Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Die Entwicklungen vom 1. bis 5. September 2023

Seit dem 21. Februar 2022 halten wir in einem Newsblog fest, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt. In diesem Archiv können Sie die bisherigen Entwicklungen nachvollziehen.

06.09.2023
    Ukraine, Kiew: Rustem Umerow, Leiter des Staatseigentumsfonds, spricht und lächelt.
    Rustern Umerow wird neuer Verteidigungsminister der Ukraine. (picture alliance/photothek/Thomas Imo)
    Zu den aktuellen Entwicklungen geht es hier.

    Dienstag, 5. September

    +++ Nach der Zerstörung des ukrainischen Kachowka-Staudamms sind die befürchteten Fälle von Cholera ausgeblieben.

    Vize-Gesundheitsminister Kusin teilte mit, es habe zweimal einen Verdacht auf Cholera gegeben - dieser habe sich aber beide Male nicht bestätigt. Allerdings seien 22 Infektionsfälle registriert worden, die auf unsauberes Trinkwasser zurückgeführt würden. Der Minister aktualisierte auch die Angaben zu den Opfern durch die Überschwemmungen am Flusslauf des Dnipro. Demnach gebe es 32 bestätigte Tote. 39 Personen würden noch vermisst. Der von russischen Truppen kontrollierte Staudamm war Anfang Juni zerstört worden. Die Flutwelle erfasste eine Gesamtfläche von mehr als 600 Quadratkilometern - das entspricht der doppelten Fläche von München. Rund 900.000 Menschen waren von den Wassermassen betroffen.
    Ein überflutetes Gebiet entlang eines Flusses, im Hintergrund liegen Teile einer zerstörten Brücke im Wasser.
    So sah es nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms aus. (IMAGO / Le Pictorium / IMAGO / Nicolas Cleuet / Le Pictorium)

    +++ In einem russischen Dorf an der Grenze zur Ukraine ist ein Zivilist durch ukrainischen Beschuss getötet worden.

    Dies teilte die Regierung der russischen Region Belgorod mit. Das Dorf Kosinka im Bezirk Graiworon sei mehrfach beschossen worden, hieß es. Eine Frau wurde demnach verletzt. Belgorod ist in den vergangenen Monaten immer wieder unter Beschuss gekommen. Im Frühjahr waren zudem bewaffnete Milizen von der Ukraine aus in den Bezirk Graiworon vorgedrungen und hatten sich Gefechte mit der russischen Armee geliefert. Seit dem Sommer haben ukrainischen Angriffe auf russische Grenzregionen generell zugenommen.

    +++ Nach den Worten des russischen Staatschefs Putin haben "westliche Mächte" mit Wolodymyr Selenskyj "mit Absicht" einen Präsidenten jüdischer Herkunft in der Ukraine installiert, um damit die "Verherrlichung des Nazitums zu vertuschen".

    In einem TV-Interview verbreitet Putin die Vorstellung, die Regierung in Kiew werde von Neonazis beherrscht und betreibe einen Völkermord an russischsprachigen Menschen. Deswegen sei die Invasion des Nachbarlandes notwendig gewesen, die nach Anweisung der russischen Regierung als "spezielle Militäroperation" zu bezeichnen ist. Putin hat weder für seine Behauptung, die Ukraine werde von Neonazis regiert, noch für den angeblichen Völkermord an Russen Belege oder Hinweise vorgelegt.
    Präsident Putin sitzt an einem Tisch an seinem Regierungsort.
    Der russische Staatschef Putin (IMAGO / UPI Photo / IMAGO / Kremlin)

    +++ Australische Drohnen werden nach Darstellung der Regierung in Moskau für Angriffe auf russisches Territorium eingesetzt.

    Australien schließe sich damit der antirussischen Kampagne der USA an und lasse sich in den Konflikt in der Ukraine hineinziehen, erklärt die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. Sie reagiert mit ihren Äußerungen auf einen Bericht des "Sydney Morning Herald", nach dem aus Australien stammende Drohnen beim ukrainischen Angriff auf einen Flugplatz in der russischen Stadt Kursk eingesetzt wurden.

    +++ Die Ukraine weist den Vorstoß der Türkei zurück, Russland bei der Wiederaufnahme des Getreide-Abkommens womöglich Zugeständnisse zu machen.

    Die Regierung in Kiew werde keine Lockerungen der Sanktionen gegen Russland dulden, dies wäre eine Form des "Appeasement", sagt der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak der Nachrichtenagentur Reuters. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag erfolglos versucht, Russlands Staatschef Wladimir Putin zur Rückkehr zu dem Abkommen zu bewegen, mit dem der Export ukrainischen Getreides auf dem Seeweg über das Schwarze Meer gesichert werden soll. Erdogan kündigte allerdings gemeinsam mit den Vereinten Nationen neue Vorschläge an. Dazu will er mit UNO-Generalsekretär Antonio Guterres nach türkischen Medienberichten am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York Mitte des Monats sprechen.

    +++ Das ukrainische Parlament hat die Entlassung von Verteidigungsminister Resnikow gebilligt.

    Wie der Abgeordnete Zheleznyak auf Telegram mitteilte, stimmte eine Mehrheit der Parlamentarier für das Ersuchen von Präsident Selenskyj. Nachfolger an der Spitze des Verteidigungsministeriums soll der Chef des staatlichen Vermögensfonds, Umerow, werden. Selenskyj hatte den Wechsel damit begründet, dass nach 550 Tagen Krieg neue Impulse notwendig seien. Gegen das Verteidigungsministerium waren in den vergangenen Monaten mehrfach Korruptionsvorwürfe erhoben worden.

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    +++ Deutschland hat der Ukraine Munition für den Flugabwehrpanzer Gepard geliefert.

    Das teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Die erste Auslieferung einer fünfstelligen Anzahl an Patronen sei "nur wenige Monate nach einer entsprechenden Vereinbarung" erfolgt. Der Aufbau der Produktionslinie zur Herstellung der Munition sei "innerhalb ambitionierter Zeitlinien gelungen", erklärte das Ministerium. Der Ukrainekrieg habe vor Augen geführt, dass es bei der Verteidigung des eigenen Landes auf Flugabwehr und ausreichend Munition ankomme, wird Minister Pistorius zitiert.
    Es sollen weitere Chargen folgen, bis Jahresende insgesamt 40.000 Schuss. Der Bund bezahlt die Munition, er hat der Ukraine bereits 46 Gepard-Panzer überlassen und sechs weitere zugesagt. Insgesamt hat Rheinmetall einen Auftrag über 300.000 Gepard-Schuss bekommen. Die Produktion war aufwendig, weil die Munition des bei der Bundeswehr längst ausrangierten Flak-Panzers teilweise neu entwickelt werden musste.

    +++ Der deutsche Rüstungskonzern Diehl will die Produktion des Luftabwehrsystems IRIS-T deutlich erhöhen.

    Damit soll laut Unternehmen die steigende Nachfrage aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine befriedigt werden. Im Jahr 2025 wolle das Privatunternehmen mindestens acht Systeme bauen, statt drei bis vier in diesem Jahr, sagte er vor Reportern auf dem norddeutschen Fliegerhorst Todendorf. Er fügte hinzu, dass die Produktion in diesem Jahr verdreifacht und im nächsten Jahr weiter verdoppelt werde, so dass ab 2024 mit einer Produktion von 400 bis 500 Geschossen zu rechnen sei.
    Luftabwehrrakte Iris-T
    Luftabwehrrakte Iris-T (picture alliance / abaca / ABACA)

    +++ Der russische Verteidigungsminister Schoigu hat die ukrainische Gegenoffensive als "völlig erfolglos" bezeichnet.

    Zugleich räumte er aber ein, dass die Lage in einem Teil der besetzten südukrainischen Region Saporischschja angespannt sei. "Die ukrainischen Streitkräfte haben an keiner Front ihre Ziele erreicht", teilt Schoigu mit. "Am angespanntesten ist die Lage an der Saporischschja-Front", sagte er. Dort habe der Feind Brigaden aus seiner strategischen Reserve eingesetzt, deren Soldaten von westlichen Ausbildern geschult worden seien. Die Ukraine hatte dagegen zuletzt von Fortschritten bei ihrer Offensive im Süden berichtet.

    +++ Der Kreml will sich nicht zu einem US-Medienbericht über Pläne für ein Treffen von Präsident Putin mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un äußern.

    Es gebe nichts dazu zu sagen, teilt das Präsidialamt mit. Die "New York Times" hatte berichtet, dass Kim noch in diesem Monat zu einem Treffen mit Putin nach Russland reisen wolle, um über Waffenlieferungen für den Krieg in der Ukraine zu sprechen.

    +++ In der Ukraine sind im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge 890 Menschen durch Streubomben getötet worden.

    Das geht aus dem von der Hilfsorganisation Handicap International erstellten sogenannten Streubomben-Monitor hervor. Dies sei vor allem auf den umfangreichen Einsatz von Streumunition durch Russland zurückzuführen, hieß es. Doch auch die ukrainischen Streitkräfte hätten Streumunition eingesetzt. Die Entscheidung der US-Regierung im Juli 2023, Streumunition an die Ukraine zu liefern, schaffe einen „gefährlichen Präzedenzfall“, so die Organisation.
    Insgesamt sind den Angaben zufolge weltweit 1.172 Menschen durch Streumunition getötet oder verletzt worden. Damit handle es sich um die höchste Opferzahl seit Beginn der Erhebungen 2010.
    Ein Mann zeigt Teile einer Streubombe, die in der ukrainischen Stadt Kupjansk im Oblast Charkiw eingesetzt wurde.
    Ein Mann zeigt Teile einer Streubombe, die in der ukrainischen Stadt Kupjansk im Oblast Charkiw eingesetzt wurde. (IMAGO / SNA / IMAGO / Viktor Antonyuk)

    +++ Kubanische Staatsbürger sind nach Angaben des Außenministeriums gezwungen worden, für Russland im Krieg in der Ukraine zu kämpfen.

    Der Menschenhändlerring operiere sowohl in dem karibischen Inselstaat als auch in Russland, um dort und auch auf der Insel lebende Kubaner für die Streitkräfte zu rekrutieren, teilt das Ministerium mit. Die kubanischen Behörden arbeiteten an der Zerschlagung des Netzwerks, Strafverfahren gegen die Beteiligten seien eingeleitet worden. Der Kreml äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

    +++ Russische Luftabwehrsysteme haben russischen Angaben zufolge am frühen Morgen drei ukrainische Drohnen abgeschossen.

    Die Luftabwehr habe "Drohnen zerstört, die versucht haben, Moskau anzugreifen", erklärte der Bürgermeister der Hauptstadt, Sergej Sobjanin, im Onlinedienst Telegram. Ersten Informationen zufolge hab es "keine Opfer" gegeben. Das russische Verteidigungsministerium teilte auf Telegram mit, eine Drohne sei über der Region Kaluga südwestlich von Moskau geflogen. Eine zweite Drohne sei nordwestlich der Hauptstadt über dem Bezirk Istrinsky abgefangen worden. Eine dritte Drohne wurde demnach nordwestlich von Moskau in der Region Twer abgeschossen.

    +++ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einem Besuch nahe der Front in den Gebieten Donesk und Saporischschja die Soldaten nach einer erfolgreichen Offensive geehrt.

    Auf der offiziellen Website des Präsidenten sind Videos zu sehen, auf denen Selenskyj Truppen Orden verleiht und sich bei Sanitätern in einem Feldlazarett bedankt. In seiner nächtlichen Ansprache aus einem Zug sagt Selenskyj, die Regierung in Kiew werde die Rückmeldungen der Soldaten über den Verlauf des Konflikts ernst nehmen.

    Montag, 4. September

    +++ Der russische Präsident Putin hat nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten betont, dass für eine Wiederaufnahme des Getreideabkommens alle russischen Forderungen erfüllt werden müssen.

    Putin beklagte nach dem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer, dass die westlichen Sanktionen den Export von russischem Getreide, von Dünger und Agrartechnik behindern würden. Zugleich kündigte er an, Russland werde in Kürze Getreide an sechs afrikanische Länder liefern. Erdogan äußerte sich dennoch zuversichtlich, dass das Abkommen gerettet werden könne. Er stellte neue Vorschläge gemeinsam mit den Vereinten Nationen in Aussicht.
    Moskau hatte den von der Türkei und der UNO vermittelten Vertrag mit der Ukraine im Juli aufgekündigt. Darin vorgesehen waren sichere Korridore für den Transport von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer Richtung Afrika und Naher Osten. Seither greift die russische Armee immer wieder gezielt die ukrainische Hafenstruktur im Raum Odessa aber auch die Donau-Häfen an.

    +++ Die Ukraine hat nach eigenen Angaben Beweise für die Einschläge russischer Drohnen in Rumänien - Bukarest streitet die Meldungen ab.

    Der ukrainische Außenminister Kuleba sagte laut der Nachrichtenagentur Interfax, dass es Fotos vom Absturzort der Drohnen auf rumänischem Gebiet gebe. Es sei angesichts dieser Beweise sinnlos, die Einschläge zu bestreiten. Kuleba unterstellte der Regierung des NATO-Mitglieds Rumänien, die Vorfälle kleinzureden, um nicht in einen direkten Konflikt verwickelt zu werden. Das rumänische Verteidigungsministerium und die Außenministerin Odobescu hatten die Berichte Kiews zuvor dementiert.
    In der Nacht auf Montag hatte Russland den Süden der Ukraine mit Drohnenangriffen überzogen. Ziel sei nach ukrainischen Angaben erneut der Donauhafen Ismajil in der Nähe der rumänischen Grenze gewesen.

    +++ Die UNO-Untersuchungskommission zum Ukraine-Krieg hat ihre schweren Vorwürfe gegen Russland bekräftigt.

    Russische Militäreinheiten und Behörden seien in der Ukraine für Kriegsverbrechen wie vorsätzliche Tötungen, Angriffe auf Zivilisten, rechtswidrige Inhaftierungen, Vergewaltigungen sowie Deportationen verantwortlich, sagte der Vorsitzende der Kommission, Erik Møse, in Kiew. Die Russen hätten Folter in einer weitverbreiteten und systematischen Weise eingesetzt - hierbei könne es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handeln, erklärte Møse. Häufig sei die Folter in Verbindung mit Verhören ausgeführt worden, um Informationen oder Geständnisse zu erpressen oder um die Opfer zu bestrafen.
    Die Kommission habe eine Reihe von Hafteinrichtungen genau untersucht. Auch zwei Fälle von Verbrechen auf ukrainischer Seite seien überprüft worden.
    Der UNO-Menschenrechtsrat hatte die Kommission im März 2022 ins Leben gerufen. Ihre wesentlichen Untersuchungsergebnisse veröffentlichte sie im Oktober 2022 und März 2023. Die gesammelten Beweise für Verbrechen sollen in möglichen Strafverfahren Verwendung finden.

    +++ Der ukrainische Verteidigungsminister Resnikow hat beim Parlament sein Rücktrittsgesuch eingereicht.

    Das gab er auf der Online-Plattform X bekannt. Präsident Selenskyj hatte entschieden, Resnikow zu ersetzen. Nachfolger soll der Leiter des staatlichen Vermögensfonds der Ukraine, Umerow, werden. Er ist krimtatarischer Abstammung und setzt sich seit Jahren für eine Befreiung der Halbinsel Krim ein, gilt aber als Experte für Finanzwirtschaft. Selenskyj erklärte, er gehe davon aus, dass die Ernennung des 41-Jährigen vom Parlament gebilligt werde. Resnikows Abgang war erwartet worden. Sein Ministerium sah sich seit Längerem mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert.

    +++ Die Ukraine vermeldet Erfolge bei ihrer Gegenoffensive.

    Vize-Verteidigungsministerin Maljar sprach im Staatsfernsehen von Fortschritten im Gebiet der Stadt Melitopol im Süden des Landes. Zudem habe Kiew drei Quadratkilometer nahe der umkämpften ostukrainischen Stadt Bachmut zurückerobert.
    Bereits im Juni hatte die ukrainische Armee eine Gegenoffensive gegen die russische Invasion begonnen, kam dabei aber zunächst nur langsam voran. Vergangene Woche meldete sie, die Armee habe in der Region Saporischschja die erste Verteidigungslinie der Russen durchbrochen.
    Insgesamt werden die ukrainischen Gebietsgewinne in den vergangenen drei Monaten auf etwas mehr als 250 Quadratkilometer geschätzt. Russland hält einschließlich der bereits seit 2014 annektierten Halbinsel Krim immer noch rund 100.000 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums besetzt.

    +++ Vier Tage nach Beginn des neuen Schuljahres in der Ukraine hat es erneut Bomben-Alarm an allen Schulen in Kiew gegeben.

    Das teilte die Kiewer Militärverwaltung im Online-Dienst Telegram mit. Die Polizei ergreife die notwendigen Maßnahmen und fordere die Öffentlichkeit auf, Ruhe zu bewahren. Eine ähnliche Warnung war bereits zum ersten Schultag am 1. September bei den Behörden eingegangen, hatte sich aber als falsch herausgestellt. Mit Unterstützung des Katastrophenschutzes hatte die Kiewer Polizei alle Bildungseinrichtungen überprüft, umfassende Evakuierungen waren aber ausgeblieben.

    +++ Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann macht Bundeskanzler Scholz persönlich dafür verantwortlich, dass Deutschland der Ukraine bisher nicht die geforderten Taurus-Marschflugkörper liefert.

    Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag schrieb im Online-Dienst X, Scholz allein blockiere die Entscheidung in der Koalition. Das sei verantwortungslos, kritisierte Strack-Zimmermann. Sie frage sich, worauf der Kanzler warte. Die Ukraine bittet Deutschland seit Monaten um die Lieferung von Marschflugkörpern.
    Ein Luft-Boden-Marschflugkörper "Taurus" und dahinter ein Tornado.
    Die Marschflugkörper "Taurus" starten von Flugzeugen aus und fliegen dann mit eigenem Antrieb ins Ziel. Sie gelten als besonders zielgenau – und haben eine Reichweite von 500 Kilometern. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
    Militäranalyst: Höhepunkt der Gegenoffensive steht kurz bevor

    +++ Russland hat in der Nacht nach Angaben aus Kiew Luftangriffe auf den Donauhafen der ukrainischen Stadt Ismajil geflogen.

    Das Militär forderte die Bewohner der Gegend auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ismajil wurde in der Vergangenheit für den Export von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer genutzt. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist der Export jedoch schwierig geworden. Der Kreml hatte im Juli ein Abkommen zur Ausfuhr des Getreides über das Schwarze Meer nicht mehr verlängert.

    +++ In der russischen Stadt Sotschi will Staatschef Putin heute mit dem türkischen Präsidenten Erdogan darüber beraten, wie ukrainisches Getreide künftig außer Landes gebracht werden kann.

    Unter anderem afrikanische Staaten sind auf Importe aus der Ukraine angewiesen. Die Türkei vermittelt regelmäßig zwischen Moskau und Kiew und hat - anders als ihre NATO-Partner - keine Sanktionen gegen Russland verhängt.

    Sonntag, 3. September

    +++ Der russische Staatschef Putin empfängt morgen den türkischen Präsidenten Erdogan in Sotschi am Schwarzen Meer.

    Ein wichtiges Thema der Gespräche ist eine mögliche Wiederaufnahme des Abkommens über den Export ukrainischen Getreides. Russland hat die Vereinbarung im Juli auslaufen lassen. Erdogan fordert, sie wieder in Kraft zu setzen, um die Versorgung der Welt mit Lebensmitteln sicherzustellen. Für die Türkei sind außerdem die russischen Gaslieferungen durch das Schwarze Meer wichtig.
    Das NATO-Mitglied Türkei beteiligt sich nicht an den Sanktionen des Westens gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Stattdessen unterhält Erdogan zu beiden Staaten engen Kontakt und versucht zwischen ihnen zu vermitteln.

    +++ Die ukrainische Armee meldet einen Durchbruch bei der Gegenoffensive in der Region Saporischschja.

    Nach Angaben des ukrainischen Brigadegenerals Tarnawskyj befände man sich jetzt zwischen der ersten und der zweiten Verteidigungslinie der Russen im Süden. Das sagte der Kommandeur im Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian". Allein an der ersten Linie hätte die russische Armee 60 Prozent ihrer Ressourcen und Zeit aufgewendet. Die Gegenoffensive war lange Zeit durch ein riesiges Minenfeld in der Region erschwert worden. Die Entminung sei vor allem nachts erfolgt, sagte der General.
    Im Gebiet Saporischschja hatte die ukrainische Armee zuletzt bei Robotyne nach wochenlangen Kämpfen russische Verteidigungsanlagen überwunden. Nun soll die nächste russische Linie angegriffen werden, die den Weg in die besetzten Städte Tokmak und Melitopol versperrt. Ziel ist, das etwa 90 Kilometer entfernte Asowsche Meer zu erreichen und die russischen Truppen voneinander abzuschneiden.

    +++ Das Internationale Olympische Komitee erlaubt keine Teilnahme von russischen Sportlern bei den Asienspielen.

    Das IOC erklärte das Vorhaben nach Angaben mehrer Medien für "nicht umsetzbar aus technischen Gründen". Damit können die Athleten aus beiden Ländern nicht über den Umweg der Asienspiele im chinesischen Hangzhou eine Qualifikation für die Sommerspiele in Paris erreichen. Asiens Olympia-Komitee OCA hatte zuvor den Weg für den Start von maximal 500 Sportlerinnen und Sportlern aus Russland und Belarus frei gemacht. Nun verwies das OCA auf die IOC-Entscheidung und teilte knapp mit, dass keine Athleten aus diesen Ländern bei den Asienspielen in China im September und Oktober dabei sein werden.
    Die IOC-Zentrale in Lausanne
    Athleten und Athleten aus Russland und Belarus dürfen nicht an den Asienspielen teilnehmen. (Fabrice Coffrini / AFP)

    +++ Russland wirbt nach britischen Angaben Migranten aus Zentralasien sowie Menschen in Nachbarländern als Soldaten für den Krieg gegen die Ukraine an.

    Es gebe mindestens sechs Millionen Migranten aus Zentralasien in Russland, "die der Kreml vermutlich als potenzielle Rekruten ansieht", teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Russlands Ziel sei, vor der für 2024 geplanten Präsidentenwahl eine weitere unpopuläre Mobilmachung zu vermeiden. Mit Stand Ende Juni habe Russland Werbeanzeigen in Nachbarstaaten wie Armenien oder Kasachstan geschaltet und locke mit einer Anzahlung von 495 000 Rubeln (aktuell 4750 Euro) und Monatslöhnen ab 190 000 Rubeln. Das ist deutlich mehr als der Durchschnittslohn. Außerdem werde eine beschleunigte russische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt.

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    +++ Trotz der russischen Seeblockade haben offenbar zwei weitere Frachtschiffe den von der Ukraine eingerichteten Getreidekorridor passiert.

    Das teilte Präsident Selenskyj über die Online-Plattform "X" mit, ohne genauere Angaben zu Ladung und mögliche Zielhäfen bekanntzugeben. Die Ukraine hatte den Schwarzmeer-Korridor einseitig ausgerufen, nachdem sich Russland im Juli aus einem von den Vereinten Nationen unterstützten Getreideexportabkommen zurückgezogen hatte. Die Nutzung dieser neuen Route durch Handelsschiffe erfolgt auf eigenes Risiko, nachdem Moskau Frachter zu möglichen Angriffszielen erklärt hatte - mit der Begründung, ohne Kontrollen könnten diese auch Militärgüter transportieren. Zuletzt hatten bereits zwei Schiffe den Korridor von Odessa aus ohne Zwischenfälle Richtung Istanbul durchquert.

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    +++ Die Ukraine berichtet über einen russischen Drohnenangriff auf Odessa.

    Dabei seien zwei Zivilisten verletzt worden. Der Angriff am frühen Morgen habe dreieinhalb Stunden gedauert, erklärt die ukrainische Luftwaffe auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Russland habe 25 Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion eingesetzt, von denen 22 abgeschossen worden seien. Bei dem Angriff seien Hafen-Einrichtungen getroffen und beschädigt worden.

    Samstag, 2. September

    +++ Ein Gericht in Kiew hat wegen Betrugsverdachts Untersuchungshaft für einen ukrainischen Oligarchen angeordnet.

    Ihor Kolomojskyj wird unter anderem die Legalisierung von unrechtmäßig erworbenem Eigentum vorgeworfen. Außerdem soll er jahrelang Geld illegal ins Ausland geschafft haben. Gegen den Eigentümer einer Finanz- und Industriegruppe wird seit vorigem Jahr ermittelt. Im November wurden bereits seine Beteiligungen an halbstaatlichen Erdöl- und Erdgasunternehmen wegen des russischen Angriffskrieges beschlagnahmt.
    Kolomojskyj ist ein ehemaliger Förderer des ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Dieser hatte sich in der jüngeren Vergangenheit immer stärker von dem Oligarchen distanziert und ihm Berichten zufolge auch die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen.
    Eine Nahaufnahme des ukrainischen Oligarchen Ihor Kolomojsky
    Der Geschäftsmann Ihor Kolomojskyj war früher ein Förderer des ukrainischen Präsidenten Selenskyj - inzwischen hat sich Selenskyj deutlich von ihm distanziert. (imago images / Ukrinform / Mykola Miakshykov via www.imago-images.de)

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj sieht Fortschritte bei der Gegenoffensive zur Befreiung der von Russland besetzten Gebiete.

    "Die ukrainischen Streitkräfte bewegen sich vorwärts. Trotz allem und ungeachtet dessen, was alle sagen, kommen wir voran, und das ist das Wichtigste. Wir sind in Bewegung", teilte Selenskyj bei Telegram mit. Die Ukraine hatte zuletzt immer wieder kritisiert, dass westliche Experten von einem schleppenden Fortgang der Offensive ohne die erwarteten Durchbrüche an der Frontlinie sprachen. Auch Selenskyj erklärte, die Offensive sei kein Hollywood-Film. Er sei stolz auf den Mut und die Treffsicherheit der ukrainischen Schützen, teilte Selenskyj bei X mit.

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    +++ Russland hat nach eigenen Angaben Drohnenangriffe auf die Krim-Brücke abgewehrt.

    Das russische Militär habe drei Seedrohnen zerstört, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Eine der Drohnen sei am Freitagabend zerstört worden, die zwei anderen am frühen Samstagmorgen. Von ukrainischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor.

    +++ Aus den russischen Grenzgebieten zur Ukraine werden weitere Angriffe gemeldet.

    In der Region Brjansk seien mehrere Dörfer unter Beschuss geraten, teilte der zuständige Gouverneur mit. Zuvor war nach russischen Angaben bereits die Region Kursk beschossen worden. Aus Kiew gab es dazu zunächst keine Stellungnahme.

    +++ Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges hilft die Bundeswehr seit heute den Luftraum des Nato-Mitglieds Slowakei zu schützen.

    Dazu gibt es bis zum 22. Dezember sogenannte Schutzflüge im slowakischen Luftraum, wie die Luftwaffe in Berlin mitteilte. Eine Alarmrotte zweier Eurofighter-Kampfflugzeuge sei im oberbayerischen Neuburg an der Donau in ständiger Bereitschaft. Sie solle unidentifizierte oder feindliche Luftfahrzeuge im slowakischen Luftraum abfangen. Zudem sind Trainingsflüge über der Slowakei geplant. Die Slowakei ist Teil der NATO-Ostflanke und direktes Nachbarland der von Russland angegriffenen Ukraine.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj wird persönlich zur Generaldebatte der UNO-Vollversammlung Mitte des Monats nach New York kommen.

    Das bestätigte der albanische UNO-Botschafter Hoxha. Hoxha, der seit Freitag für diesen Monat Vorsitzender des Sicherheitsrats ist, sagte, Selenskyj habe bereits einen fest vereinbarten Termin für ein Treffen mit Generalsekretär Guterres. Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine dürfte Selenskyjs Teilnahme an dem Treffen große Aufmerksamkeit erregen. Die Vollversammlung beginnt am 19. September.
    Eine Sitzung der UNO-Vollversammlung in New York
    Eine Sitzung der UNO-Vollversammlung in New York (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

    +++ Die Ukraine kann mit eigenen Waffen nach offiziellen Angaben inzwischen Ziele auf russischem Staatsgebiet in 1.500 Kilometern Entfernung erreichen.

    Man arbeite schon länger an einem Raketen- und Drohnenprogramm, weshalb Ziele sogar in einer solchen Entfernung kein Problem mehr seien, sagte der Sekretär des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung, Danilow, im ukrainischen Radio. Die auf russischem Staatsgebiet angewendeten Waffen seien ukrainischer Herkunft, betonte Danilow mit Blick auf Angriffe militärischer Ziele in dem Nachbarland.

    +++ Russland hat nach offiziellen Angaben Angriffe von ukrainischen Seedrohnen auf die Krim-Brücke abgewehrt.

    Diese seien rechtzeitig in den Gewässern des Schwarzen Meeres entdeckt und zerstört worden, teilte das Verteidigungsministerium im Online-Dienst Telegram mit. Demnach hatte sich ein erster Angriff am späten Abend ereignet, zwei weitere folgten im Laufe der Nacht. Die Brücke vom russischen Festland zur Krim gilt als wichtig für die Versorgung der Halbinsel selbst sowie der russischen Invasions-Truppen im Süden der Ukraine. Das Bauwerk wurde von Kiew bereits mehrfach angegriffen. Satellitenbildern zufolge sichert Russland inzwischen einen Teil der Brücke mit einer Barriere aus mehreren Schiffen, die auch als Schutz vor Angriffen mit Marine-Drohnen dienen soll.

    +++ Russland hat laut Medienberichten den mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Journalisten Dmitri Muratow als "ausländischen Agenten" eingestuft.

    Muratow, Herausgeber der unabhängigen Zeitung "Nowaja Gazeta" und Friedensnobelpreisträger des Jahres 2021, sei einer von mehreren russischen Staatsangehörigen, die auf der Liste stünden, erklärte das Justizministerium in Moskau laut russischen Nachrichtenagenturen. Die Nowaja Gazeta und Muratow waren im Ausland für ihre investigative, oft kremlkritische Berichterstattung bekannt. Muratow war zusammen mit seiner philippinischen Kollegin Maria Ressa für ihren mutigen Kampf für die Meinungsfreiheit ausgezeichnet worden.
    Der russische Journalist Dmitri Andrejewitsch Muratow
    Der russische Journalist Dmitri Andrejewitsch Muratow hat im Jahr 2021 den Friedensnobelpreis bekommen. (IMAGO / SNA)

    +++ Die Ukraine kommt nach Erkenntnissen der USA im Kampf gegen die russischen Invasoren voran.

    In den vergangenen Tagen habe man bemerkenswerte Fortschritte der Streitkräfte vor allem in der Region Saporischschja im Süden der Ukraine wahrgenommen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Kirby, in Washington. Der Kreml meldete seinerseits die Einnahme strategisch wichtiger Punkte nahe der ostukrainischen Stadt Kupjansk durch die russischen Truppen.

    Freitag, 1. September

    +++ Das dänische Außenministerium hat die russische Botschaft in Kopenhagen zur Reduzierung ihres Botschaftspersonals aufgefordert.

    Die Zahl der Mitarbeiter solle genauso hoch sein wie die der Mitarbeiter in der dänischen Botschaft in Moskau, teilte das Ministerium am Freitag mit. Die Gespräche über eine Aufstockung des Personals in Kopenhagen seien an russischen Versuchen gescheitert, Geheimdienstagenten nach Dänemark einzuschleusen. Nun muss das Personal in der russischen Botschaft auf fünf Diplomaten und 20 Mitarbeiter in Verwaltung und Technik reduziert werden. Russland bekam dafür eine Frist bis zum 29. September. Am Freitag berichtete eine dänische Zeitung, ein Mitglied des russischen Geheimdienstes GRU sei als Diplomat nach Kopenhagen entsandt worden.

    +++ Überschattet vom andauernden Krieg hat in der Ukraine das neue Schuljahr begonnen.

    In der ostukrainischen Großstadt Charkiw, die häufig beschossen wird, versammelten sich die Schulkinder aus Sicherheitsgründen in den U-Bahn-Stationen. An den Schulen in der Hauptstadt Kiew hat es Bombendrohungen gegeben. Mit Unterstützung des Katastrophenschutzes überprüfte die Kiewer Polizei alle Bildungseinrichtungen, wie eine Polizeisprecherin erklärte. Umfassende Evakuierungen der Schulen blieben aber aus. Insgesamt kehrten laut dem Bildungsministerium knapp vier Millionen Schülerinnen und Schüler sowohl virtuell als auch in Präsenz in die Klassenzimmer zurück. Präsident Selenskyj wünschte allen ein erfolgreiches Schuljahr. "Wir unternehmen jede Anstrengung, um die Sicherheit im Land wieder herzustellen, schrieb Selenskyj auf der Plattform X (vormals Twitter).

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    Bildung trotz Krieg: Schul- und Unibeginn in der Ukraine

    +++ Die Einladung des russischen Botschafters zum diesjährigen Nobel-Bankett hat in Schweden Kritik hervorgerufen.

    Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson betonte, er selbst hätte anders entschieden. Die Nobel-Stiftung hatte am Donnerstag mitgeteilt, sie werde in diesem Jahr alle Botschafter der in Schweden und Norwegen vertretenen Ländern einladen. Die Stiftung organisiert die jährliche Nobelpreis-Verleihung und das Bankett in Stockholm. Im vergangenen Jahr hatte sie entschieden, den russischen und den belarussischen Botschafter wegen des Kriegs in der Ukraine nicht einzuladen. Auch der iranische Gesandte wurde wegen der Niederschlagung der Proteste in dem Land nicht eingeladen.
    Das Foto zeigt das feierliche Bankett, das an die Übergabe der Nobelpreise in Stockholm anschließt, in der Mitte sitzt Schwedens König Carl XVI. Gustaf.
    Das feierliche Nobelpreis-Bankett mit Schwedens König Carl XVI. Gustaf findet jedes Jahr statt. (dpa / picture alliance / AP Photo / Henrik Montgomery)

    +++ Russland hat nach offiziellen Angaben die neue leistungsstarke Interkontinentalrakete RS-28 Sarmat in Dienst gestellt.

    Das kündigte der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Borissow, laut Staatsmedien an. Die in unterirdischen Raketenschächten stationierte Waffe mit der NATO-Bezeichnung "SS-X-30 Satan 2" kann nach russischen Angaben bis zu 15 einzeln steuerbare Atomsprengköpfe tragen. US-Militärs gehen eher von bis zu zehn Sprengköpfen aus. Mit 208 Tonnen Gesamtgewicht ist die Rakete außerordentlich schwer und hat eine Reichweite von 18.000 Kilometern.

    +++ Bei einem mutmaßlichen ukrainischen Drohnenangriff auf einen russischen Luftwaffenstützpunkt sind nach Erkenntnissen der Nachrichtenagentur AP mindestens zwei Transportflugzeuge vom Typ "Iljuschin Il-76" zerstört worden.

    Das geht aus Satellitenbildern hervor, die am Freitag von der AP ausgewertet wurden. Örtlichen Medienberichten zufolge wurden bei Drohnenangriffen auf den Flughafen vier weitere "Il-76" beschädigt. Die Aufnahmen vom Donnerstag zeigen den Internationalen Flughafen Prinzessin Olga in Pskow, der sowohl militärisch als auch zivil genutzt wird. Er liegt etwa 700 Kilometer nördlich der ukrainischen Grenze in der Nähe von Estland und Lettland.
    Der Drohnen-Angriff wurde nach ukrainischen Angaben von russischem Staatsgebiet aus ausgeführt. Das erklärte der ukrainische Geheimdienstchef Budanow in Online-Diensten.
    Dieses Satellitenfoto von Planet Labs PBC zeigt den internationalen Flughafen Princess Olga Pskow.
    Dieses Satellitenfoto von Planet Labs PBC zeigt den internationalen Flughafen Princess Olga Pskow. Mutmaßliche ukrainische Drohnenangriffe sollen dort zwei militärische Transportflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 zerstört haben (Planet Labs PBC / AP / dpa)

    +++ Zwei weitere Frachtschiffe haben südukrainische Schwarzmeerhäfen verlassen.

    Daten der Internetseite Marinetraffic zufolge haben die beiden Schiffe trotz einer russischen Seeblockade vom Hafen Piwdennyj etwa 20 Kilometer östlich von Odessa abgelegt. Die Frachter "Filia Glory" und "Ocean Courtesy" fahren unter den Flaggen von Liberia und den Marshall-Inseln. Für die "Filia Glory" wurde angegeben, dass sie zuerst den Hafen Odessa anlief und dann Kurs auf den bulgarischen Hafen Warna genommen habe. Ob die Schiffe Fracht geladen haben, wurde nicht bekannt.

    +++ US-Behörden werfen einem Deutsch-Russen Schmuggel von Militärtechnik nach Russland vor.

    Das US-Justizministerium teilte mit, der 33-Jährige habe gegen Ausfuhrkontrollen verstoßen, indem er in den USA produzierte Mikroeletronik an eine russische Firma verkauft habe, die "kritische elektronische Teile" an das russische Militär liefert. Der Mann war wenige Tage zuvor auf Ersuchen der USA in Zypern festgenommen worden.
    Um den wahren Abnehmer der Produkte zu verschleiern, hatte der 33-Jährige laut den US-Behörden eine Firma auf Zypern genutzt und den Händlern mitgeteilt, die Teile würden in dem EU-Staat und in anderen zugelassenen Ländern in Brandschutzsystemen eingesetzt. Der eigentliche Käufer sei jedoch das in St.Petersburg ansässige Unternehmen Electrocom VPK gewesen, das elektronische Teile für die Waffenproduktion liefert.

    +++ Russlands Staatschef Putin und der türkische Präsident Erdogan wollen am Montag im russischen Sotschi zusammentreffen.

    Das hat Kreml-Sprecher Peskow mitgeteilt. Zuvor war wochenlang über Ort und Zeitpunkt eines Treffens spekuliert worden. In dieser Woche war der türkische Außenminister Fidan zu Gesprächen mit dem russischen Kollegen Lawrow in Moskau.
    Die Türkei hatte gemeinsam mit den Vereinten Nationen im Juli 2022 ein Abkommen vermittelt, nach dem die Ukraine von drei Häfen am Schwarzen Meer aus Getreide exportieren konnte. Im Juli zogen sich die Russen aus dem Getreideabkommen zurück. Sie behaupteten, dass die Bedingungen für die Vereinbarungen nicht erfüllt worden seien.
    Weizen wird in ein Frachtschiff verladen
    Weizen wird in ein Frachtschiff verladen (IMAGO / Panthermedia / oqtave )

    +++ UNO-Generalsekretär Guterres hat Russland neue Vorschläge für die Wiederaufnahme des Getreideabkommens mit der Ukraine gemacht.

    Guterres sagte in New York, er habe dem russischen Außenminister Lawrow in einem Brief konkrete Angebote übermittelt. Er habe beispielsweise einen effektiven Zugang russischer Lebensmittel und Düngerprodukte zu den globalen Märkten in Aussicht gestellt. Dies war eine der zentralen Forderungen Russlands.
    Guterrres betonte, ein neues Abkommen brauche Stabilität.Auch die Türkei bemüht sich nach eigenen Angaben weiter um eine Vermittlung. Der türkische Außenminister Fidan soll dazu heute in Moskau den russischen Verteidigungsminister Schoigu treffen. Die russische Regierung hatte den Vertrag über den Transport von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer Mitte Juli aufgekündigt. Das Abkommen galt als wichtig für die Versorgung der Staaten des globalen Südens.

    +++ Das russische AKW Kursk ist bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die nahe gelegene Stadt Kurtschatow offenbar nicht beschädigt worden.

    Der Gouverneur der Region, Starowoit, sagte, die Fassade eines Gebäudes sei beschädigt worden. Es habe keine Verletzten gegeben. Das AKW erwähnte er nicht. Starowoit stellt klar, dass nur eine Drohne Kurtschatow angegriffen habe. Zuvor hatte er von zwei Fluggeräten gesprochen.

    +++ Aus Russland werden weitere ukrainische Drohnenangriffe gemeldet.

    Zwei ukrainische Drohnen haben einem russischen Gouverneur zufolge die russische Stadt Kurchatov angegriffen. Ein Wohnhaus und ein Verwaltungsgebäude seien beschädigt worden, schreibt Roman Starowoit auf Telegram.
    Vorher war von russischer Seite gemeldet worden, dass die Luftabwehr Russlands in der nordwestlichen Region Oblast Pskow einen unbekannten Flugkörper abgeschossen habe. Gouverneur Michail Wedernikow postete auf Telegram ein Video, das eine Explosion am Himmel zeigt. Laut Wedernikow hat es sich um ein "nicht identifizierbares Objekt" gehandelt. Nach dem Abschuss habe es keine Schäden am Boden gegeben.
    In der selben Region hatte Russland nach eigenen Angaben am Mittwoch über dem Militärflugplatz von Pskow bereits einen Drohnenangriff vereitelt. Infolgedessen vier russische Transportflugzeuge beschädigt worden waren.

    +++ Angesichts sich häufender Drohnenangriffe spricht der Moskauer Bürgermeister vom Ausbau der eigenen Luftverteidigung.

    "In diesem Jahr haben wir viel getan, um Moskau vor Drohnen und versuchten Terroranschlägen zu schützen", sagte Sobjanin der Agentur Interfax zufolge vor Vertretern kommunaler Unternehmen. In den vergangenen Wochen seien teils täglich neue Flugabwehrsysteme errichtet worden, behauptete Sobjanin, der sich in mehr als einer Woche wiederwählen lassen will.
    Unabhängige Beobachter äußern hingegen immer wieder Zweifel an offiziellen Darstellungen, wonach viele der mutmaßlich ukrainischen Drohnen von der Moskauer Flugabwehr erkannt und abgeschossen werden. Mehrfach drangen die unbemannten Flugkörper in den vergangenen Wochen bis ins Stadtzentrum vor und richteten dort Schäden etwa im berühmten Wolkenkratzerviertel Moskwa City an. Die Folgen der Attacken stehen allerdings in keinerlei Verhältnis zu den Kriegsfolgen in der von Russland angegriffenen Ukraine, wo bereits Tausende Zivilisten getötet wurden.

    Die bisherigen Entwicklungen im Ukraine-Krieg finden Sie hier.