Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Johnson & Johnson und Co.Corona-Impfstoffe in der Übersicht

Die EU-Behörde EMA hat bisher vier Corona-Impfstoffe zugelassen: von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Wie die Impfstoffe wirken, was über Nebenwirkungen bekannt ist und welche Impfstoff-Kandidaten es noch gibt - ein Überblick.

28.06.2021

Mehrere Injektionsnadeln liegen in einem Halbkreis, das Foto ist künstlerisch verfremdet.
Mehrere Impfstoff-Projekte sind in der entscheidenden letzten Testphase (imago / Future Image)
Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffs mehrere Jahre. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sollte alles viel schneller gehen, was zu einem weltweiten Forschungs- und Entwicklung-Wettlauf geführt hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet auf ihrer Webseite rund 200 Projekte auf, die zu einem Corona-Impfstoff forschen. Einige Impfstoffe haben in verschiedenen Ländern bereits Zulassungen erhalten, andere befinden sich noch in der klinischen Testphase. In Deutschland haben die Impfungen am 27. Dezember begonnen.
Zwei Hände in Handschuhen halten die ettiketierten Impfdosen, Symolfoto
Corona-Impfstoffe - Impfrisiken im Überblick
Wer wann geimpft werden darf, steht fest, doch manch einer zweifelt: Wie steht es um Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe? Was sollten Betroffene tun? Und wie überwacht die EMA den Impfprozess?
Welche Impfstoffe sind in der EU bereits zugelassen?
Biontech/Pfizer und Moderna (Impfstoffnamen: Comirnaty und Moderna)
Auf den relativ neuen Ansatz, mit Boten-RNA zu impfen, setzen die Mainzer Firma Biontech gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer und das US-Unternehmen Moderna. Laut einem Zwischenergebnis, das Biontech/Pfizer am 9. November 2020 vorstellten, bietet ihr mRNA-Impfstoff Comirnaty einen 90-prozentigen Schutz vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2. Moderna präsentierte ein vergleichbares Ergebnis: Die Wirksamkeit des Impfstoffs Moderna soll bei 94,5 Prozent liegen. In der EU ist der Biontech/Pfizer-Impfstoff seit Dezember 2020 zugelassen, der Impfstoff von Moderna seit Januar 2021. Am 8. Mai 2021 hat die EU mitgeteilt, dass bis 2023 bis zu 1,8 Milliarden weitere Impfdosen von Pfizer/Biontech gekauft werden sollen.
Das Foto zeigt eine Impfstoffdose von Pfizer-BioNtech.
So funktionieren mRNA-Impfstoffe
Das Wirkprinzip mit der eingeschleusten RNA könnte der Medizin ganz neue Behandlungsmethoden eröffnen – auch bei Krebs, Alzheimer oder Diabetes.
Biontech hat etwas geringere Mengen von mRNA im Impfstoff und ist damit günstiger (12 Euro). Dafür ist der Moderna-Impfstoff (15 Euro) einfacher in der Handhabung: Er muss nicht verdünnt werden und ist bei minus 20 Grad in normalen Kühl-Gefrierkombination stabil, während der Biontech-Impfstoff bei Temperaturen kälter als minus 70 Grad in Spezialbehältern gekühlt werden muss.

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Astrazeneca (Impfstoffname: Vaxzervria)
Am 29. Januar 2021 hat die EMA den Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns Astrazeneca zur Zulassung empfohlen und die EU-Kommission ist dem gefolgt. Das Mittel, mit dem Namen Vaxzervria, das Astrazeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt hat, ist ein Vektorimpfstoff und benötigt lediglich Kühlschranktemperatur. Es ist damit auch für Hausärzte praktikabel, ist zudem schneller produzierbar und wesentlich günstiger als die beiden mRNA-Impfstoffe: Eine Dosis von Astrazeneca soll umgerechnet rund 2,10 Euro kosten.
Laut den Ergebnissen einer Großstudie, die Astrazeneca im März 2021 veröffentlichte, zeigt der Impfstoff eine Wirksamkeit von 76 Prozent. Zudem soll er schwere Covid-19-Verläufe verhindern und die Viruslast von Infizierten verringern.
Drei Impfampullen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca stehen nebeneinander
Impfstoff von Astrazeneca - Was über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist
Der Impfstoff von Astrazeneca steht in Deutschland spätestens seit der zwischenzeitlichen Impfpause in der Kritik. Inzwischen gibt es erste Erkenntnisse, über das Auftreten von Hirnthrombosen in Folge von Impfungen mit dem Vakzin. Ein Überblick.
Der Impfstoff Vaxzervria von Astrazeneca ist jedoch stärker als die anderen Impfstoffe gegen Covid-19 in die Kritik geraten. Mehrere Länder, und schließlich auch Deutschland, stoppten die Impfung vorübergehend, setzen sie aber jetzt wieder fort. Grund sind mehrere Fälle von Hirnvenenthrombosen, die nach Impfungen aufgetreten waren. Die Ständige Impfkommission der Bundesregierung empfiehlt den Impfstoff daher jetzt nur noch für Menschen ab 60 Jahren. Die Europäische Arzneimittelbehörde dagegen nahm am 7. April keine Änderung an ihrer uneingeschränkten Empfehlung für den Impfstoff vor.
Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca
Kreuzimpfung - Was über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist
In Deutschland empfiehlt die Impfkommission (STIKO) unter 60-Jährigen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Erste Daten zeigen: Die Kombinationen sind sicher und tendenziell wirksamer.
Impfen lassen kann sich mit dem Vakzin in Deutschland inzwischen jeder. Die Priorisierung für das Vakzin wurde am 8. Mai aufgehoben. Wie lange der Impfstoff noch zur Verfügung stehen wird, ist hingegen unklar. Die EU hat den Vertrag mit Astrazeneca bisher nicht verlängert. Der aktuelle Vertrag läuft noch bis Juni, man werde die Entwicklung weiter beobachten, sagte der EU-Industriekommissar Thierry Breton. Er betonte: "Das ist ein guter Impfstoff." Allerdings gibt es nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen EU-Ländern Vorbehalte gegen das Vakzin.
Johnson & Johnson (Impfstoffname: Janssen)
Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson wurde im März 2021 in der EU zugelassen. Seit dem 10. Mai kann er in Deutschland in der Regel bei Menschen ab 60 Jahre eingesetzt werden, ähnlich wie das Vakzin von Astrazeneca. Gleichzeitig wurde die Priorisierung für den Impfstoff von Johnson & Johnson in Arztpraxen und bei Betriebsärzten aufgehoben. Nach ärztlicher Aufklärung können demnach auch jüngere Menschen das Präparat von Johnson & Johnson bekommen. Diese Entscheidung hatten die Gesundheitsminister der Länder aufgrund einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission getroffen.
Wie bei Astrazenca gibt es auch im Zusammenhang mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson - ebenfalls ein Vektorimpfstoff - Berichte über einzelne Fälle von Hirnvenenthrombosen. Die europäische Arzneimittelbehörder EMA bewertet aber den Nutzen einer Impfung höher als die Risiken und empfiehlt den Einsatz weiterhin (20. April). In den USA sind 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffes verabreicht worden. In sechs Fällen kam es zu einer Sinusvenenthrombose.
Von den rund 34 Millionen in Deutschland verabreichten Impfdosen stammen bisher nur rund 18.000 von Johnson & Johnson. Die Lieferungen sollen nun aber zunehmen. Die EU-Kommission hat Impfdosen des amerikanischen Herstellers für 200 Millionen Menschen bestellt. Sie erwartet bis Ende Juni bis zu 55 Millionen Dosen des Impfstoffs. Gut zehn Millionen Einheiten sollen nach Deutschland gehen.
Die Illustration zeigt die Kronenzacken (Spikes) des Coronavirus. Links die britische, in der Mitte die brasilianisch und rechts die südafrikanische Variante. In diesem Bild sind die Atome der Spikes zu erkennen
Wie gefährlich sind die Mutationen?
Gleich mehrere veränderte Varianten des ursprünglichen Coronavirus bereiten derzeit Sorgen. Sind die neuen Coronavirus-Mutationen gefährlich? Wie wirksam sind die Impfstoffe noch? Ein Überblick.

Das Besondere an dem Vektorimpfstoff von Johson & Johnson ist, dass er nur eine einzige Dosis benötigt und lange bei Kühlschranktemperaturen haltbar ist. Die Anwendung ist also einfacher als bei den bisher verfügbaren Präparaten. In einer Studie mit 44.000 Probanden gab es eine Schutzwirkung von 66 Prozent. Verglichen mit der Konkurrenz ist die Wirksamkeit zwar geringer, entscheidend ist aber, dass die schweren Verläufe sehr effektiv verhindert werden konnten - nämlich zu 85 Prozent. Ähnlich gut waren die Ergebnisse übrigens auch in Brasilien und Südafrika - das bedeutet, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson wohl auch vor neuen Virusvarianten schützt.
Coronavirus
Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)
Welche weiteren Impfstoffe gibt es?
Es gibt 30 Impfstoffe in Phase-3-Studien. Es kommen also noch Impfstoffe nach. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat wie andere Behörden ein rollierendes Zulassungsverfahren eingerichtet, bei dem die Hersteller ständig Daten liefern, so dass am Ende schneller über einen Antrag entschieden werden kann. Das wird nur für vielversprechende Impfstoffe gemacht.
Russlands Impfstoff "Sputnik V"
Als weltweit erstes Land erteilte Russland im August 2020 einem Vektorimpfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus eine Zulassung. Der vom staatliche Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelte Wirkstoff heißt offiziell "Gam-COVID-Vac" beziehungsweise "Gam-COVID-Vac Lyo", wird aber auch "Sputnik V" genannt. Er war zum Zeitpunkt der Zulassung nur an mehreren Dutzend Personen getestet worden und hatte noch nicht die entscheidende dritte Phase der klinischen Prüfungen durchlaufen, was damals in Fachkreisen kritisch bewertet wurde. Mittlerweile ist ein Zwischenbericht in einem renommierten wissenschaftlichen Fachjournal erschienen. Dort gibt das Forschungsteam vom Gamaleja-Institut erneut eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent an und liefert die entsprechenden Daten dazu.
Ein Fläschchen mit dem russischen Impfstoff Gam-COVID-Vak (Sputnik V) gegen COVID-19 steht im Krankenhaus Nr. 4 in Sotschi
Sputnik V wirkt und ist sicher
Dass in Russland mit Sputnik V geimpft wurde, noch bevor die klinische Studie abgeschlossen war, stieß auf viel Kritik. Jetzt ist ein Zwischenbericht in der renommierten Fachzeitschrift "The Lancet" erschienen.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat inzwischen ein schnelles Prüfverfahren für die Zulassung von "Sputnik V" in Europa gestartet. Dabei wird die Wirksamkeit des russischen Corona-Impfstoffes nach dem sogenannten "Rolling-Review-Verfahren" bewertet, bei dem Testergebnisse auch bereits geprüft werden, wenn noch nicht alle für die Zulassung nötigen Daten vorliegen. Die russischen Behörden begrüßten den Start des EMA-Verfahrens und kündigten für den Fall der Zulassung an, ab Juni 2021 Impfdosen für 50 Millionen Menschen in der EU liefern zu können.
Am 8. April 2021 kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Gespräche mit Russland über den Ankauf des Impfstoffs Sputnik V an. Zuvor hatte bereits Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bekanntgegeben, dass sein Bundesland einen Vorvertrag über den Bezug von 2,5 Millionen Dosen Sputnik V abgeschlossen hat. Geplant sei, dass ein Werk in Illertissen das Vakzin im Auftrag der Sputnik-Entwickler produziert. Auch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben Interesse an einer Bestellung bekundet, andere Bundesländer kritisieren solche Einzelvorstöße hingegen.
Nach Angaben von Spahn wird die EU-Kommission keine Verträge mit Moskau über eine EU-weite Impfstoff-Lieferungen abschließen. Deshalb werde es bilaterale Verhandlungen geben. Im WDR-Hörfunk erklärte Spahn, vor einer deutschen Bestellung gehe es allerdings zunächst um die Zulassung von Sputnik V in der EU. Dafür müsse Russland Daten liefern. Er erwarte von Russland zudem verbindliche Aussagen dazu, wann und wie viel Impfstoff geliefert werden könnte. Um wirklich einen Unterschied für die aktuelle Infektionslage zu machen, müsste die Lieferung schon in den nächsten zwei bis vier Monaten kommen. "Ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff", erklärte der CDU-Politiker.
Eigentlich sollte Russland bis zum 10. Juni die Daten zur Phase-3-Studie von Sputnik V vorlegen, das ist offenbar nicht geschehen, berichten Nachrichtenagenturen. Vielleicht ist der Markt Europa für die Hersteller nicht so wichtig, so der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Der Impfstoff werde in über 60 Ländern eingesetzt zum Beispiel in Mexiko, Argentinien oder auch Ägypten.
Eine Krankenschwester in Argentinien hält eine Spritze und die Verpackung des russischen Impfstoffs Sputnik V in die Kamera
Wie die EU-Staaten mit Sputnik V umgehen
Die EU-Kommission hat bislang kein Interesse an einem gemeinsamen Kauf des Impfstoffes signalisiert. Einige EU-Mitgliedsländer bemühen sich deshalb eigenständig um Verhandlungen - und in Ungarn wird Sputnik sogar schon verimpft.
Mitte Oktober 2020 hatte Russlands Präsident Wladimir Putin zudem bekanntgegeben, dass ein weiterer Impfstoff die Zulassung erhalten habe. Es handelt sich dabei um einen klassischen Eiweißimpfstoff, der versucht, durch inaktivierte SARS-CoV-2 Viren das Immunsystem auf eine Abwehr des neuartigen Erregers vorzubereiten. Auch bei diesem vom Vektor-Forschungszentrum in Sibirien entwickelten Mittel erfolgte die Zulassung vor dem Beginn der dritten klinischen Testphase.
Curevac (Impfstoffname CVnCoV)
Neben dem Impfstoff von Biontech wird ein zweiter in Deutschland von dem Tübinger Biopharmaunternehmen Curevac entwickelt: Der Impfstoff CVnCoV, ebenfalls ein RNA-Impfstoff, der anfangs in besonderem Interesse stand. Doch die entscheidende Phase-3-Studie in Europa und Lateinamerika hat sich verzögert und erst Mitte Dezember begonnen. Am 17. Juni gab Curevac bekannt, dass sein Impfstoff einer Zwischenanalyse zufolge nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent aufweist. Erste Analysen hätten gezeigt, dass die Wirksamkeit von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhänge. Die Studie werde aber bis zur endgültigen Analyse fortgesetzt. Curevac hat mit mehreren Industrieunternehmen Auftragsfertigung vereinbart, auch mit Bayer und Novartis.
Injektionsflaschen mit dem Corona-Impfstoff des Tübinger Herstellers Curevac (Symbolbild)
Mögliche Gründe für die geringe Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs
Das Tübinger Biopharmaunternehmen erklärt die geringe Wirksamkeit seines Impfstoffs mit den infektiöseren Virusvarianten. Aber es könnte auch mit den Details der Konstruktion des mRNA-Impfstoffs zu tun haben.
Novavax und Sanofi
Im Rennen ist auch noch der Impfstoff NVX-CoV2373 des US-Hersteller Novavax, ein Protein-basierter Totimpfstoff. Hergestellt werden diese Proteine von Mottenzellen, die zuvor mit Insektenviren infiziert wurden. Anschließend werden die Virus-Proteine in Nanopartikel verpackt. Der Impfstoff überzeugte von Anfang an durch die hohe Zahl neutralisierender Antikörper im Blut der Geimpften. Dabei hilft ein Immunverstärker, ein sogenanntes Adjuvans. Nach Meinung einiger Experten eignen sich proteinbasierte Impfstoffe wie der von Novavax gut für Mehrfachimpfungen. Da er drei Monate im Kühlschrank haltbar ist, scheint er besonders geeignet für Impfungen in Arztpraxen, so wie sie bei der jährlichen Grippeimpfung stattfinden.

Die erste klinische Studie der Phase 3 fand in Großbritannien statt. Im Januar stellte das Unternehmen Ergebnisse daraus vor. Demnach verhindert der Novavax-Impfstoff die Krankheit Covid-19 mit einer Wirksamkeit von 89 Prozent. Das Ergebnis ist ähnlich gut wie bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna.
Novovax habe gerade eine Phase drei Studie an 30.000 Personen in den USA und in Mexiko abgeschlossen, so der Wissenschafts-Journalist Volkart Wildermuth in der Sendung "Forschung aktuell" am 18. Juni 2021. "Danach lag die Wirksamkeit bei 90 Prozent, also ein sehr überzeugender Wert. Besonders wichtig: Bei den Geimpften gab es überhaupt keine mittelschweren oder schweren Covid-19-Fälle. Die Zulassung scheint da wirklich nur eine Frage der Zeit zu sein. Wobei man sagen muss, in einer früheren Studie in Südafrika hat der Impfstoff gegen die Beta-Variante nicht überzeugt."
Abgeschlagen ist der französische Hersteller Sanofi, der nach Problemen erst Ende 2021 mit der Zulassung rechnet.
Fläschchen mit Corona-Impfstoff vor Sanofi-Firmenlogo
Sanofi - Frankreich wartet auf eigenen Impfstoff
Der Corona-Impfstoff der Pharmakonzerne Sanofi und GlaxoSmithKline ist nicht wirksam genug. Dabei ruhten große Hoffnungen auf dem einzigen französischen Pharma-Giganten, der weltweit agiert.
Chinesische Impfstoffe: CanSino Biologics, Sinopharm und Sinova
Darüber hinaus haben drei Impfstoffe aus China eine Notfallzulassung im eigenen Land erhalten, obwohl die Phase-3-Studien noch nicht abgeschlossen waren. Darunter sind der ebenfalls auf dem Vektorverfahren basierende Wirkstoff des Unternehmens CanSino Biologics sowie zwei klassische Impfstoffe der chinesischen Pharmaunternehmen Sinopharm und Sinovac.
Die Weltgesundheitsorganisation hat dem chinesischen Corona-Impfstoff von Sinopharm am 8. Mai 2021 eine Notfallzulassung erteilt. Damit können UNO-Organisationen das Mittel kaufen und verteilen. Die chinesischen Impfstoffe Sinopharm und Sinovac seien schon verbreitet im Einsatz, so Wildermuth am 18. Juni. Ohne die Produkte aus China und Russland wären Impfkampagnen in vielen Ländern schlicht nicht möglich.
Tuberkuloseimpfstoff BCG
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt das Murdoch Children Research Institut in Australien. In einer Phase-3-Studie prüft es, ob der Tuberkuloseimpfstoff BCG sozusagen als Nebeneffekt auch einen gewissen Schutz vor Covid-19 bietet. Auch an der Medizinischen Hochschule Hannover wird ein Tuberkulose-Impfstoff auf die Wirkung gegen den Corona-Erreger getestet. Hintergrund dazu ist, dass aktuellen Statistiken zufolge Covid-19 in Ländern milder verläuft, in denen eine Tuberkulose-Impfung Standard ist. Dies könnte bedeuten, dass das menschliche Immunsystem sich mit der BCG-Tuberkulose-Impfung auch auf weitere Infektionen vorbereitet – und die Impfung somit auch gegen SARS-CoV-2 wirksam sein könnte.
Eine Computerillustration zeigt den Tuberkulose-Erreger und das davon betroffene Lungengewebe.
Covid-19: Tuberkulose-Impfstoff könnte helfen
Nachdem man herausgefunden hat, dass in Ländern, in denen eine Tuberkulose-Impfung Standard ist, COVID-19 milder verläuft, prüft man jetzt die Wirksamkeit des Tuberkulose-Impfstoffs gegen den Coronavirus.
Wie wirken die Impfstoffe?
Ein Impfstoff ist ein medizinischer Trick. Er soll dem Körper vorgaukeln, er sei mit einem aggressiven Erreger wie SARS-CoV-2 infiziert. Gelingt die Täuschung, bildet das Immunsystem spezifische Antikörper und T-Zellen zur Virenabwehr. Impfungen führen so zur Bildung eines Immungedächtnisses: Wenn der gleiche Erreger erneut eine Infektion beginnt, kann das Immunsystem direkt reagieren und es kommt oft gar nicht mehr zu einer Erkrankung.
Salzburg hat am Freitag, 19. Februar 2021, die Impfstraße am Salzburger Messegelände eröffnet. Im Bild vorbereiteter Impfstoff und Impfspritzen. 
Corona-Impfstoffe 2.0 - Wie Vakzine an Virusvarianten angepasst werden
Die neuen Coronavirus-Varianten könnten für Impfstoffe zum Problem werden, weil der Impfschutz irgendwann nicht mehr zu den Viren passt. Ein Überblick zum Stand der Forschung.
Die Bildung von Antikörpern im menschlichen Körper kann auf verschiedene Weise provoziert werden. Die Impfstoffkandidaten gegen das neue Coronavirus SARS-CoV2 lassen sich dahingehend in drei Gruppen einteilen:
1. Impfstoffe mit Vektorviren
Ausgangspunkt sind harmlose Viren, die als Träger genetischer Informationen des SARS-CoV-2-Virus genutzt werden. In das Erbgut der sogenannten Vektorviren bauen die Forscher das Gen für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 ein. Diese Spikes sind die Stacheln des neuen Coronavirus. Ziel ist es, das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper gegen das Protein zu bilden und andere Abwehrreaktionen hervorzurufen. Bei Kontakt mit SARS-CoV-2 ist der Körper dann vorbereitet und kann die Infektion besser eindämmen.
Das chinesische Unternehmen CanSino Biologics und das russische-Gamaleja Institut (Impfstoff "Gam-Covid-Vac Lyo") nutzten beispielsweise einen harmlosen Schnupfenerreger als Vektorvirus. AstraZeneca und die Universität Oxford verwenden einen ungefährlichen Schimpansen-Schnupfenvirus. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung setzt auf das etablierte Impfvirus Vaccinia, auf dessen Grundlage es bereits Impfstoffkandidaten gegen SARS und MERS entwickelt hat. Andere Forscher arbeiten mit einem abgeschwächten Impfstamm des Masernvirus oder dem Atemwegserreger RSV.
2. Impfstoffe aus Vireneinweiß
Hierbei handelt es sich um klassischen Impfstoffe, die auf inaktivierten Erregern basieren. Nach dieser Methode funktionieren zum Beispiel einige Grippeimpfstoffe oder auch die Tetanusimpfung. Um einen entsprechenden Wirkstoff gegen Covid-19 zu gewinnen, wird das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in einer Zellkultur von Bakterien produziert, gereinigt und mit einem Wirkverstärker kombiniert. Neben den beiden chinesischen Herstellern Sinopharm und Sinovac setzen auch das US-Unternehmen Novavax und Forscher der Universität von Queensland in Australien auf diese Strategie. Martin Bachmann aus Bern hat einen Spikeabschnitt mit einem anderen Viruseiweiß kombiniert, das sich selbstständig zu virenähnlichen Partikeln zusammensetzt. So will er eine starke Immunantwort auslösen.
3. Impfstoffe aus Boten-RNA (mRNA)
Dabei handelt es sich um ein neues Konzept. Anders als bislang üblich, werden nicht ein geschwächtes Virus oder einzelne Teile eines Virus zur Impfung verwendet. Stattdessen besteht der Impfstoff lediglich aus einer genetischen Information in Form der Boten-RNA oder mRNA. Auf den RNA-Molekülen befinden sich Baupläne für Proteine, die der Körper des Geimpften selbst herstellen soll, im Fall von SARS-CoV-2 dessen spezifisches Spike-Protein.
Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff-Kandidaten von Moderna vor.
Wie mRNA-Impfstoffe funktionieren und wirken
Eine 95-prozentige Wirksamkeit versprechen Biontech/Pfizer und Moderna für ihre Corona-Impfstoffe. Beide Vakzine basieren auf mRNA. Was dieses Impfstoffkonzept attraktiv macht und welche Risiken damit verbunden sind – ein Überblick.
Die Idee dahinter: Die Schnipsel der Virus-RNA werden nach der Impfung von den Zellen aufgenommen. Mit Hilfe ihrer Zellmaschinerie, den Ribosomen, bauen sie dann anhand dieser Bauanleitung die für das SARS-Coronavirus-2 charakteristischen Spike-Proteine. Jene Eiweißmoleküle (oder auch nur Bruchstücke davon) präsentieren die geimpften Zellen anschließend an ihrer Oberfläche, wo sie von den Zellen des Immunsystems erkannt werden können.*
Diese Antikörper gegen das Spike-Protein machen jedoch nur einen kleinen Teil der Immunantwort aus, wie eine Arbeitsgruppe aus Australien herausgefunden hat. Über die anderen Teile der Immunantwort weiß man erst wenig. Laut Biontech/Pfizer und Moderna zeigen die Impfstoffe einen 90- bis 95-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus. Der Biontech/Pfizer-Impfstoff ist seit Dezember in der EU zugelassen, im Januar folgte die Zulassung für den Impfstoff von Moderna.
4. Kombination aus unterschiedlichen Impfstoffen
Von Astrazeneca und dem Gamaleya-Institut gab es eine Ankündigung, dass eine Kooperation angestrebt wird. Beide Impfstoffe basieren auf einem Vektorvirus. So könnten bei der ersten und zweiten Impfung unterschiedliche Impfstoffe verwendet werden.
Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca
Kreuzimpfung - Was über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist
In Deutschland empfiehlt die Impfkommission (STIKO) unter 60-Jährigen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Erste Daten zeigen: Die Kombinationen sind sicher und tendenziell wirksamer.
Wie lange kann ein möglicher Impfstoff schützen?
Ergebnisse mehrerer Teams zeigen, dass die Zahl der neutralisierenden Antikörper, mit denen das Immunsystem die Viren bekämpft, nach einigen Monaten deutlich sinkt. Vor allem Infizierte ohne oder mit nur geringen Krankheitssymptomen besitzen dann kaum noch schützende Antikörper. Das heißt aber nicht, dass sie dem Virus schutzlos ausgesetzt sind, denn eine wichtige Rolle beim Immunschutz spielen bestimmte T-Zellen. Sie erinnern sich an eine frühere Infektion oder eine Impfung und lenken das Immunsystem auf das Virus. Wie gut die Immunität nach Monaten oder Jahren noch ist, dazu gibt es derzeit keine verlässlichen Informationen. Das Virus ist noch zu neu, um das beurteilen zu können. Der russische Impfstoff "Gam-Covid-Vac-Lyo" soll nach Angaben von Russlands Präsident Waldimit Putin für zwei Jahre vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen.
Können Geimpfte andere anstecken?
Da mit der Impfung gegen SARS-CoV-2 keine "sterile Immunität" erreicht wird, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Geimpfte andere mit dem Virus infizieren. In der Praxis geschieht das aber eher selten. Das zeigen erste Daten zum breiten Einsatz der Impfstoffe aus Israel, aus den USA und aus Großbritannien. Sie deuten alle in eine Richtung: Wo viel geimpft wurde, verlangsamt sich auch die Ausbreitung des Virus.
Eine Hand mit einer Spritze mit gelber Flüssigkeit vor hellblauem Hintergrund.
Nach der Impfung: Wie groß ist das Ansteckungsrisiko?
Laut einem RKI-Bericht soll von Geimpften kaum noch ein Ansteckungsrisiko ausgehen. Aber wie infektiös sind Geimpfte tatsächlich noch und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?
Wie wird ein Impfstoff auf seine Wirksamkeit getestet?
Wenn Phase 1 und 2 der klinischen Studien gezeigt haben, dass die Impfstoff-Kandidaten zur Bildung von spezifischen Antikörpern und Immunzellen führen und nur wenige Nebenwirkungen auslösen, müssen sie in Phase 3 schließlich ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen. Meist müssen mehr als 10.000 Probanden an einer solchen klinischen Phase-3-Studie teilnehmen. Dabei werden geimpfte Probanden mit einer ungeimpften Kontrollgruppe verglichen.
Die Zahl der Teilnehmer solcher klinischen Studien muss so groß sein, damit das Ergebnis die Wirksamkeit eines Impfstoffes statistisch abgesichert belegen kann. Das heißt: Je geringer das Infektionsrisiko, umso mehr Personen müssen an der klinischen Studie teilnehmen. Deshalb wurden beziehungsweise die Impfstoffe in Regionen mit hohem Infektionsrisiko getestet, unter anderem in Brasilien, Indien oder einigen Bundesstaaten der USA.
(Redaktion: Volkart Wildermuth, Michael Lange, Olivia Gerstenberger, Isabelle Klein, Wulf Wilde, Nina Voigt)
* Wir haben den Text gegenüber einer vorangegangenen Version präzisiert.