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StartseiteCampus & KarriereMentorenprogramm gegen Schulleitermangel03.06.2019

Nordrhein-WestfalenMentorenprogramm gegen Schulleitermangel

Kaum noch Unterricht, dafür viel Bürokratie und Stress: Der Job des Schulleiters liegt nicht jedem. Viele Stellen sind seit Jahren vakant. Ein 2018 gestartetes Mentorenprogramm der Bezirksregierungen in Arnsberg und Münster soll das ändern. Und zeigt bereits erste Erfolge.

Von Nicole Albers

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Grundschüler und eine Lehrerin während einer Unterrichtsstunde in einem Klassenzimmer (imago / Photothek)
Vom Unterricht zur Verantwortung für die ganze Schule: Für Lehrkräfte, die Schulleiter werden, steht ein großer Rollenwechsel an (imago / Photothek)
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"Das hat mir unheimlich viel gebracht, für mich war das einfach eine Chance, unverbindlich und praxisnah den Beruf des Schulleiters aus einer anderen Perspektive zu sehen."

Barbara Altena ist Lehrerin an der Von-Galen-Grundschule in Südlohn-Oeding. Schon seit 20 Jahren unterrichtet sie. Doch seit Längerem spielt sie mit dem Gedanken, Schulleiterin zu werden. Das Mentorenprogramm der Bezirksregierung Münster hat den Entscheidungsprozess enorm beschleunigt. Jetzt ist sie sich sicher.

"Ich habe schon Respekt, vor allem die große Verantwortung für alle Abläufe in der Schule, aber zum anderen sehe ich auch eine Herausforderung vor dem Rollenwechsel, der dann bevorstehen wird, vom Teammitglied zur Leitung. Ich freu mich aber auch dann, mit dem Kollegium im Team zu arbeiten und gemeinsam das zu machen."

Der Job hat es in sich

Insgesamt 15 Lehrerinnen und Lehrer haben an dem Programm teilgenommen. Im Laufe der vergangenen Monate konnten sie an mehreren Tagen bei einem Schulleiter mitlaufen. Gespräche mit Eltern und Kollegen, Handwerkern, kurzfristige Änderungen beim Stundenplan – der Job hat es in sich.

"Das Theaterprojekt kommt ja Freitag." "Ja genau, Freitag."

Flexibilität ist das A und O

Hildegard Köppen beherrscht diese Aufgaben aus dem Effeff. Seit vielen Jahren schon leitet sie die Von-Galen-Grundschule und weiß, dass es vor allem darauf ankommt, flexibel zu sein.

"Ich glaube, das Schwierigste ist, man kommt morgens hier an, und man hat sich viel vorgenommen und es kommt ganz viel dazwischen. Und am Ende des Tages sagt man, was hast du denn eigentlich von dem geschafft, was du wolltest."

Damit musste sie anfangs erst mal klarkommen. Learning bei doing – so war es für sie. Aus diesem Grund hält sie das Mentorenprogramm für äußerst sinnvoll.

"Ich weiß noch, als ich angefangen habe, gab es das noch nicht. Wir wurden einfach so ins kalte Wasser geschmissen und im Nachhinein hab ich die Qualität erworben. Ich finde das sehr schön, dass die heutigen Kollegen die Gelegenheit bekommen, das im Vorfeld schon abzuklären.

Insofern, dass die mitgehen und über die Schulter gucken, macht ganz viel Sinn auch für die Entscheidung, will ich das."

Der Bedarf ist riesig

Von den 15 Mentees im Regierungsbezirk Münster haben sich acht entschlossen, diesen Weg zu gehen. Nach einer etwa einjährigen Qualifikationsphase könnten sie dann ab dem nächsten Sommer eine Grundschule leiten. Doch die Lücke ist deutlich größer. Derzeit sind über 60 Schulleiterposten vakant, dazu kommen noch über 90 unbesetzte Konrektoren-Stellen. Dennoch ist Axel Barkowsky von der Bezirksregierung überzeugt: mittelfristig wird das klappen.

"Ich glaube, dass das ein erster Schritt in die richtige Richtung ist – klar, wenn da 66 Schulleiterstellen unbesetzt sind, ist das unbenommen eine große Lücke und Mentoring ist der richtige Weg dafür. Und acht sind schon einmal acht und wir machen weiter, und dann sind vielleicht irgendwann 16, 24,32 und dann haben wir vielleicht irgendwann die Lücke geschlossen."

Demnächst soll das Programm auch landesweit aufgelegt werden.

Es wird sich einiges ändern

An der Van-Galen-Grundschule in Südlohn-Oeding wird sich einiges ändern. In einem Jahr geht Schulleiterin Hildegard Köppen in Ruhestand. Und ob ihre Stelle besetzt werden kann, ist unklar. Darum hat Köppen bereits einige Führungsaufgaben an Mitglieder aus ihrem Kollegium abgeben. Quasi Vorbereitung für den Worst Case.

"Wenn man sieht, wie viele Stellen nicht besetzt sind, muss man damit rechnen. Ich habe jetzt hier ein Team, das sehr gut zusammenarbeitet. Es ist ne gute Sache, weil dann, wenn ich gehen sollte, das Alltagsgeschäft weitergeführt werden kann, weil alle involviert sind und alle weiterwirken können.

Barbara Altena gehört ebenfalls zu diesem Team. Und wer weiß, vielleicht kann ja sogar sie die Nachfolge von Köppen antreten. Diese Entscheidung liegt aber letztlich bei der Bezirksregierung.

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