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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Nicht jeder Staat ist gleich zahlungskräftig"18.03.2013

"Nicht jeder Staat ist gleich zahlungskräftig"

Verbraucherschützer rät Sparern mit Auslandskonten zur Vorsicht

Einlagensicherungssysteme seien deshalb sicher, weil Staaten dahinter stehen, die diese indirekt garantieren, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Für deutsche Sparer sei die Sicherheit bei deutschen Banken nach wie vor am höchsten.

Niels Nauhauser im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

Wo sein Geld am besten anlegen?  (picture alliance / dpa / Michael Reichel)
Wo sein Geld am besten anlegen? (picture alliance / dpa / Michael Reichel)

Susanne Kuhlmann: Gesperrte Geldautomaten, unterbrochenes Online-Banking – so reagieren die Banken Zyperns auf das internationale Hilfspaket, das die Euro-Gruppe am Wochenende beschlossen hat. Denn die Hilfszusage ist an bisher noch nie verlangte Gegenleistungen geknüpft, unter anderem an eine Zwangsabgabe auf alle Spareinlagen. Von Tabubruch ist die Rede, von der Gefahr eines Bank Runs, also eines massenhaften Ansturms von Kunden, die ihr Geld abheben wollen. – Niels Nauhauser ist Finanzfachmann bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und jetzt am Telefon in Stuttgart. Hallo, Herr Nauhauser!

Niels Nauhauser: Ja guten Tag.

Kuhlmann: Wer ist denn jetzt unmittelbar betroffen von den Zypern-Beschlüssen?

Nauhauser: Diejenigen, die bei den zypriotischen Banken Einlagen haben. Also im Grunde sind das vermutlich in Deutschland vielleicht eine Handvoll Kunden. Ich weiß es nicht, wir haben bislang dazu noch keine Informationen von Verbrauchern vorliegen. Man muss aber davon ausgehen, dass es vor allem Kunden sind vor Ort.

Kuhlmann: Deutsche Sparer müssen sich keine Sorgen machen, hat Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, dem Handelsblatt gesagt. Und weiter: Es sei gut, dass es keine europäische Einlagensicherung gebe. Wie sind denn die deutschen Einlagensicherungssysteme organisiert?

Nauhauser: Das ist leider sehr kompliziert und ein heilloses Durcheinander. Ich will Ihnen das gerne kurz erklären. Wir haben in Deutschland für die privaten Banken, Commerzbank, Deutsche Bank und Co., ein gesetzliches Einlagensicherungssystem. Das ist die Entschädigungseinrichtung der privaten Banken. Dort ist ein Anspruch bis 100.000 Euro pro Kontoinhaber abgesichert. Den kann man auch vor Gericht einklagen. Dann haben die Volks- und Raiffeisenbanken ihr eigenes Sicherungssystem und die Sparkassen haben ihr eigenes Sicherungssystem.
Wenn aber deutsche Anleger ins Ausland gehen, oder bei einer ausländischen Bank Geld anlegen, die in Deutschland unterwegs ist, dann kommen im Zweifel ausländische Einlagensicherungssysteme in Frage, beispielsweise das Sicherungssystem Frankreichs, Hollands, Österreichs oder eben auch anderer EU-Länder. Und hier stellt sich für die Sparer leider die Frage: welches Sicherungssystem ist eigentlich sicher. Denn überall steht Einlagensicherung drauf, aber es ist nicht überall auch wirklich Sicherheit drin. Das hängt damit zusammen, dass die Einlagensicherung im Grunde nicht deshalb sicher ist, weil da ein riesiger Haufen Geld zur Verfügung steht, der im Notfall für eine Pleite geradestünde, sondern die Einlagensicherungssysteme sind deshalb sicher, weil Staaten dahinter stehen und sie indirekt garantieren. Und hier haben wir eben den Unterschied: Nicht jeder Staat ist gleich zahlungskräftig und deutsche Anleger haben mit dem deutschen Staat eigentlich einen sehr, sehr zahlungskräftigen Staat in Europa. Deshalb sind die Sparguthaben hier beim deutschen Staat so weit abgesichert, also über die deutschen Entschädigungseinrichtungen abgesichert und sehr sicher. Bei ausländischen ist das leider nicht der Fall.

Kuhlmann: Wer also einen Teil seines Geldes in ausländischen, in anderen EU-Staaten hat, der sollte sich darüber im Klaren sein, wie es dort läuft mit der Einlagensicherung, oder eben auch einer solchen Regelung, die nicht da ist.

Nauhauser: Das ist die Konsequenz. Wir raten Verbrauchern erstens: Schau nach, ob Du in der deutschen Einlagensicherung bist. Also bei privaten Banken ist das die EDB Banken. Bei den Sparkassen und Volksbanken, die sind ohnehin hierzulande abgesichert. Und wenn nein, dann muss man im Zweifel die Konsequenz ziehen und das Geld dort abziehen aus den anderen Sicherungssystemen, weil in Deutschland im Zweifel der deutsche Staat ein sehr, sehr hohes Interesse daran hat, einen solchen Bank Run zu vermeiden, weil das einen riesigen volkswirtschaftlichen Schaden auslösen würde. Und wenn Kunden bei anderen Banken sind, ist die Frage: Will auch der ausländische Steuerzahler deutsche Kunden entschädigen. Von daher ist die Sicherheit bei den deutschen Banken am höchsten.

Kuhlmann: Und wer Geld im Ausland hat und im Krisenfall dort entschädigt werden wollte, der hätte ja auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen.

Nauhauser: Richtig. Man müsste dann möglicherweise eine Korrespondenz in einer ausländischen Sprache führen, hat also Sprachbarrieren, und theoretisch gibt es auch das Risiko, wenn dieser ausländische Staat den Euro-Raum verlässt, dann wird das Guthaben über Nacht in eine andere Währung konvertiert und man trägt dann sogar Währungsrisiken.

Kuhlmann: Wie sicher ist das Geld der Sparer? Zur Hilfe für die Banken Zyperns waren das Einschätzungen von Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dank dafür nach Stuttgart.

Nauhauser: Gerne!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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