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Niedergebrannte TurnhalleAnschlag in Nauen soll von NPD-Politiker initiiert worden sein

Brennende Sporthalle in Nauen (Brandenburg). Die Sportstätte war als Notunterkunft geplant. (dpa / picture-alliance / Julian Stähle)
Brennende Sporthalle in Nauen (Brandenburg). Die Sportstätte war als Notunterkunft geplant. (dpa / picture-alliance / Julian Stähle)

100 Asylsuchende sollten vorübergehend in einer Sporthalle im brandenburgischen Nauen unterkommen, doch die wurde in Brand gesetzt. Polizei und Staatsanwaltschaft schreiben die Tat nun einer rechten Gruppierung zu - deren Kopf ein NPD-Politiker sein soll.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) erklärte am Freitag, beim schwersten Anschlag dieser Art in dem Bundesland seit 20 Jahren erhärte sich der Verdacht auf eine rechtsextreme "Stadtguerilla". Der 29-Jährige, dem eine Führungsrolle in der Gruppe "Freie Kräfte Neuruppin/Osthavelland" zugeschrieben wird, sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft, ein mutmaßlicher Komplize seit Freitag. Die Rolle der NPD bei den Taten sei "eindeutig belegbar, dadurch dass Aktivisten der NPD zu den Beschuldigten gehören", sagte Schröter. Der 29-Jährige sei eine "stadt- und kreisbekannte Person" der NPD.

Mehrere Taten mit rechtsextremem Hintergrund

Die rechte Gruppe soll für den Brandanschlag auf die geplante Notunterkunft verantwortlich sein. Kurz bevor die ersten Flüchtlinge in die Sporthalle einziehen konnten, war sie Ende August 2015 in Flammen aufgegangen. Menschen wurden nicht verletzt. Es war damals schnell klar, dass es sich um einen Brandanschlag handelte. Auch ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde von Anfang an vermutet. 

Es gehe aber auch um eine Reihe anderer Taten, etwa Anschläge auf ein Büro der Partei Die Linke, berichteten die Ermittler. Die Gruppe soll aus fremdenfeindlichen Motiven etwa auch das Auto eines Polen angezündet haben. Zudem soll die Zelle einen in der Flüchtlingshilfe engagierten Jugendverein schriftlich bedroht und in der Stadt Flugblätter verteilt haben, auf denen zum "absoluten Widerstand" gegen eine "Invasion der Ausländer" aufgerufen wird. Dazu hätte das Schreiben Tipps zum Bau von Molotow-Cocktails und Rohrbomben enthalten.

Am vergangenen Dienstag schlugen die Ermittler zu. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, wie die Behörden am Freitag in Potsdam mitteilten. Zudem prüft die Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Bildung einer terroristischen Vereinigung, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Junker berichtete.

Polizei: "Die haben sich Alibis verschafft"

"Diese Gruppe hat sich extrem abgeschottet", sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. "Die haben sich Alibis verschafft. Am Anfang sah das fast wasserdicht aus. Sie haben konspirativ gearbeitet." Mörke sprach von einer "rechten Zelle". Es gebe zurzeit "etwa fünf" Verdächtige. Neben den beiden Verhafteten sind der Polizei drei weitere Verdächtige bekannt: Ein 31-Jähriger und ein 26-Jähriger sowie eine 22-Jährige. Die Frau wurde aus der U-Haft entlassen.

(nch/ach)

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