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Nordrhein-WestfalenStreit um den Verkauf von Warhol-Bildern

Die geplante Versteigerung zweier Warhol-Kunstwerke durch ein landeseigenes Unternehmen in Nordrhein-Westfalen sorgt für heftige Diskussionen. Museumsdirektoren fürchten, der Verkauf von öffentlichem Kunsteigentum könnte zur Regel werden, um den Haushalt zu sanieren. Heute nun beschäftigt sich der NRW-Landtag mit dem Fall.

Von Thielko Grieß | 23.10.2014

Die Andy Warhol Kunstwerke (l-r) "Triple Elvis" (1963) und "Four Marlon" (1966). Die Westdeutschen Spielbanken wollen in New York zwei ihrer wichtigsten Bilder versteigern lassen und erhoffen sich dafür 100 Millionen Euro.
Die Andy Warhol Kunstwerke (l-r) "Triple Elvis" (1963) und "Four Marlon" (1966). Die Westdeutschen Spielbanken wollen in New York zwei ihrer wichtigsten Bilder versteigern lassen und erhoffen sich dafür 100 Millionen Euro. (dpa / Christie's/The Andy Warhol Found)
Die beiden Bilder befinden sich schon nicht mehr in Nordrhein-Westfalen. Das Auktionshaus Christie's schreibt auf seiner Internetseite, die Weltöffentlichkeit in Hongkong und London habe schon die Möglichkeit gehabt, sich die beiden Warhols anzuschauen und demnächst hängen sie dann in New York. Alles Vorbereitung für Mittwoch, den 12. November: Dann soll der Hammer fallen. Die Spielbanken-Gesellschaft "Westspiel" hält an dem Verkauf fest, begründet Sprecher Christof Schramm:
"Der Erlös dient ganz klar der Zukunftssicherung des Unternehmens Westspiel. Damit möchten wir in Standorte investieren, in bestehende Standorte, auch in einen neuen Standort und das Unternehmen in eine profitable Zukunft führen."
"Triple Elvis" und "Four Marlons" sind vor gut vier Jahrzehnten von Westspiel gekauft worden. Der jetzt zu erwartende deutlich größere Gewinn fließt zurück in ihre Kasse. Die Spielbank braucht Geld, nach jüngsten Zahlen schreibt sie Verluste, will aber von ihren übrigen 235 Kunstwerken keine weiteren verkaufen.
Museumsdirektoren fürchten Präzedenzfall
Westspiel gehört der nordrhein-westfälischen Förderbank, der NRW Bank – und die wiederum gehört dem Land: Die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf sieht allerdings keine Möglichkeit, den Verkauf zu stoppen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, SPD, erklärte, Nordrhein-Westfalen könne die Bilder nur zum Marktwert erwerben – das sei aber, Zitat, nicht darstellbar.
Das ist Teil ihrer Antwort auf einen Brief von 26 Museumsdirektoren aus NRW. Die fürchten einen Präzedenzfall, den Verkauf wertvollen öffentlichen Kunsteigentums, um damit kurzfristig Anderes zu bezahlen. Daraufhin versicherte Hannelore Kraft, das Land werde keine Kunst verkaufen, die es direkt besitze, um damit etwa Haushaltslöcher zu schließen. Vonseiten des Fraktionschefs der Grünen, Rainer Priggen aus Aachen, heißt es, jahrelang habe sich niemand für die Bilder interessiert, kein Museum habe sie ausgeliehen.
Die Opposition dagegen hat Zweifel und Fragen: Die Piraten fordern einen Verkaufsstopp für Kunst, die direkt oder indirekt dem Land gehört. Und von der CDU kommt der Vorschlag, landeseigene Unternehmen sollten sämtlich ihre Kunst an Museen abgeben. In Nordrhein-Westfalen denkt manch einer gleich an Kunstwerke, die noch dem Rechtsnachfolger der West.LB gehören – jener Landesbank, die nach horrenden Fehlspekulationen längst abgewickelt wird.