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Niederlande
Ärger über deutsche Pkw-Maut

Die geplante deutsche Maut für ausländische Pkws stößt in den Niederlanden auf wenig Gegenliebe. Besonders Pendler und Touristen sehen hohe Zusatzkosten auf sich zukommen. Die Regierung erwägt gemeinsam mit Österreich juristische Schritte.

Von Kerstin Schweighöfer | 03.07.2014

    Ein Schild mit der Aufschrift "Maut" steht an einer Autobahn, im Hintergrund fahren Autos vorbei.
    Die Niederländer sprechen sich klar gegen die Pkw-Maut aus. (dpa/picture alliance/Bernd Wüstneck)
    Rotterdam, Arnheim, Frankfurt, Würzburg. Dann ein Zwischenstopp mit Übernachtung bei Passau. Und am nächsten Morgen weiter nach Süden bis an die kroatische Küste. Ada und Bas Schrama, beide um die 50, können es kaum erwarten.
    Ein Traumort, schwärmt das holländische Ehepaar. Auch in den nächsten Jahren würden die beiden ihren Urlaub dort gerne verbringen.
    "Aber das könnte ein teurer Spaß werden", klagt Bas, ein hochgewachsener blonder Holländer. Wenn nämlich die Deutschen ernst machen mit ihren Plänen, eine Pkw-Maut einzuführen.
    Und um Deutschland, so stellt Ada Schrama klar, "kommst du nicht herum, wenn du im Süden Urlaub machen willst".
    "In Europa müssen alle gleich behandelt werden"
    Es gebe da zwar den Umweg über Frankreich, aber der wäre noch teurer: erstens mehr Benzin, zweitens ebenfalls Autobahngebühren. Und drittens wäre dann auch noch die Anschaffung einer zweiten Vignette nötig, nach Österreich auch noch eine für die Schweiz.
    "So allmählich müssen wir überall zahlen, egal in welchem Land. Nur bei uns nicht! Ich finde, auch wir Niederländer sollten Autobahngebühren einführen!"
    Am meisten erbost es Bas Schrama, dass es deutsche Autofahrer nicht treffen würde, weil ihre Kfz-Steuern gesenkt werden sollen:
    "Das ist unfair! Wenn schon, dann müssen alle dran glauben! In Europa müssen alle gleich behandelt werden!"
    Das findet auch die niederländische Regierung. Sie spricht von Diskriminierung. Für Premierminister Mark Rutte sind die deutschen Maut-Pläne "eine Gräte, die den Niederländern im Halse stecken zu bleiben droht":
    Verkehrsministerin Melanie Schultz schließt nicht aus, dass die Niederlande zusammen mit Österreich juristische Schritte unternehmen, will aber noch warten, bis der deutsche Verkehrsminister seine Pläne übermittelt hat.
    "Sollte es tatsächlich zu einer Maut kommen", so Schultz, "dann muss zumindest im Grenzgebiet so etwas wie eine maufreie Zone geschaffen werden!"
    Denn die Pendler dort würden ganz besonders getroffen. Außerdem könnte der Verkehr im Grenzgebiet auf den Landstraßen und in den Dörfern stark zunehmen, da Autofahrer Schleichrouten nehmen, um deutsche Autobahnen zu umfahren. Darüber macht sich auch Michael Sijbom, Bürgermeister der Grenzgemeinde Losser, große Sorgen.
    "Wir sind Teil des deutschen Wirtschaftsverkehrs"
    Die Dachorganisation niederländischer Spediteure TLN spricht von unlauterem Wettbewerb: Rund 1000 kleine Kurierfirmen sind mit ihren Lieferwagen auch auf deutschen Autobahnen unterwegs und müssten im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz dann zahlen:
    "Wir müssen die deutschen Maut-Pläne, koste es, was es wolle, verhindern!" so TLN-Sekretär Elmer de Bruin.
    Das Argument der Deutschen, jeder profitiere gratis von ihren Autobahnen, fegt er ebenso vom Tisch wie Guido van Workum, Direktor vom ANWB, dem niederländischen Automobilklub:
    "Wir tragen bereits auf vielerlei Weise zum Unterhalt deutscher Autobahnen bei, zum Beispiel indem wir in Deutschland tanken! Erst recht, seitdem unsere Regierung die Benzinpreise erneut drastisch erhöht hat! Wir sind Teil des deutschen Wirtschaftsverkehrs, wir lassen bereits genug Geld in Deutschland!"
    Eigene Maut nicht sinnvoll
    Inzwischen werden in den Niederlanden immer mehr Stimmen laut, die im Gegenzug ebenfalls die Einführung einer Pkw-Maut fordern. Aber, so stellte Premierminister Mark Rutte klar, das sei wenig sinnvoll:
    "Wir sind nunmal kein Transitland für Pkw, nur für Güter. Damit würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden und Touristen davon abhalten, sich an unseren Stränden oder an den friesischen Seen zu erholen."
    Was niederländischen Urlaubern ein Trost sein mag: Es gibt noch Ferienziele in Europa, so haben Bas und Ada Schrama entdeckt, die sich ohne Autobahngebühren erreichen lassen - die Britischen Inseln.
    "Aber dann müssten wir eine andere Garderobe mitnehmen", lacht Ada. "Und dürfen die Regenjacken nicht vergessen."