem, dass der Bundesgesetzgeber sich jetzt an die Stelle der Länder und Landkreise stellen will, die im Vollzug des Bundesinfektionsschutzgesetzes Hand in Hand zusammenarbeiten", so Sager. Auch der thüringische Ministerpräsident Ramelow kritisierte die Gesetzesnovelle. "Diese Bundesnotbremse hätten wir uns sparen können, wenn wir seit Februar in der Ministerpräsidentenkonferenz einen bundeseinheitlichen Stufenplan verabredet hätten", sagte Ramelow im MDR Fernsehen. Der Linke-Politiker kritisierte vor allem, dass im Gesetz so wenige Möglichkeiten der Betätigung im Freien gegeben seien.
"Gut gemeint, schlecht gemacht" - so wird die Änderung des Infektionsschutzgesetzes in den Zeitungen kommentiert.
+++ In Indien wurden in rund 315.000 weiteren Fällen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. Das ist der höchste Zuwachs, der bislang weltweit festgestellt wurde. Der vorherige Rekordwert kam aus den USA. Dort wurden im Januar an einem Tag 297.430 neue Fälle ausgewiesen. zurückgeführt wird dies auf eine neue Variante, die plakativ auch als "Doppelmutation" bekannt geworden ist. Wie gefährlich ist diese nach bisherigem Kenntnisstand tatsächlich? Fragen und Antworten finden Sie hier.
+++ Die EU-Kommission bereitet einem Medienbericht zufolge rechtliche Schritte gegen den Pharmakonzern Astrazeneca wegen der Lieferprobleme bei dessen Corona-Impfstoff vor. Das berichtet das Magazin "Politico" unter Berufung auf mehrere EU-Diplomaten. Bei einem Botschaftertreffen hätten sich gestern die meisten EU-Länder für rechtliche Schritte ausgesprochen.
+++ Norwegen reicht all seine vorrätigen Astrazeneca-Impfdosen an die skandinavischen Partnerländer Schweden und Island weiter, solange der Einsatz des Mittels im Land gestoppt ist. 200.000 der 216.000 auf Lager liegenden Dosen sollen an Schweden gehen, die restlichen 16.000 an Island, wie das norwegische Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte.
+++ Der Musikpreis Brit Awards soll in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie in London mit mehreren Tausend Zuschauern stattfinden. Bei der Preisverleihung des britischen Musikpreises am 11. Mai dürfen in der Londoner O2-Arena 4000 Zuschauer dabei sein, wie die Veranstalter am Donnerstag mitteilten. Der Abend ist Teil eines Pilotprojekts, mit dem die britische Regierung testen will, wie Großveranstaltungen unter Corona-Bedingungen sicher funktionieren können.
+++ In den USA bestehen laut einer Studie bei der Impfbereitschaft Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften. Jüdische Bürger und weiße Katholiken erklärten am ehesten, sie würden sich gegen Covid-19 impfen lassen oder seien bereits geimpft, heißt es in einem Bericht des Meinungsforschungsinstituts "Public Religion Research Institute". Bei der Erhebung vom März zeigten sich weiße Evangelikale am meisten zögerlich.
Vor einem Impfzentrum im New Yorker Stadtteil Brooklyn stehen die Menschen in einer langen Warteschlange.
Menschen stehen vor einem Impfzentrum im New Yorker Stadtteil Brooklyn Schlange. (imago images / ZUMA Wire)
+++ In einem Pflegeheim in den USA hat sich das Coronavirus verbreitet, obwohl ein Großteil der Betroffenen geimpft war. Dies geht aus einer Studie der US-Gesundheitsbehörden hervor. Demnach infizierten sich in dem Heim im Bundesstaat Kentucky 46 Menschen, nachdem ein nicht-geimpftes Mitglied des Pflegepersonals eine Variante des Coronavirus eingeschleppt hatte. 22 der Infizierten hatten den Angaben zufolge bereits die zweite Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten. Bei der eingeschleppten Variante handele es sich um eine, die nicht als gefährlicher als die Ur-Variante gelte, hieß es.
+++ Ärztepräsident Reinhardt fordert eine bessere Datengrundlage für den Kampf gegen das Coronavirus. "Wir brauchen endlich repräsentative Bevölkerungstests auf das Coronavirus, wie es sie zum Beispiel in Großbritannien schon lange gibt", sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Nur so ließen sich die Corona-Eindämmungsmaßnahmen auf eine valide wissenschaftliche Grundlage stellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse über das Ansteckungsrisiko in den Schulen etwa seien nach wie vor nicht eindeutig.
+++ Vor der Entscheidung im Bundesrat über die bundeseinheitliche Corona-Notbremse hat Kanzleramtsminister Braun die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes gegen Kritik verteidigt. "Das aktuelle Infektionsgeschehen ist in den meisten Regionen viel zu hoch und droht unser Gesundheitssystem zu überfordern", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes, die sogenannte Corona-Notbremse, sieht bundeseinheitliche Regeln zu Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sowie der Schließung von Geschäften und Schulen vor.
Mittwoch, 21. April
+++ In den USA sind alle Über-16-Jährigen zur Impfung aufgerufen. Präsident Biden hat eine neue Phase in der US-Impfkampagne ausgerufen. Alle Bürger ab 16 Jahren sollten sich nun impfen lassen können, erklärte Biden in Washington. Die USA hätten das Ziel von 200 Millionen Impfungen erreicht, bis Donnerstag würden 80 Prozent aller Über-65-Jährigen mindestens ein Impfung erhalten haben. In den USA leben etwa 328 Millionen Menschen.
+++ Immer mehr Todesopfer durch Coronavirus in der Türkei. Die Zahl der in Verbindung mit dem Virus Gestorbenen erreicht zurzeit jeden Tag einen neuen Höchststand. Aktuell meldet Gesundheitsminister
Koca die Zahl von 362 Verstorbenen innerhalb von 24 Stunden. Am Dien stag waren es noch 346. Bei der ersten und zweiten Covid-Welle starben deutlich weniger, was auf das geringe Durchschnittsalter der türkischen Bevölkerung zurückgeführt wurde. Inzwischen liegen nach Angaben der Istanbuler Ärztekammer aber vermehrt jüngere Infizierte auf den Intensivstationen. Die Zahl der Neuinfektionen ist seit Anfang April drastisch gestiegen und liegt aktuell bei 62.000. Bisher wurden gut zwei Millionen Impfdosen verabreicht. Die Regierung hatte die Corona-Restriktionen Anfang März zunächst gelockert, damals lag die Zahl der Neuinfektionen zeitweise unter 10.000
täglich. Zurzeit gilt eine Ausgangssperre ab 19 Uhr.
+++ Auch Bayern hat den Impfstoff von Astrazeneca in Arztpraxen für alle Altersgruppen freigegeben. Gesundheitsminister Holetschek (CSU) teilte in München mit, der Impfstoff könne in den Arztpraxen auch Personen unter 60 Jahren angeboten werden. Zuvor hatten bereits Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen die gleiche Entscheidung getroffen.
+++ Der Anteil der sogenannten britischen Variante des Coronavirus ist in Deutschland auf knapp 95 Prozent gestiegen. Das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts hervor. Demnach sei wegen des hohen Anteils der Mutation B 1.1.7 insgesamt nicht mehr damit zu rechnen, dass sich der Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz abschwäche. Vor knapp vier Wochen lag der Anteil der britischen Virus-Variante in Deutschland noch bei 70 Prozent. Die Mutante gilt als ansteckender und gefährlicher als die Ursprungsform. Die beiden anderen Mutationen, die zuerst in Südafrika und Brasilien nachgewiesen wurden, tauchten dagegen nur vereinzelt in den untersuchten Proben auf, hieß es. Alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stünden, schützten nach derzeitigen Erkenntnissen sehr gut vor einer Erkrankung durch die britische Variante und vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten, betont das RKI auf seiner Webseite.
+++ Die USA haben wie angekündigt wegen der Coronavirus-Pandemie die Reisenwarnungen der höchsten Stufe deutlich ausgeweitet und dabei auch Deutschland einbezogen. Seit Mittwoch sind in der vierten, roten Stufe "Do Not Travel" etwa 100 zusätzliche Staaten vertreten. Auf die Liste des US-Außenministeriums sind nun neben Deutschland auch etwa Frankreich, Großbritannien sowie die Nachbarstaaten Kanada und Mexiko aufgeführt. Die US-Regierung hatte am Montag angekündigt, für etwa 80 Prozent der Länder werde in Kürze die höchste Stufe gelten. Das wären nach 34 Staaten zu dem Zeitpunk am Ende etwa 130 Staaten.
+++ Überblick über die Corona-Fälle der letzten sieben Tage in Deutschland
Grafik-Karte Nr. 101290, Hochformat 110 x 135 mm, Corona-Fälle der letzten 7 Tage (nur in Farbe, Taktung: täglich außer samstags)
Corona-Fälle der letzten 7 Tage (21.04.2021) (dpa Grafik)
+++ In Dänemark dürfen seit heute Cafés, Bars, Restaurants und Museen wieder öffnen. Zugangsvoraussetzung ist ein sogenannter "Coronapass", mit dem man entweder eine Impfung, eine jüngst überstandene Infektion oder einen negativen Coronatest innerhalb der vergangenen 72 Stunden nachweist. Anfang Mai sollen in Dänemark auch Kinos, Theater und Konzertsäle wieder öffnen. Örtliche Abweichungen von dem Öffnungsplan sind jedoch je nach Infektionslage möglich.
+++ Frankreich schickt nach eigenen Angaben als erstes EU-Land einen Teil seiner Impfvorräte an Entwicklungsländer. Eine erste Lieferung von AstraZeneca aus eigenen Beständen werde sofort im Rahmen des internationalen Covax-Programms übergeben, teilt ein Mitarbeiter von Präsident Emmanuel Macron mit. Bis Mitte Juni sollen 500.000 Impfdosen gespendet werden. Covax will bis Ende Mai 237 Millionen AstraZeneca-Dosen an 142 Staaten liefern.
+++ In Mecklenburg-Vorpommern können sich ab sofort alle Altersgruppen unabhängig von der Priorisierung mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen. Bei Menschen unter 60 Jahren ist jedoch vor dem Spritzen eine ausführliche Beratung durch den Impfarzt notwendig, wie das Gesundheitsministerium in Schwerin mitteilte. Das bedeute, dass sowohl in den Impfzentren, durch mobile Teams oder in den Arztpraxen Astrazeneca unabhängig vom Alter oder der Impfreihenfolge verabreicht werden kann. In dieser Woche hatte Sachsen die Impfpriorisierung für das Vakzin von Astrazeneca aufgehoben und es auch unter 60-Jährigen zugänglich gemacht.
+++ Die USA erreichen ihr Ziel von 200 Millionen Impfungen früher als gedacht. US-Präsident Joe Biden werde das Erreichen in dieser Woche noch am Mittwoch verkünden, sagt ein Vertreter des US-Präsidialamts. Eigentlich wollte Biden das Ziel zu seinem 100. Tag im Amt erfüllen - also mehr als eine Woche später. Ursprünglich sollten es zum 100. Tag im Amt 100 Millionen Impfungen sein.
+++ Polen will die Corona-Beschränkungen in mehreren Regionen vorsichtig lockern. "Wir haben den Höhepunkt der dritten Welle hinter uns", sagte Gesundheitsminister Adam Niedzielski in Warschau. Da die Zahl der Neuinfektionen aber weiterhin hoch sei, könne man die Restriktionen nur in den weniger stark betroffenen Regionen zurückfahren.
+++ Der Bundestag hat die Änderung des Infektionsschutz-Gesetzes beschlossen. Damit erhält der Bund die Befugnis, Kontaktbeschränkungen und Schließungen anzuordnen. Bislang sind dafür die Bundesländer zuständig. In namentlicher Abstimmung votierten 342 Abgeordnete. Linke, FDP und die AfD stimmten gegen die Vorlage, die Grünen enthielten sich. Die bundesweite "Notbremse" schließt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr ab einer Inzidenz von 100 ein - also bei mehr als 100 Ansteckungen mit dem Coronavirus auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Schulen müssen ab einem Inzidenzwert von 165 den Präsenzunterricht einstellen.
Ausführliche Informationen zum Infektionsschutz-Gesetz finden Sie hier und hier.
Übersicht über Neuinfektionen und Stand der Impfungen:
Übersicht: Neuinfektionen und Stand der Impfungen
Corona in Deutschland (21.04.2021) (dpa Grafik)
+++ Schleswig-Holstein bekommt vom benachbarten Dänemark 55.000 Dosen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca. Die Regierung in Kopenhagen hat eine Anfrage des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Günther (CDU) positiv beschieden. Dänemark hatte als erstes europäisches Land die Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin nach Berichten über Blutgerinnsel dauerhaft eingestellt. Günther dankte der dänischen Regierung für die "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit".
+++ Wegen unklarer Formulierungen in einer Verordnung hat das Bremer Oberverwaltungsgericht (OVG) die Maskenpflicht für Grundschüler in dem Bundesland vorläufig aufgehoben. Die Ausführungen zu den Voraussetzungen, unter denen die Maskenpflicht gelte, seien "zu unbestimmt" gehalten, entschied das Gericht in einem von Eltern angestrengten Eilverfahren. Die Pflicht als solche sei aber angemessen, geeignet und erforderlich, um das Corona-Infektionsrisiko an Schulen einzudämmen.
+++ Beschäftigte haben künftig Anspruch auf zwei betriebliche Corona-Testangebote pro Woche. Das Bundeskabinett hat dazu in Berlin eine weitere Änderung der Corona-Arbeitsschutzverordnung beschlossen. Erst gestern war die Regelung in Kraft getreten, wonach in Unternehmen grundsätzlich mindestens ein Testangebot pro Woche gemacht werden muss. Diese wird in der nun abermals überarbeiteten Verordnung ergänzt. Sie soll zeitgleich mit dem Infektionsschutzgesetz in Kraft treten.
+++ Nach Ansicht der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Buyx, hat sich das Verhalten der Bevölkerung in der Corona-Pandemie verändert. Die Bereitschaft zu solidarischem Verhalten sei gesunken, sagte Buyx der "Frankfurter Rundschau". Das zeigten verschiedene Studien. Auch in der Sprache spiegele sich die wachsende Unzufriedenheit vieler Menschen - etwa durch neu erschaffene Begriffe wie "mütend", eine Kombination aus müde und wütend. Buyx mein, seit dem Winter sei etwas "gekippt".
Alena Buyx, Vorsitzende Deutscher Ethikrat
Alena Buyx, Vorsitzende Deutscher Ethikrat (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)
+++ Das Bundesverfassungsgericht hat einen Eilantrag gegen das deutsche Ratifizierungsgesetz zum Corona-Aufbaufonds der EU zurückgewiesen. Über die eigentliche Verfassungsklage ist damit allerdings noch nicht entschieden. Der Zweite Senat befand, dass der Antrag im Hauptverfahren zwar nicht offensichtlich unbegründet sei. Eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Verfassungsverstoß lasse sich allerdings nicht feststellen. Damit kann Bundespräsident Steinmeier das Gesetz nun unterzeichnen. Geklagt hatte eine Bürgerinitiative um den AfD-Gründer Lucke. Die Verfassungsbeschwerde richtete sich vor allem dagegen, dass die EU-Staaten gemeinsam Schulden aufnehmen. Der Corona-Aufbaufonds hat ein Volumen von 750 Milliarden Euro.
+++ In Indien hat das Gesundheitsministerium binnen 24 Stunden etwas mehr als 295.000 Neuinfektionen verzeichnet - so viele wie noch nie zuvor seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 2.023. Auch das ist der bisher höchste registrierte Anstieg innerhalb eines Tages. Indiens Regierungschef Modi sagte in einer Fernsehansprache, das Land befinde sich "erneut in einem großen Kampf" gegen das Coronavirus. Vor wenigen Wochen sei die Situation noch "unter Kontrolle" gewesen, die neue Welle sei aber "wie ein Sturm" gekommen. Religiöse Zusammenkünfte, politische und sportliche Veranstaltungen sowie ein Mangel an Corona-Medikamenten und Sauerstoff hatten die Situation in den vergangenen Wochen verschärft. Mehrere Staaten haben Reisewarnungen für Indien ausgegeben oder Flüge in das Land gestrichen.
+++ Das Robert Koch-Institut hat binnen 24 Stunden 24.844 Neuinfektionen gemeldet. Das sind etwa 3.191 mehr als am vergangenen Mittwoch. Die Sieben-Tage-Inzidenz fällt auf 160,1 von 162,4 am Vortag. Laut RKI sind 331 weitere Menschen in Verbindung mit dem Virus gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesfälle auf 80.634. Insgesamt wurden bislang mehr als 3,18 Millionen Menschen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet.
Weitere aktuelle Zahlen zum Coronavirus haben wir hier zusammengestellt.
+++ In den Niederlanden wird Ende April die abendliche Ausgangssperre trotz anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen gelockert. Ministerpräsident Rutte sagte in Den Haag, auch Terrassen von Cafés und Geschäfte dürften dann wieder öffnen - allerdings nur stundenweise und für eine begrenzte Zahl von Gästen. Rutte räumte ein, dass die Regierung mit den Lockerungen ein Risiko eingehe. Doch die Prognosen für die weitere Pandemie-Entwicklung gäben Anlass für vorsichtigen Optimismus. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen war in den vergangenen sieben Tagen um gut fünf Prozent im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. Der Inzidenzwert liegt bei rund 280 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. In Deutschland stehen die Niederlande weiterhin auf der Liste der Hochinzidenzländer.
+++ Die Deutsche Bahn bereitet sich auf Impfungen im eigenen Unternehmen vor. An mindestens zehn Standorten in Deutschland wolle der Konzern Impfzentren einrichten, an denen die Beschäftigten von den Betriebsärzten geimpft werden sollen, teilte eine Sprecherin mit. Die ersten Impfzentren entstehen in München und Nürnberg. Weitere Orte wurden zunächst nicht bekannt.
+++ Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gaß, hat vor Versorgungsengpässen bei Patienten gewarnt, die nicht an Covid-19 erkrankt sind. Wenn sich die Infektionslage nicht entspanne, würden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssten, sagte Gaß der Funke Mediengruppe. 90 Prozent der Krankenhäuser stellten aktuell mehr als 10 Prozent der Eingriffe zurück, 50 Prozent sogar mehr als 20 Prozent.
+++ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Änderungen am Infektionsschutzgesetz für nicht ausreichend, um Lehrer und Schüler in der Corona-Pandemie gut zu schützen. "Der jetzt geplante Inzidenzwert von 165, ab dem Schulen auf Fernunterricht umstellen sollen, ist immer noch zu hoch", sagt GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern werden damit Risiken ausgesetzt, die Politik in anderen Teilen der Gesellschaft nicht für akzeptabel hält."
Dienstag, 20. April
+++ Als erstes Land in Lateinamerika hat Argentinien mit der Herstellung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V begonnen. Der Pharmahersteller Laboratorios Richmond produziert nun zunächst eine erste Tranche, die dann zur Qualitätskontrolle zum Gamaleja-Institut in Moskau geschickt wird, wie das Unternehmen mitteilte. Im Juni wird die Produktion im großen Stil anlaufen. Der in Argentinien hergestellte Impfstoff soll später in andere lateinamerikanische Länder exportiert werden.
+++ Der US-Hersteller Johnson & Johnson will die Markteinführung seines Corona-Impfstoffes in Europa fortsetzen. Das teilte das Unternehmen mit, nachdem die EU-Arzneimittelbehörde EMA dem Präparat grünes Licht gegeben hatte.
Die EU-Behörde EMA hat bisher vier Corona-Impfstoffe zugelassen – von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Wie die Impfstoffe wirken, was über Nebenwirkungen bekannt ist und welche Impfstoff-Kandidaten es noch gibt – ein Überblick.
+++ CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat Laschet sieht eine Aufhebung der Corona-Beschränkungen für Geimpfte zurückhaltend. Zum jetzigen Zeitpunkt sei dies falsch, weil sich viele noch gar nicht hätten impfen lassen können, sagt er im ZDF. Er plädiere dafür, vor allem zu schauen, wie man Grundrechtseinschränkungen für alle bald wieder zurücknehmen könne - wenn die Infektionslage das erlaube.
+++ Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson kann in der EU verwendet werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde teilte in Amsterdam nach einer Prüfung mit, dass sie das Präparat weiterhin empfiehlt. Allerdings könne der Wirkstoff in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen. Das solle als Warnung in die Nebenwirkungen mit aufgenommen werden. Gleichwohl überwögen die Vorteile des Vakzins, erklärte die EMA. Johnson & Johnson hatte die Auslieferung in Europa in der vergangenen Woche ausgesetzt. Zuvor waren in den USA sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen festgestellt worden, nachdem der Impfstoff fast sieben Millionen Menschen verabreicht worden war.
Genau wie beim AstraZeneca-Vakzin sind auch nach Impfungen mit dem Mittel von Johnson & Johnson Fälle von Sinusvenenthrombosen aufgetreten. Noch gibt es keine gesicherten Erkenntnisse – aber erste Fachleute vermuten bereits, dass dies am gemeinsamen Impfstofftyp liegt. Bei beiden handelt es sich um Vektorimpfstoffe. Was ist bereits bekannt? Hier finden Sie mehr dazu.
+++ Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gefährden die Integration von Zuwanderern massiv. Zu diesem Schluss kommen Expertinnen einer Studie der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Errungenschaften, die man in den vergangenen sechs, sieben Jahren erzielt habe, drohten zu versanden, warnen die Forscherin Petra Bendel und ihre Mitautorinnen. Der Zugang zu Schulbildung, Sprach- und Integrationskursen sei für Eingewanderte und ihre Nachkommen besonders schwierig, zumal es vielfach an WLAN, Tablets oder Computern fehle und die Unterstützung durch Ehrenamtliche bedingt durch die Pandemie stark zurückgegangen sei. Dies gelte besonders für geflüchtete Kinder, die in Gemeinschaftsunterkünften lebten und dort mehrheitlich keinen Schreibtisch für sich hätten.
+++ Der Migrationsdruck aufgrund von Klimafolgen nimmt aus Expertensicht zu. Momentan sei zu beobachten, dass "Klimamigranten" vor allem innerhalb ihrer Heimatländer unterwegs seien, sagte die Projektleiterin des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Kira Vinke in einem Gespräch mit "SOS Kinderdörfer" in München; Vinke berät die Hilfsorganisation. Ein Grund für die Binnenmigration seien die fehlende Voraussetzungen, um in ein anderes Land zu gehen. Viele Menschen wollten außerdem in ihrem Kulturkreis bleiben, ihre eigene Sprache sprechen und möglicherweise später in ihre Heimat zurückkehren. Zudem gebe es "Grenzregime", die nicht so einfach überwunden werden könnten, führte Vinke aus.
+++ Wegen der rasant steigenden Zahlen der Corona-Toten in der iranischen Hauptstadt könnte der Teheraner Zentralfriedhof Behescht Sahra schon bald nicht mehr über genügend Leichenhallen verfügen. "Falls es noch schlimmer werden sollte, haben unsere jetzigen Leichenhallen nicht mehr genügend Kapazität, um die vielen Toten aufzubewahren", sagte Resa Karami, Leiter der Krisenabteilung in der Teheraner Stadtverwaltung, der Nachrichtenagentur Ilna.
+++ In den deutschen Kliniken sind fast 5.000 Intensiv-Betten mit Covid-19-Patienten belegt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin gab ihre Zahl aktuell mit 4.966 an. So hoch war die Auslastung zuletzt im Januar. Der Kölner Intensivmediziner Karagiannidis zeigte sich sehr beunruhigt durch die enorme Belastung der Ärzte und Pflegekräfte. Hunderten von Kliniken mangele es an Personal. Planbare Operationen würden deshalb oft nur noch eingeschränkt durchgeführt. Sehen Sie hier auch das aktuelle Statement von DIVI-Chef Marx:
+++ In Sachsen können sich ab sofort alle Bürger in Arztpraxen mit Astrazeneca impfen lassen. Wie Landesgesundheitsministerin Köpping mitteilte, ist damit die Priorisierung für diesen Corona-Impfstoff komplett aufgehoben. Die Impfung dürfe allerdings nur nach einer ausführlichen Beratung erfolgen. Bisher wurde der Impfstoff nur Menschen im Alter ab 60 Jahren verabreicht, weil bei Jüngeren ein Zusammenhang zwischen Astrazeneca und seltenen Blutgerinnseln nicht ausgeschlossen werden kann.
+++ Und hier der Überblick über die Coronafälle in Deutschland.
Die Grafik zeigt die Corona-Fälle in Deutschland.
Corona-Fälle in Deutschland (20.04.2021) (dpa-Grafik)
+++ Die Corona-Pandemie hat auch bei Flugzeugherstellern und ihren Zulieferfirmen Spuren hinterlassen. Wie der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie mitteilte, sank der Branchenumsatz in der zivilen Luftfahrt im vergangenen Jahr auf knapp 22 Milliarden Euro. Das ist ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor. 8.200 Arbeitsplätze wurden gestrichen.
+++ Das Kinderhilfswerk Unicef hat die Einberufung eines Gipfels zur Bewältigung der Folgen von Corona für Kinder, Jugendliche und Familien in Deutschland gefordert. "Der Sicherung der Kinderrechte muss jetzt höchste Priorität eingeräumt werden", sagte der Vorstandsvorsitzende von Unicef Deutschland, Waldersee, bei der Online-Präsentation des Unicef-Berichts zur Lage der Kinder in Deutschland 2021. Es mehrten sich die Hinweise, dass derzeit viele Familien an ihre Grenzen stießen, heißt es in dem Bericht.
+++ Beschäftigte in deutschen Unternehmen haben ab sofort das Recht auf regelmäßige kostenlose Corona-Tests im Betrieb. Heute trat eine Verordnung von Arbeitsminister Heil in Kraft, die für alle, die nicht im Homeoffice arbeiten, einmal wöchentlich ein Testangebot vorsieht. Beschäftigte mit häufigem Kundenkontakt oder in körpernahen Dienstleistungen haben das Recht auf zwei Tests pro Woche.
+++ Auch im zweiten Corona-Lockdown haben Schülerinnen und Schüler in Deutschland einer Studie zufolge weniger gelernt. Zwar hätten sie täglich eine knappe Dreiviertelstunde mehr mit schulischen Tätigkeiten verbracht als während der ersten Schulschließungen, teilte das ifo Institut bei der Präsentation der Umfrage unter mehr als 2.000 Eltern in München mit. Mit durchschnittlich 4,3 Stunden am Tag seien das aber noch immer drei Stunden weniger als an einem üblichen Schultag vor Corona (7,5 Stunden).
+++ Verschiedene Varianten des Corona-Virus sorgen seit einigen Monaten für Aufregung. Einige sind ansteckender und gegen manche wirken die aktuellen Impfstoffe nicht so gut. Für eine neu entdeckte Mutante aus Indien könnte beides gelten. Das Robert Koch-Institut beobachtet die Variante mit dem Namen B.1.617 deshalb jetzt, will sie aber noch nicht als besorgniserregend einstufen. Das bedeutet möglicherweise, dass eine Impfung oder eine überstandene Corona-Infektion nicht so wirksam vor einer Ansteckung mit dieser Variante schützen.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 9.609 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind rund 1.200 weniger als vor einer Woche. Allerdings sind die Zahlen nicht vollständig, da aus Nordrhein-Westfalen wegen technischer Probleme nicht alle Neuinfektionen übermittelt werden konnten. Außerdem wurden innerhalb 24 Stunden 297 neue Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus registriert. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sank laut RKI leicht auf 162,4.
+++ Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland sollen in der kommenden Woche 500.000 Impfdosen mehr erhalten als zunächst geplant. Ursprünglich hätten in der letzten Aprilwoche rund 1,5 Millionen Dosen an die Praxen gehen sollen - davon drei Viertel BioNTech und ein Viertel AstraZeneca, zitiert die "Rheinische Post" aus einer Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Stattdessen würden nun zwei Millionen Einheiten geliefert, und zwar ausschließlich das Vakzin von BioNTech/Pfizer.
+++ Ärztepräsident Reinhardt hat die Bundestagsfraktionen aufgefordert, das geplante Infektionsschutzgesetz nachzuschärfen. Neben dem Inzidenzwert müssten noch weitere Kriterien für die Aktivierung der Corona-Notbremse aufgenommen werden, sagte Reinhardt, der "Rheinischen Post". Bei der Entscheidung über die Lockerung oder Verschärfung von Schutzmaßnahmen sollten weitere Daten berücksichtigt werden, etwa die Zahl der täglichen Neuaufnahmen von Corona-Intensivpatienten.
+++ Der deutsche Lehrerverband fordert, Schüler im Kampf gegen die Corona-Pandemie früher in den Distanzunterricht zu schicken als vorgesehen. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 200 als Maßstab für Schulschließungen, wie sie ursprünglich in der Notbremse des Bundes vorgesehen war, sei viel zu hoch. Es sei deswegen ein Fortschritt, wenn die Grenze jetzt auf 165 gesenkt werden soll, sagte Verbandspräsident Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Doch auch eine Inzidenz von 165 sei noch deutlich zu hoch.
+++ Die Kommunen haben die geplanten Änderungen an der sogenannten Corona-Notbremse des Bundes begrüßt. Es sei richtig, die Ausgangsbeschränkungen erst ab 22.00 Uhr vorzusehen. Andernfalls wären die Menschen alle zur selben Zeit abends noch in die Lebensmittelgeschäfte geströmt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Landsberg, der "Rheinischen Post".
+++ Beim kontaktlosen Sporttreiben im Freien ist das Risiko einer Corona-Ansteckung nach Ansicht des Präsidenten der Gesellschaft für Aerosolforschung, Asbach, äußerst gering. Im Freien gebe es keine Gründe, die dagegen sprechen würden, Sport wieder zu erlauben, sagte Asbach der Deutschen Presse-Agentur.
Montag, 19. April
+++ Die Menschheit muss sich nach Ansicht des Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, auf ein dauerhaftes Leben mit Corona einstellen. "Ein Virus, das eine Menge Tierarten infizieren kann, das lässt sich nicht ausrotten", sagte Wieler anlässlich des 127. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Stuttgart. Generell müsse man Tierhaltung und Tierhandel in den Griff bekommen, sagte der Tierarzt mit Blick auf die Ausbreitung von Krankheiten. Gerade der illegale Tierhandel sei ein Problem.
+++ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich gegen einen obligatorischen Nachweis von Impfungen gegen das Coronavirus bei grenzüberschreitenden Reisen ausgesprochen. Es gebe nur begrenzte Erkenntnisse, ob eine Impfung die Gefahr senke, andere anzustecken, erklärte die Organisation. Außerdem würden Ungerechtigkeiten durch eine solche Nachweispflicht verstärkt: Vor allem wohlhabende Länder haben schon Millionen von Menschen geimpft, während viele ärmere Länder noch auf Impfstoffe warten.
+++ Ab Juni sollen auch die Betriebsärzte in die Corona-Schutzimpfungen eingebunden werden. Bundesgesundheitsminister Spahn erklärte, die Kampagne gewinne im zweiten Quartal deutlich an Geschwindigkeit. Zu den Lieferzusagen der Impfstoffhersteller Hersteller Biontech und Moderna kämen noch Astrazeneca und Johnson & Johnson hinzu.
Langsam, aber stetig – seit Ostern sind auch Hausarztpraxen in die Impfkampagne gegen das Coronavirus eingebunden. Zwar stehen ihnen im Moment nur wenige Dosen pro Praxis zur Verfügung. Doch die Mengen sollen auf absehbare Zeit steigen. Was heißt das für die Patienten?
+++ Griechenland hat die Quarantäne-Pflicht für Reisende aus EU-Staaten aufgehoben, die einen vollen Corona-Impfschutz haben oder einen negativen Test vorweisen können. Das teilte die Luftfahrtbehörde in Athen mit. Bislang galt in Griechenland eine siebentägige Quarantäne-Pflicht.
+++ Die Türkei meldet weiter hohe Corona-Fallzahlen. Gestern waren es 318 Todesopfer, so viele wie noch nie an einem Tag. Zugleich wurden mehr als 55.000 neue Infektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreicht regional Werte von mehr als 900.
Auf einem Brückenpfeiler ist eine Ärztin in Schutzkleidung dargestellt, die in der Pose einer Superheldin eine Mauer durchbricht
In Ankara sollen Graffiti auf die Leistung von Medizinern und Pflegekräften hinweisen (AFP/Adem Altan)
+++ Die bundesweiten Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen weniger streng ausfallen als ursprünglich geplant. Das teilten Abgeordnete von Union und SPD nach Beratungen mit. Demnach sollen Ausgangsbeschränkungen von 22 bis 5 Uhr verhängt werden können. Joggen und Spaziergänge sollen aber bis Mitternacht erlaubt sein. In einem früheren Entwurf waren Ausgangsbeschränkungen ab 21 Uhr vorgesehen. Für Kinder im Alter bis 14 Jahren soll Sport in Gruppen weiter möglich sein. Arbeitgeber müssen zwei Corona-Tests pro Woche bereitstellen.
Alle Regelungen sind zunächst bis zum 30. Juni befristet und sollen bundesweit einheitlich angewendet werden, falls die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis drei Tage hintereinander über 100 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt. Der Bundestag will am Mittwoch über die Änderungen abstimmen. Anschließend befasst sich der Bundesrat damit.
+++ Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff befindet sich vorsorglich in Quarantäne. Nach Angaben eines Regierungssprechers gab es im erweiterten Umfeld des CDU-Politikers vermutlich zwei Corona-Fälle. Der Ministerpräsident sei zuletzt gestern negativ getestet worden. Nun werde man mehrere Tage abwarten bis zu einem neuerlichen Test. Eine Regierungspressekonferenz für morgen wurde abgesagt.
Haseloff steht im Landtag am Rednerpult
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
+++ Wegen einer goßen Zahl an Corona-Neuinfektionen gilt in der indischen Hauptstadt Delhi von Montag an eine einwöchige Ausgangssperre. In dem Land mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern wurden nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium innerhalb von 24 Stunden insgesamt 274.000 neue Corona-Fälle erfasst - ein Höchstwert. Mehrere indische Städte waren deshalb bereits am Wochenende in einen neuen Lockdown gegangen. Der britische Premierminister Johnson sagte einen für Ende April geplanten Besuch in dem asiatischen Land ab.
+++ Jeder zweite erwachsene US-Bürger hat mindestens eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. 50,4 Prozent der Erwachsenen - rund 130 Millionen Menschen - wurde bis gestern mindestens eine Dosis verabreicht, wie die Gesundheitsbehörde CDC mitteilte. Vollständig geimpft ist demnach bereits fast jeder dritte. In der besonders gefährdeten Altersgruppe ab 65 Jahren haben 81 Prozent eine erste Dosis erhalten, rund zwei Drittel in dieser Gruppe sind vollständig immunisiert. Zuletzt wurden in den USA im Schnitt mehr als drei Millionen Menschen pro Tag geimpft.
+++ Die Zahl der vom Lockdown betroffenen Betriebe in Deutschland ist einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zurückgegangen. Aktuell seien 23 Prozent der Betriebe in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt, ergab die Umfrage. Sie mussten demnach ihre Tätigkeit ganz oder teilweise einstellen. Im Januar waren es noch 28 Prozent.
+++ Die Beratungen über eine bundesweite Corona-Notbremse gehen in die möglicherweise entscheidende Woche. Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD sprechen heute in Videokonferenzen über Änderungen am Infektionsschutzgesetz. Ziel des Gesetzes ist es, Einschränkungen des öffentlichen Lebens bundesweit einheitlich zu regeln. In einigen Bundesländern gelten bereits ab heute strengere Regeln, in Brandenburg etwa Ausgangsbeschränkung zwischen 22 und 5 Uhr für Regionen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage lang über 100 liegt. Ab einer Inzidenz von 200 sollen Schulen geschlossen werden. Mecklenburg-Vorpommern ist seit Mitternacht in einem Lockdown. Schulen, Kitas, Museen, Bibliotheken und die meisten Geschäfte dürfen nicht öffnen. Auch für Corona-Hotspots in Baden-Württemberg gelten von heute an schärfere Vorschriften.
Grafik-Karte Nr. 101290, Hochformat 110 x 135 mm, Corona-Fälle der letzten 7 Tage (nur in Farbe, Taktung: täglich außer samstags)
Corona-Fälle der letzten 7 Tage (18.04.2021) (dpa Grafik)
+++ Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie sind wieder quarantänefreie Reisen zwischen Australien und Neuseeland möglich. Der erste Flug bediente heute die Route zwischen Sydney und Auckland. Australiens Premierminister Morrison und Neuseelands Regierungschefin Ardern sprachen von einer Win-win-Situation. Beide Staaten hatten ihre Grenzen für Reisende im März 2020 geschlossen.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 11.437 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind rund 1.800 weniger als vor einer Woche. Seit gestern wurden außerdem 92 neue Todesfälle verzeichnet. Die Gesamtzahl der Corona-Toten in Deutschland stieg damit auf 80.006. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz gibt das RKI mit 165,3 an.
Weitere aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland finden Sie hier.
+++ Angesichts drohender Schulschließungen durch das geänderte Infektionsschutzgesetz haben Politiker mehrerer Fraktionen gefordert, Alternativen zum Distanzunterricht zu finden. Unterricht im Freien oder die weitere Reduzierung der Lerngruppengrößen seien zu durchdenken, bevor Schulen geschlossen werden, sagte der familienpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Weinberg, der "Bild"-Zeitung. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bas argumentierte, dass die Wissenschaft belegt habe, dass Aktivitäten unter freiem Himmel sicherer seien als in geschlossenen Räumen.
+++ Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher will bei der geplanten Neufassung des Infektionsschutzgesetzes auch eine deutliche Einschränkung der Versammlungsfreiheit vornehmen. Mit Blick auf Großdemonstrationen sagte der SPD-Politiker, in dieser sehr ernsten Lage gehe es nicht, "dass Tausende Menschen unterwegs sein können".
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