Freitag, 03. Dezember 2021

Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 8 und 9. August +++

Bundesgesundheitsminister Spahn hat angekündigt, dass es für Geimpfte keine neuen Beschränkungen geben werde +++ Die Corona-Wirtschaftshilfen sollen bis zum Jahresende verlängert werden +++ Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände fordert, dass spätestens im Oktober die Pflicht der Betriebe endet, Präsenzbeschäftigten kostenlos Schnelltests anzubieten +++ Mehr in unserem Newsblog.

09.08.2021

Jens Spahn, CDU
Jens Spahn, CDU (picture alliance/ dpa/ Kay Nietfeld)
Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier in unserem Newsblog.
Montag, 9. August
Wie es in der Beschlussvorlage für das Bund-Länder-Treffen weiter heißt, sollen bei der Burteilung des Pandemiegeschehens neben der Inzidenz künftig auch die Impfquote sowie die Zahl der schweren Krankheitsverläufe eine Rolle spielen.
+++ Die US-Behörde CDC rät von Reisen nach Frankreich, Israel, Thailand und Island ab. Grund sei der Anstieg von Corona-Neuinfektionen in diesen Ländern, teilt die Behörde mit.
+++ Für US-Soldaten soll die Corona-Impfung zur Pflicht werden. Diese solle spätestens ab 15. September gelten, gab Verteidigungsminister Austin bekannt. US-Präsident Biden muss der Maßnahme allerdings noch zustimmen. Der Schritt gilt jedoch als reine Formsache. Biden teilte bereits mit, dass er Austins Vorhaben unterstütze.
US-Soldaten werden in Kuwait-Stadt geimpft.
Impfungen gegen Covid-19 demnächst für US-Soldaten Pflicht (B2800_epa_AFP)
+++ Die Gesundheitsminister der Länder haben sich dafür ausgesprochen, dass der Bundestag die vorerst bis zum 11. September bestehende "epidemische Lage von nationaler Tragweite" verlängert. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet über einen einstimmigen Beschluss der Ressortchefs. Eine Fortführung der Infektionsschutzmaßnahmen sei auch nach dem 11. September absehbar, heißt es demzufolge. Ohne eine erneute Bestätigung des Parlaments würde die "epidemische Lage" auslaufen. Sie gibt dem Bund das Recht, direkt ohne Zustimmung des Bundesrates Verordnungen zu erlassen, etwa zu Tests, Impfungen, zum Arbeitsschutz oder zur Einreise.
+++ Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt davor, in der Corona-Pandemie einen weiteren Lockdown zu verhängen. Weite Teile der Wirtschaft erholten sich zwar gerade; dennoch liege der Wertschöpfungsverlust in der zweiten Jahreshälfte 2021 bei rund 30 Milliarden Euro. Ein neuerlicher Lockdown würde diesen Verlust im vierten Quartal um weitere zehn Milliarden Euro steigen lassen, schätzt das arbeitgebernahe Institut.
+++ Die AfD will den Umgang mit Ungeimpften zu einem zentralen Thema ihres Bundestagswahlkampfs machen. Es wird einen Schwerpunkt der Kampagne bilden, die die Spitzenkandidaten Weidel und Chrupalla in Berlin vorgestellt haben. Weidel warf der Bundesregierung vor, Druck auf Ungeimpfte auszuüben, obwohl eine Impfpflicht gegen das Grundgesetz verstoße.
Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel (l) und Tino Chrupalla (r) bei der Vorstellung ihrer Kampagne zur Bundestagswahl in Berlin. Sie sitzen in großem Abstand zueinander auf einem Podium. An der Wand Plakate mit der Aufschrift "Deutschland. Aber normal".
Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel (l) und Tino Chrupalla (r) bei der Vorstellung ihrer Kampagne zur Bundestagswahl (dpa/Christoph Soeder)
+++ Nach einer dritten Corona-Impfung hat eine Mehrheit von Befragten in Israel über ähnliche Impfreaktionen wie nach der zweiten Spritze berichtet. 88 Prozent fühlten sich in der Woche nach der Auffrischungsimpfung ähnlich oder besser, wie eine Umfrage der Krankenkasse Clalit ergab. Dies bestätigte eine Sprecherin der Kasse. Zehn Prozent hätten sich schlechter gefühlt als nach der zweiten Impfung. Insgesamt berichteten demnach 31 Prozent der Befragten über mindestens eine Impfreaktion, die meisten über Schmerzen an der Einstichstelle.
Die Delta-Variante des Coronavirus gilt im Vergleich zum Wildtyp als ansteckender und gefährlicher. Erstmals im Oktober 2020 in Indien entdeckt, breitet sie sich inzwischen in vielen Weltregionen aus. Auch in Deutschland steigt ihr Anteil. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
+++ In Deutschland sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums inzwischen 45,6 Millionen Menschen vollständig gegen Corona geimpft. Das entspricht demnach 54,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens eine Dosis haben 51,9 Millionen Menschen oder 62,4 Prozent aller Einwohner erhalten. Minister Spahn dankte allen, die sich jeden Tag für niedrigschwellige und kreative Aktionen einsetzten und die auch an diesem Wochenende wieder geimpft hätten. Jede Impfung zähle, schrieb der CDU-Politiker bei Twitter.
+++ SPD-Kanzlerkandidat Scholz macht den Musikclubs in Deutschland in der Corona-Pandemie keine Hoffnungen auf eine schnelle Rücknahme der Abstands- und Maskenpflicht. Die Ansteckungsgefahren seien, wenn man dicht zusammenkomme, natürlich am größten, sagte der Vizekanzler und Bundesfinanzminister bei einer SPD-Veranstaltung mit Vertretern der Schausteller-, Gastro- und Eventbranche in Hamburg. Bund und Länder würden zudem dazu bei ihrer Zusammenkunft keine Beschlüsse fassen.
Blick auf die Düsseldorfer Altstadt mit Weihnachtsmarktständen, von denen viele geschlossen sind. Im Hintergrund ein rot leuchtendes Riesenrad. 
Geschlossene Buden, kaum Publikum: Schausteller sind von den Folgen der Corona-Pandemie so hart getroffen wie kaum eine andere Branche. (imago / Jochen Tack)
+++ Einen Tag vor dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern hat sich der CDU-Gesundheitspolitiker Rüddel dafür ausgesprochen, Ungeimpfte im Falle neuer Corona-Maßnahmen anders zu behandeln als geimpfte Personen. Rüddel sagte im Deutschlandfunk, Geimpfte sollten alle Freiheiten behalten, während Nichtgeimpfte dann in den Lockdown müssten. Wer sich trotz vorhandener Imfpangebote nicht immunisieren lassen, solle ab Herbst auch für Tests selbst bezahlen. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag unterstützte zudem den Vorschlag des SPD-Politikers Lauterbach, der PCR-Tests für Ungeimpfte an Stelle des bisherigen Schnellstests fordert.
+++ In China sind mehr als 30 Funktionäre für mutmaßliche Versäumnisse im Umgang mit einem aktuellen Corona-Ausbruch bestraft worden. Nach offiziellen Angaben wurden unter anderem ein stellvertretender Bürgermeister sowie Leiter von Stadtbezirken, Gesundheitsgremien und Manager eines Flughafens entlassen.
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist abermals angestiegen. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, liegt der Wert nun bei 23,1 – nach 22,6 gestern und 17,8 in der Vorwoche. Binnen 24 Stunden wurden dem RKI von den Gesundheitsämtern 1.183 neue Positiv-Tests gemeldet. Das sind 336 mehr als am vergangenen Montag. Zwei weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Ansteckung.
+++ In der Debatte um den künftigen Umgang mit Ungeimpften mehren sich die Stimmen für ein Ende der kostenlosen Corona-Tests. Niedersachsens Ministerpräsident Weil, SPD, sagte dem "Tagesspiegel", er halte es ausdrücklich für richtig, dass Menschen ohne Impfschutz ihre Tests ab dem Herbst selbst bezahlen müssten. Bis dahin bestehe für jeden die Möglichkeit, sich kostenfrei ein Vakzin verabreichen zu lassen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann sagte dem Verbund "Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten", auf Dauer werde die öffentliche Hand die Tests nicht finanzieren können. Das sei angesichts des kostenlosen Impfangebots auch eine Frage von fairer Lastenverteilung, betonte der Grünen-Politiker.
Sonntag, 8. August
+++ Die chinesische Stadt Wuhan hat einen Massentest ihrer mehr als elf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner abgeschlossen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete unter Berufung auf einen Behördenvertreter, dass seit Dienstag fast alle Einwohner getestet worden seien - mit Ausnahme von Kindern unter sechs Jahren und Studenten, die in den Semesterferien verreist seien.
Wuhan gilt als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie. Dort war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd gemeldet worden. Seit gut einem Jahr wurden keine neuen Infektionen bekannt, bis in der vergangenen Woche sieben Wanderarbeiter positiv getestet wurden. Die Massentestung hat laut Xinhua 37 symptomatische und 41 asymptomatische Infektionsfälle zutage gefördert.
+++ Hunderttausende Tunesier haben sich am Sonntag bei einem Tag der offenen Tür in mehr als 300 Impfzentren gegen das Coronavirus impfen lassen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, wurden bis zum Mittag schon mehr als 302.000 Impfdosen an Erwachsene über 40 Jahren verabreicht. Ein Termin war nicht erforderlich. Präsident Saïed hatte den Impftag ausgerufen, weil Tunesien mehr als sechs Millionen Impfdosen aus anderen Ländern erhalten hatte. Sechs Millionen weitere Impfdosen sind demnach auf dem Weg. Ein erster Tag der offenen Tür im Juli musste abgebrochen werden, weil der Andrang zu groß war.
Großer Andrang am Tag der offenen Tür in 300 Corona-Impfzentren in Tunesien. In einem Raum verabreicht medizinisches Personal Impfstoff an impfwillige Männer und Frauen.
Großer Andrang am Tag der offenen Tür in 300 Corona-Impfzentren in Tunesien (AFP/FETHI BELAID)
+++ Der US-amerikanische Immunologe und Regierungsberater Anthony Fauci sieht eine reelle Gefahr, dass in Zukunft weitere, noch ansteckendere Varianten des Coronavirus entstehen. Im Sender NBC rief er dazu auf, die Zirkulation der derzeit grassierenden Delta-Variante zu stoppen. Andernfalls sei es wahrscheinlich, dass früher oder später eine weitere Mutante entstehe, die noch problematischer sein könnte als Delta, warnte Fauci. Dagegen böten die aktuellen Impfstoffe dann möglicherweise keinen Schutz mehr.
Durch die Ausbreitung der Delta-Variante ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA wieder stark gestiegen - auf rund 100.000 Fälle pro Tag im Sieben-Tage-Schnitt. In der zweiten Juni-Hälfte waren es rund 11.000. Auch in den USA macht sich Impfmüdigkeit breit.
+++ Saudi-Arabien zahlt den Hinterbliebenen von Mitarbeitern des Gesundheitswesens, die an den Folgen von Covid-19 gestorben sind, jeweils rund 113.000 Euro Entschädigung. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA hat die Auszahlung heute begonnen. Das Geld gehe an die Familien "medizinischer Fachkräfte, die ihr Leben im Kampf gegen die Pandemie geopfert haben, um die Gesundheit und Sicherheit der Bürger und Einwohner des Königreichs zu schützen". Wie viele Pflegekräfte in Saudi-Arabien nach einer Coronavirus-Infektion starben, ist nicht bekannt.
+++ Die Menschen in Israel sind offenbar stark an einer dritten Impfspritze gegen Corona interessiert. Bislang hätten schon mehr als 420 000 Personen über 60 ihren Impfschutz auffrischen lassen, sagte Ministerpräsident Bennett. Das sei ein Drittel der Menschen dieser Altersgruppe. Die Weltgesundheitsorganisation hatte vor wenigen Tagen gefordert, Auffrischungen bis Ende September aufzuschieben. Der knappe Impfstoff solle erst Menschen verabreicht werden, die noch gar nicht geimpft sind.
+++ SPD-Kanzlerkandidat Scholz hofft, dass es gelingt, noch viele Menschen von der Notwendigkeit einer Corona-Schutzimpfung zu überzeugen. Die vielen Millionen bereits geimpften Menschen seien ein Beweis dafür, "dass das ordentlich läuft, sagte Scholz bei einem Wahlkampftermin in Eckernförde: "Keiner von uns ist zum Alien geworden."
+++ Angesichts einer geringen Nachfrage wollen die Bundesländer Medieninformationen zufolge mindestens 2,3 Millionen Impfdosen an den Bund zurückgeben. 14 Bundesländer planen eine Rückgabe und wollen dazu bis morgen konkrete Zahlen an das Bundesgesundheitsministerium melden, wie die "Welt am Sonntag" nach einer Abfrage bei den Ländern berichtet. Die Vakzine sollen unter anderem ins Ausland gehen.
Die bayerische Landesregierung ist demnach noch dabei, die Zahl von Impfdosen zu ermitteln, die zurückgegeben werden sollen. Sie käme zu den 2,3 Millionen hinzu.
+++ Im Iran sind mehr Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages registriert worden als je zuvor. Das Gesundheitsministerium in Teheran meldete fast 40.000 Neuinfektionen seit dem Vortag und 542 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Als Ursache für den Anstieg gilt die Delta-Variante des Virus. Krankenhäuser und Pflegepersonal im Iran geraten an ihre Grenzen: In vielen Städten sind die Intensivstationen und Notaufnahmen mit neuen Corona-Patienten überfüllt.
+++ Der Süden Frankreichs gilt ab heute als Corona-Hochrisikogebiet. Die Bundesregierung stufte die französischen Regionen Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d'Azur sowie die Insel Korsika aufgrund gestiegener Ansteckungszahlen entsprechend ein.
Sie finden hier eine Liste der Risikogebiete.
Eine Frau fährt am 14. Juli 2020, dem französischen Nationalfeiertag, am Strand von Nizza entlang. Dort ist ein Strand-Restaurant in den französischen Nationalfarben geschmückt.
Die Zahlen in Südfrankreich sind wíeder stark gestiegen. (imago images / Hans Lucas)
+++ Der Bundesverband Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hat nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" vom März 2020 bis zum März dieses Jahres 561 antisemitische Vorfälle mit Bezug zur Corona-Pandemie registriert. Fast 60 Prozent davon ereigneten sich bei Versammlungen und Demonstrationen, heißt es demnach in einer Studie. Juden und Jüdinnen schilderten dem Bericht zufolge auch Alltagssituationen, in denen sie beispielsweise im Supermarkt von Fremden beschimpft und beschuldigt wurden, das Coronavirus in die Welt gesetzt zu haben.
+++ Der Deutsche Städtetag fordert von Bund und Ländern eine Impfstrategie für Herbst und Winter, um für eine vierte Corona-Welle besser gewappnet zu sein. Hauptgeschäftsführer Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe eine ganze Reihe neuer Aufgaben. Als Beispiele nannte er Auffrischungsimpfungen für Ältere und Pflegebedürftige, mehr Impfungen für Kinder ab 12 Jahren und mehr direkte Impfangebote. Die Städte bräuchten Klarheit über den September hinaus, wenn die meisten großen Impfzentren schließen würden.
Auch der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft verlangte einen Fahrplan. Ein erneuter Lockdown müsse jetzt verbindlich ausgeschlossen werden, heißt es in einem Brief an den CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Laschet.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut 3.127 neue Coronavirus-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Das sind rund 1.000 mehr als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter auf 22,6. Gestern lag sie bei 21,2 und am vergangenen Sonntag bei 17,5.
+++ Angesichts der landesweiten Proteste in Frankreich gegen die Verschärfung der Corona-Regeln hat die Regierung einige vorgesehene Maßnahmen wieder gelockert. Wie Gesundheitsminister Véran in einem Interview ankündigte, sollen negative Tests nun 72 Stunden gültig sein – statt der bislang vorgesehenen 48 Stunden. Außerdem sollen neben Antigen-Schnelltests auch Selbsttests unter medizinischer Aufsicht anerkannt werden.
+++ Wenige Tage vor den Beratungen von Bund und Ländern zu den nächsten Schritten in der Corona-Pandemie mehren sich die Stimmen für eine Abkehr vom Inzidenzwert als einzigem Maßstab. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet sagte der "Bild am Sonntag", ausschlaggebend müsse auch die Belegung von Krankenhausbetten und Intensivstationen sein. CSU-Landesgruppenchef Dobrindt schlug einen "3-I-Wert" vor, aus Impffortschritt, Intensivbettenauslastung und Inzidenz.
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