Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Die Entwicklungen vom 29. bis 31. August 2023

Seit dem 21. Februar 2022 halten wir in einem Newsblog fest, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt. In diesem Archiv können Sie die bisherigen Entwicklungen nachvollziehen.

05.09.2023
    Ein Mann zeigt Teile einer Streubombe, die in der ukrainischen Stadt Kupjansk im Oblast Charkiw eingesetzt wurde.
    Ein Mann zeigt Teile einer Streubombe, die in der ukrainischen Stadt Kupjansk im Oblast Charkiw eingesetzt wurde. (IMAGO / SNA / IMAGO / Viktor Antonyuk)
    Zu den aktuellen Entwicklungen geht es hier.

    Donnerstag, 31. August

    +++ Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Selenskyj eine eigene Langstreckenwaffe entwickelt.

    Die Waffe könne ein Ziel in 700 Kilometern Entfernung treffen, sagte Selenskyj und bezog sich damit offensichtlich auf einen Angriff auf einen Flughafen in Westrussland am Vortag. Die Waffe werde vom ukrainischen Ministerium für strategische Industrie produziert, teilte der Präsident auf Telegram mit. Weitere Details nannte er nicht.
    Selenskyj forderte zudem vom Westen rund 100 weitere Kampfflugzeuge. Damit könnte Russland die Möglichkeit genommen werden, den ukrainischen Luftraum zu beherrschen. Bisher habe Kiew Zusagen für 50 bis 60 F-16-Kampfjets erhalten, sagte der ukrainische Staatschef.

    +++ Der ukrainische Außenminister Kuleba hat Kritik am Verlauf der Gegenoffensive seines Landes zurückgewiesen.

    Er sagte am Rande des Treffens der EU-Ressortchefs im spanischen Toledo, Kritik am Tempo der Gegenoffensive bedeute, den ukrainischen Soldaten ins Gesicht zu spucken, die jeden Tag ihr Leben gäben, um Kilometer für Kilometer ukrainischen Bodens zu befreien. Er empfehle den Besserwissern, den Mund zu halten und in die Ukraine zu kommen. Dort könnten sie versuchen, auch nur einen Quadratzentimeter Gebiet zu befreien. Medien hatten zuletzt berichtet, westliche Militärstrategen würden Fehler der ukrainischen Armee bei ihrer Gegenoffensive bemängeln.

    +++ In der Nähe Moskaus ist der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Kommandeur der russischen Söldnertruppe Wagner, Utkin, beerdigt worden.

    Er wurde laut den Angaben staatlicher Medien auf einem Armeefriedhof mit militärischen Ehren beigesetzt. Utkin galt als Mitbegründer der Wagner-Gruppe. Deren Chef Prigoschin, der bei dem Absturz ebenfalls ums Leben kam, war bereits am Dienstag in Sankt Petersburg beerdigt worden, allerdings ohne militärische Ehren. Prigoschin hatte mit seinen Söldnern im Juni gegen die russische Militär- und Staatsführung gemeutert. Westliche Regierungen vermuten, dass das Flugzeug in einem Racheakt von Präsident Putin zum Absturz gebracht wurde. Der Staatschef weist das zurück.
    Das Bild zeigt den schwarzen Grabstein mit Namen und Todestag in kyrillischer Schrift. Davor Blumen und ein Bild des glatzköpfigen Utkin.
    Das Grab des Kommandeurs der Söldnertruppe Wagner, Utkin, auf einem Militärfriedhof in Mytischtschi in der Nähe von Moskau. Dort wurde Utkin am 31.8.2023 nach seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz beigesetzt (AP / dpa / Alexander Zemlianichenko)

    +++ Bundesaußenministerin Baerbock hat grundsätzliche Zustimmung für ein neues EU-Hilfspaket für die Ukraine im Umfang von 20 Milliarden Euro signalisiert.

    Sie sagte am Rande eines informellen Treffens mit ihren EU-Kollegen im spanischen Toledo, die Europäer investierten damit in den Frieden. Die Unterstützung sei deshalb notwendig, so die Grünen-Politikerin. Der EU-Außenbeauftragte Borrell hatte das neue Hilfspaket von jeweils fünf Milliarden Euro in den kommenden vier Jahren vor der Sommerpause ins Gespräch gebracht. Nach seinen Vorstellungen sollen die Mittel aus einem Topf außerhalb des EU-Haushalts fließen, den Deutschland zu rund 25 Prozent finanziert. Die Mitgliedsländer können sich damit die Mittel für Waffenlieferungen an die Ukraine anteilig zurückerstatten lassen. Deutschland müsste also fünf Milliarden Euro aufbringen, könnte aber auch Geld wieder herausbekommen. Borrell hofft auf einen Beschluss bis Ende des Jahres.

    +++ Der ukrainische Außenminister Kuleba hat Deutschland erneut zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine aufgerufen.

    Es gebe "wirklich kein einziges objektives Argument" dagegen, sagte Kuleba in Toledo und rief die deutsche Regierung "konstruktiv, freundlich und ohne Druck" dazu auf, sich dafür zu entscheiden. Marschflugkörper würden der Ukraine bei ihrer Gegenoffensive helfen und dazu beitragen, den Krieg früher zu beenden.
    Als Grund für die bisher ausgebliebene Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern gelten Befürchtungen, dass die Ukraine damit auch russisches Territorium angreifen könnte und dass Russland dann Vergeltung üben könnte.

    +++ Beim Zusammenstoß zweier Kampfhubschrauber im Osten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben sechs ukrainische Soldaten ums Leben gekommen.

    Wie die zuständige Untersuchungsbehörde mitteilte, ereignete sich das Unglück in der Region von Kramatorsk. Die ukrainische Armee ist dort im Rahmen ihrer Gegenoffensive gegen die russischen Angreifer aktiv.

    +++ Menschenrechtsgruppen fordern Asyl in Deutschland für russische Kriegsdienstverweigerer.

    Pro Asyl, die evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden sowie die Organisation Connection kritisierten, dass Deutschland bisher erst rund 80 Russen im wehrpflichtigen Alter Asyl gewährt habe. Insgesamt habe es 220 Anträge gegeben. Offenbar seien die Asylgesuche immer dann abgelehnt worden, wenn die Betreffenden bereits vor einer offiziellen Einberufung in die russische Armee nach Deutschland geflohen waren. Auch für sie müsse es unbürokratische und großzügige Asylregeln geben, forderten die Organisationen. Anlass ihres Appells ist der Antikriegstag am 1. September.

    +++ Die Ukraine hat mit dem größten britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems einen Vertrag zur gemeinsamen Waffenproduktion unterzeichnet.

    Präsident Selenskyj sagte bei einem Treffen mit der BAE-Fühung in Kiew, dass Waffen des Unternehmens bereits in der Ukraine im Einsatz seien - etwa Artilleriegeschütze der Typen L119 und M777 sowie der Schützenpanzer CV90. Die L119-Geschütze sollen demnach künftig auch in der Ukraine hergestellt werden. Außerdem soll es eine Kooperation mit BAE bei der Reparatur geben. BAE Systems gilt mit einem Umsatz von rund 25 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr als siebtgrößter Rüstungskonzern der Welt.

    +++ Der russische Außenminister Lawrow und sein türkischer Amtskollege Fidan wollen in dieser Woche über eine mögliche Alternative zum ausgelaufenen Getreideabkommen sprechen.

    Die Regierung in Moskau hatte vorgeschlagen, dass Russland mit finanzieller Unterstützung aus Katar eine Million Tonnen Getreide zu einem ermäßigten Preis in die Türkei liefert. Dort solle es dann verarbeitet und an die bedürftigsten Länder weitergeleitet werden, teilte das russische Außenministerium mit. Russland betrachte dieses Projekt als optimale Alternative zum Schwarzmeer-Abkommen, hieß es.
    Die Regierung in Moskau hatte das Getreideabkommen Mitte Juli nicht mehr verlängert. Es hatte der Ukraine ermöglicht, trotz des Krieges Getreide über das Schwarze Meer zu exportieren. Es galt als wichtig für die Versorgung der Staaten des globalen Südens.
    Hören Sie zum Alternativvorschlag aus Moskau eine Einschätzung unserer Russland-Expertin Gesine Dornblüth:

    +++ Die Ukraine setzt offenbar ihre Drohnenangriffe auf russisches Gebiet fort.

    Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau mitteilte, wurde über der annektierten Halbinsel Krim ein Marschflugkörper aus der Ukraine abgeschossen. Ebenso seien über dem Gebiet Brjansk zwei Drohnen abgefangen worden. Laut Moskaus Bürgermeister Sobjanin wurde auch über der russischen Hauptstadt eine Drohne gesichtet. Russische Medien berichten, dass Dutzende Flugzeuge an den drei Flughäfen der Stadt in der vergangenen Nacht nicht starten durften. Während Drohnenangriffen stellen sie normalerweise den Betrieb ein.

    +++ Deutschland hat der Ukraine weitere zehn Kampfpanzer vom Typ Leopard 1 zur Verfügung gestellt.

    Außerdem wurden weitere 13 Millionen Schuss Munition für Handfeuerwaffen geliefert, wie aus der Liste der Bundesregierung zu militärischen Hilfen für das von Russland überfallene Land hervorgeht. Bis Mitte nächsten Jahres sollen laut Bundesverteidigungsministerium zusammen mit europäischen Partnern mehr als 100 dieser Kampfpanzer geliefert werden.
    Die Außenminister der Europäischen Union beraten heute im spanischen Toledo über zusätzliche Möglichkeiten zur Unterstützung der Ukraine.

    +++ Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) hat erneut mehr diplomatische Bemühungen zur Beendigung der Kampfhandlungen in der Ukraine gefordert.

    "Jeder Tag, an dem die Waffen schweigen und man es mit Diplomatie versucht, ist ein guter Tag, weil keine Menschen sterben", sagte Kretschmer der "Augsburger Allgemeinen". Kretschmer lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine - im Gegensatz zur CDU-Parteispitze - ab.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj hat erneut "systematische Korruption bei der medizinischen Freistellung von Kriegsdienstverweigerern" angeprangert und deren Ausmaß beziffert.

    Es gebe Regionen, in denen sich die Zahl der Wehrdienstbefreiungen aufgrund von Entscheidungen der Ärztekommission seit Februar vergangenen Jahres verzehnfacht habe, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Eine Untersuchung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates hatte die Missstände aufgezeigt. Der Präsident sprach von korrupten Entscheidungen. Nach seinen Worten wurden Bestechungsgelder zwischen 3.000 und 15.000 Dollar gezahlt, um sich eine medizinische Freistellung zu erkaufen.

    Mittwoch, 30. August

    +++ Russland und Nordkorea treiben nach Darstellung der USA Gespräche über Waffenlieferungen voran.

    Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, Kirby, sagte in Washington, der russische Verteidigungsminister Schoigu sei demnach kürzlich nach Nordkorea gereist, um Pjöngjang davon zu überzeugen, Artilleriemunition zu liefern. Russlands Präsident Putin und der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un hätten anschließend in einem Schriftwechsel einen Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit vereinbart. Mit den anvisierten Rüstungsgeschäften würde Russland von Nordkorea bedeutende Mengen und mehrere Typen von Munition erhalten, sagte Kirby. Diese würden russische Truppen dann in der Ukraine einsetzen. Die US-Regierung fordere Nordkorea auf, die Verhandlungen mit Russland einzustellen.

    +++ Die russische Luftwaffe hat nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums in der Nähe der Schlangeninsel im Schwarzen Meer zwei ukrainische Schnellboote zerstört.

    Die Schlangeninsel liegt südöstlich der ukrainischen Hafenstadt Odessa. Russland hatte sie kurz nach Beginn seines Angriffs auf die Ukraine eingenommen. Die Ukraine hatte sie später zurückerobert.
    Ein russisches Schiff vor der besetzten Schlangeninsel im März 2022.
    Ein russisches Schiff vor der besetzten Schlangeninsel im März 2022. (Satellite image ©2022 Maxar Technologies / AFP)

    +++ Rumänien und die Niederlande haben eine Absichtserklärung zur Einrichtung eines F-16-Pilotenausbildungszentrums unterzeichnet.

    Das berichtet die Zeitung „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren. Für die Niederlande sei es äußerst wichtig, weiterhin Einheit und Unterstützung für die Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression zu demonstrieren, wird sie zitiert. Laut dem rumänischen Verteidigungsministerium wird die Königliche Luftwaffe der Niederlande zur Umsetzung des Projekts mehrere F-16-Flugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt Borcea stationieren. Die Ausbildung der acht ukrainischen Piloten an F-16-Flugzeugen in Dänemark hat bereits begonnen. Auch Griechenland und Portugal wollen sich künftig an der Ausbildung der ukrainischen Piloten an F-16-Kampfflugzeugen beteiligen.
    Ein US-amerikanisches F16-Kampfflugzeug
    Ein US-amerikanisches F16-Kampfflugzeug (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Msgt. Matthew Plew / U.S. Air)

    +++ In Charkiw werden im kommenden Schuljahr Kinder in der U-Bahn unterrichtet.

    Das teilte Bürgermeister Terehow auf dem Online-Kanal Telegram mit. Laut Ihm wurden in der Stadt bereits 60 solcher Klassen für gut 1.000 Kinder eingerichtet. Diese werden demnach drei- bis viermal pro Woche in Schichten an U-Bahnstationen Unterricht erhalten. Sie sollen außerdem kostenlos verpflegt und mit dem Bus zur U-Bahn gebracht werden. An den meisten Schulen in Charkiw wird der Schulunterricht jedoch im digitalen Modus stattfinden.

    +++ Die Ukraine hat eine Zwangsevakuierung von Kindern aus fünf Siedlungen in der Region Saporischschja angekündigt.

    Das hat das "Ministerium für Integration der besetzten Gebiete" in Kiew mitgeteilt. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, geht es bei der Zwangsevakuierung von Kindern um fünf Ortschaften in den Bezirken Wassyliwka und Pology, die in unmittelbarer Nähe der Kampfgebiete liegen und wo es in letzter Zeit immer häufiger zu Zusammenstößen mit der russischen Armee gekommen sei. Mittlerweile meldet der ukrainische Generalstab Erfolge in den Richtungen Mala Tokmatschka-Werbowe und Nowoprokopiwka in der Region Saporischschja.

    +++ Russland hat die Ukraine beschuldigt, mehrere russische Regionen mit Drohnen angegriffen zu haben.

    Angriffe gab es dem russischen Verteidigungsministerium zufolge in den frühen Morgenstunden an einem Flughafen in der westlichen Region Pskow, weitere Drohnen seien über den Regionen Orjol, Brjansk, Rjasan und Kaluga sowie bei Moskau abgeschossen worden. Der Angriff in Pskow löste einen Großbrand aus, bei dem vier Transportflugzeuge beschädigt wurden, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Rettungskräfte. Der ukrainische Geheimdienst bestätigte den Drohnenangriff auf den Flughafen. Die vier Flugzeuge seien dabei komplett zerstört worden, hieß es.
    Auch auf den Moskauer Flughäfen kam es in Folge der Angriffe zu Verspätungen. Der Luftraum über dem Haupstadt-Flughafen Wnukowo wurde vorübergehend gesperrt.
    Überreste einer Drohne liegen auf dem Erdboden. Ein Mensch hockt daneben und begutachtet die Trümmer.
    Russland gab erneut bekannt, ukrainische Drohnen zerstört zu haben. (Archivaufnahme) (IMAGO / ITAR-TASS / IMAGO / Vyacheslav Prokofyev)

    +++ Die Ukraine meldet russische Raketenangriffe auf die Hauptstadt Kiew.

    Dabei seien nach unkrainischen Angaben mindestens zwei Menschen durch russische Angriffe getötet worden. Insgesamt habe die russische Armee in der Nacht 44 Geschosse auf ukrainisches Gebiet abgefeuert, hieß es in einer Mitteilung der Luftwaffe. Kiews Militärverwaltung sprach vom "größten Raketen- und Drohnenbeschuss seit dem Frühling".
    Ukraine, Kiew: Feuerwehrleute löschen ein Feuer nach einem Raketenangriff. Die ukrainische Hauptstadt geriet unter heftigen Beschuss durch russische Marschflugkörper.
    Russischer Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. (Efrem Lukatsky/AP/dpa)

    +++ Zahlreiche Urteile gegen Deserteure zeigen nach britischer Einschätzung eine schlechte Moral der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine.

    Die Verweigerung zu kämpfen, spiegele wahrscheinlich den Mangel an Ausbildung und Motivation sowie die hohen Stresssituationen wider, mit denen die russischen Streitkräfte entlang der gesamten Front in der Ukraine konfrontiert seien, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Die Behörde verwies auf einen Bericht des unabhängigen russischen Internetportals "Mediazona" vom 18. Juli, dem zufolge jede Woche etwa 100 Soldaten wegen Fahnenflucht verurteilt würden. Auf die Gesamtstärke der Truppe habe dies aber kaum Auswirkungen. Russland gleiche seine Verluste aus, indem hohe Zahlen von schlecht ausgebildeten Soldaten an die Front geschickt würden, hieß es in London.

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    +++ Russland hat nach eigenen Angaben vier ukrainische Militär-Schnellboote im Schwarzen Meer zerstört.

    Laut Verteidigungsministerium in Moskau hat ein russisches Marineflugzeug die Boote zerstört. An Bord sollen sich bis zu 50 Angehörige ukrainischer Spezialeinheiten befunden haben. Bisher lassen sich die Angaben nicht unabhängig prüfen. Von ukrainischer Seite gab es dazu zunächst keine Bestätigung.

    +++ Die EU-Verteidigungsminister beraten über die weitere Unterstützung für die Ukraine.

    Grundlage der Gespräche im spanischen Toledo sind unter anderem Vorschläge des EU-Außenbeauftragten Borrell. Er hatte im vergangenen Monat angeregt, das militärische Ausbildungsprogramm für die ukrainischen Streitkräfte deutlich auszuweiten. Wenn die Umstände es zuließen, könne das Training schrittweise in die Ukraine verlagert werden. Zudem empfiehlt Borrell längerfristige Finanzierungszusagen für Militärhilfen und EU-Geld zur Lieferung von Kampfjets und Raketen.

    +++ Russland ist offenbar gegen eine internationale Untersuchung zu den Hintergründen des Todes von Söldnerführer Prigoschin.

    Die Regierung in Moskau habe der brasilianischen Luftfahrtbehörde Cenipa mitgeteilt, dass sie vorerst keine Untersuchung des Absturzes nach internationalen Regeln einleiten werde, sagt die Luftfahrtbehörde der Nachrichtenagentur Reuters. Prigoschin, zwei hochrangige Generäle seiner Wagner-Gruppe und vier Leibwächter gehörten zu den zehn Menschen an Bord der in Brasilien hergestellten Embraer-Maschine, die vergangene Woche nördlich von Moskau abstürzte.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj erinnert an getötete Soldaten.

    In seiner Abendansprache rief Selenskyj die Bürger und Bürgerinnen seines Landes zum Gedenken auf. Viele Ukrainer hätten inzwischen jemanden, an den sie sich erinnern, jemanden, den sie ehren könnten. Um sich dieser Opfer würdig zu erweisen, solle jeder sich für die Ukraine einsetzen. Die genauen Verluste der Ukraine in den über 18 Monaten Krieg sind nicht bekannt. Die Zahl der getöteten Soldaten wird geheim gehalten. Doch nach Schätzungen sind sowohl Zehntausende Soldaten wie Zehntausende Zivilisten getötet worden. Im Land gibt es Millionen Binnenflüchtlinge, weitere Millionen sind ins Ausland geflüchtet.
    Selenskyj in Nahaufnahme, er schaut entschlossen und hebt die Hand etwas.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Carl Court)

    Dienstag, 29. August

    +++ Die Regierung von US-Präsident Biden hat zusätzliche Hilfe für die Ukraine in Höhe von 250 Millionen Dollar angekündigt.

    Das Außenministerium teilte mit, enthalten seien Raketen für die Luftverteidigung, Artilleriemunition und Munition für kleine Waffen. Das Material soll aus bereits existierenden US-Vorräten zur Verfügung gestellt werden. Den Angaben zufolge beinhaltet die Hilfe auch Ausrüstung zur Minenräumung sowie medizinische Ausstattung. Die USA haben seit Beginn des russischen Kriegs im Februar 2022 der Ukraine bereits mehr als 43 Milliarden Dollar an Militärhilfe gegeben.

    +++ Die ukrainische Armee hat erneut militärische Fortschritte gemeldet.

    Die Streitkräfte seien in der Region Saporischschja im Süden der Ukraine weiter in Richtung der russischen Verteidigungslinien vorgedrungen, sagte ein Armeesprecher. Das russische Verteidigungsministerium erklärte hingegen in seinem täglichen Lagebericht, an verschiedenen Orten im Süden seien ukrainische Angriffe abgewehrt worden. Die Angaben aus den Kampfgebieten sind von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

    +++ Der russische Nationalist Igor Girkin muss wegen des Vorwurfs der Anstachelung zum Extremismus in Untersuchungshaft bleiben.

    Das entscheidet ein Moskauer Gericht. Girkin, auch bekannt unter dem Pseudonym Strelkow, wird nach Angaben seines Anwalts wegen eines Kommentars auf dem Nachrichtendienst Telegram angeklagt. Dort kritisierte er die Behörden der von Russland annektierten ukrainischen Region Donezk, weil sie Familien von russischen Frontkämpfern nicht ausreichend unterstützt hätten. Dem 52-Jährigen droht eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren.
    Bekannt ist Girkin auch, weil er von einem niederländischen Gericht wegen Beteiligung am Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs 2014 über der Ostukraine verurteilt wurde, bei dem knapp 300 Menschen starben.

    +++ Der Chef der Söldnergruppe Wagner, Prigoschin, ist nach Angaben seines Pressedienstes beigesetzt worden.

    Die Zeremonie habe im privaten Rahmen auf einem Friedhof am Stadtrand seiner Heimatstadt St. Petersburg stattgefunden, heißt es. Beobachter erwarten, dass das Grab auf dem Friedhof Porochowskoj zu einer Pilgerstätte für Tausende Anhänger Prigoschins werden könnte. Der russische Söldnerführer war nach offiziellen Angaben bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Unklar ist weiter die Absturzursache des Privatjets mit zehn Menschen an Bord.

    +++ Die Ukraine will wegen des Kampfgeschehens an der südlichen Front die Kinder aus fünf Ortschaften in der Region Saporischschja in Sicherheit bringen.

    Von der "obligatorischen Evakuierung" seien insgesamt 54 Kinder und 67 Begleitpersonen betroffen, teilte das für die Reintegration russisch besetzter Gebiete zuständige Ministerium im Onlinedienst Telegram mit. Es begründete die Evakuierungsmaßnahme mit der "schwierigen Sicherheitslage und feindlichen Bombenangriffen".

    +++ Mehr als 1.300 Schulen in der Ukraine sind nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerk Unicef wegen des russischen Angriffskriegs bislang zerstört worden.

    Die anhaltenden Angriffe Russlands führten zudem dazu, dass nur rund ein Drittel der schulpflichtigen Kinder regelmäßig in Präsenzunterricht gehen könne, erklärte Unicef laut der Nachrichtenagentur Reuters. Viele Schülerinnen und Schüler würden überdies bereits erlernten Stoff wieder vergessen. Für Kinder, die mit ihren Familien ins Ausland geflohen seien, sei die Lage nicht viel besser. Mehr als die Hälfte in sieben Ländern registrierte ukrainische Kinder besuchen in ihrem Gastland demnach keine Schule.
    In einem Raum einer Schule in der ukrainischen Region Cherson liegen Trümmer.
    Eine zerstörte Schule in der Region Cherson. (AFP / BULENT KILIC)

    +++ Die Bundesanwaltschaft hat Haftbefehl gegen einen deutsch-russischen Geschäftsmann wegen Verstößen gegen die bestehenden Sanktionen erlassen.

    Der Beschuldigte ist den Angaben zufolge Geschäftsführer zweier von ihm im Saarland gegründeten Unternehmen. Er soll von Januar 2020 bis März 2023 Elektronikbauteile an ein Unternehmen in Russland geliefert haben, das mit der Produktion von militärischem Material und Zubehör befasst ist. Dazu gehöre die von den russischen Streitkräften in der Ukraine eingesetzte "Orlan 10"-Drohne, erklärte die Karlsruher Anklagebehörde. Der Haftbefehl ersetzt den Angaben zufolge einen des Amtsgerichts Mannheim, auf dessen Grundlage sich der Beschuldigte bereits seit März in Untersuchungshaft befand.

    +++ Russlands Präsident Putin wird der Beerdigung des Wagner-Chefs Prigoschin nicht beiwohnen.

    Kreml-Sprecher Peskow teilte mit, der Kreml sei über die Planung einer Trauerfeier nicht in Kenntnis. Es handle sich um eine Familienangelegenheit. Progischin starb bei einem Flugzeugabsturz vergangene Woche. Der Kreml stritt Vorwürfe aus dem Westen als "absolute Lüge" ab, Putin habe Prigoschins Tod als Rache für den Aufstand der Söldnertruppe vor zwei Monaten angeordnet.

    +++ Der ukrainische Vize-Verteidigungsminister Gawrilow hat eine mögliche Lieferung deutscher Taurus-Marschflugkörper als "Game-Changer" bezeichnet.

    "Mit dem Taurus-System könnten wir russische Ziele überall in den besetzten Gebieten angreifen", sagt er den Sendern RTL und ntv. Frankreich und Großbritannien hatten bereits die Lieferung von Marschflugkörpern zugesagt. Die Bundesregierung hat sich bisher nicht entschieden, Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern, welche eine höhere Reichweite als die britischen und französischen haben.

    +++ Die Ukraine macht nach der Rückeroberung des Dorfes Robotyne im Süden des Landes nach eigenen Angaben weitere militärische Fortschritte in der Region.

    Die ukrainische Armee sei in der teils von Russland besetzten Region Saporischschja tiefer in Richtung der russischen Verteidigungslinien vorgedrungen, sagte Armeesprecher Andriy Kowaljow staatlichen Medien. Man verbuche "Erfolge in Richtung von Nowodanyliwka nach Werbowe", zwei Siedlungen in der Region. Die ukrainische Armee halte zudem zurückerobertes Gebiet weiter unter ihrer Kontrolle und greife die russische Artillerie an, führte der Armeesprecher aus.

    +++ Russland hat offiziellen Angaben zufolge erneut einen ukrainischen Drohnenangriff auf seinem Territorium abgewehrt.

    Die Luftabwehr habe zwei unbemannte Luftfahrzeuge über dem Gebiet Tula südlich von Moskau zerstört, teilte das russische Verteidigungsministerium via Telegram mit. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

    +++ Die Ukraine soll nach dem Willen von Präsident Selenskyj zu einem der größten Waffenproduzenten werden.

    Dafür werde man die Produktion von Rüstungsgütern und Munition im eigenen Land maximal erhöhen, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft. Die Finanzierung sei gesichert, die Verteidigungsindustrie werde gute Ergebnisse bringen. Bislang ist die Ukraine bei ihrer Gegenoffensive zur Befreiung der von Russland besetzten Gebiete vor allem auf militärische Hilfe westlicher Verbündeter angewiesen.

    +++ Der ukrainische Verteidigungsminister Resnikow hält nach eigenen Angaben eine neue Mobilmachung in der Ukraine nicht für nötig.

    Die ukrainischen Verluste seien um ein Vielfaches niedriger als die der russischen Besatzer. Zahlen nannte er nicht. "Aber zu sagen, dass die Lage bei uns kritisch ist und wir erhöhen müssen, dafür gibt es keinen Grund", sagte der Minister vor Journalisten. Resnikow erklärte nach widersprüchlichen Angaben aus Kiew, wonach weitere Mobilmachungen geplant seien, dass es bereits festgelegte Richtgrößen für die Einberufung zum Kriegsdienst gebe, die erst erfüllt werden müssten. Es sei deshalb nicht nötig, neue Kontingente festzulegen.

    +++ Das Bundesinnenministerium beobachtet nach eigenen Angaben weiterhin zahlreiche Versuche russischer Fehlinformationen.

    Ein Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, es würden nach wie vor bekannte Narrative verbreitet - insbesondere über Soziale Medien wie Telegram. Dabei stütze sich Russland auf ein komplexes Netzwerk staatlicher oder staatlich gesteuerter Akteure. Bereits vor einem Jahr hatte das Ministerium sich beunruhigt über gefälschte und täuschend echt aussehende Medienwebseiten mit pro-russischen Desinformationen rund um den Ukraine-Krieg gezeigt. Nun erklärte der Sprecher, innerhalb der vergangenen zwölf Monate sei kein Rückgang russischer Desinformation zu verzeichnen gewesen. Ziel der Akteure sei es, Konflikte in der Gesellschaft zu verschärfen und Misstrauen in staatliche Institutionen und Regierungshandeln zu schüren.

    Die bisherigen Entwicklungen im Ukraine-Krieg finden Sie hier.