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StartseiteDeutschland heuteKampf gegen Kippenschnippen11.09.2019

NRW-Kommunen erhöhen BußgelderKampf gegen Kippenschnippen

Allein auf Düsseldorfs Straßen landen jeden Tag bis zu einer Million achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. Die Stummeln enthalten erhebliche Mengen an Giftstoffen. Viele Städte in Nordrhein-Westfalen wollen nun die Bußgelder gegen diese Umweltsünde drastisch erhöhen.

Von Thomas Kalus

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Auf dem Boden liegen unzählige Zigarettenkippen. (dpa/picture-alliance/Bernd Wüstneck)
Eine einzige Kippe verunreinigt rund 40 Liter sauberes Grundwasser durch austretende Giftstoffe, sagen Experten (dpa/picture-alliance/Bernd Wüstneck)
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Tausende Zigarettenkippen liegen auf dem Boden des Krefelder Theaterplatzes. Kaum einer scheint sich darum zu kümmern – die meisten Raucher schnippen ihre Kippen einfach so weg. Das soll sich jetzt ändern: Die Stadt will mit kräftigen Bußgeld-Erhöhungen gegen die Kippenflut vorgehen. Der Rat will bald einen neuen Strafenkatalog beschließen. Wer künftig seinen Zigarettenstummel wegwirft, soll bis zu einhundert Euro zahlen. Die Passanten am Theaterplatz können es gut nachvollziehen:

"Ich find das in Ordnung. Auf jeden Fall. Weil: Das gehört sich auch nicht, wenn die auf die Straße geworfen werden." – "Ich find das eigentlich gut, ist aber ein bisschen übertrieben." – "Ich bin auch Raucherin, aber es muss ja nicht sein, dass das auf dem Boden liegt." – "Es könnte von meiner Seite aus noch mehr sein."

In Köln kostet Kippenflitschen jetzt 50 Euro Bußgeld

Die Stadt Köln hat die entsprechenden Bußgelder bereits vor kurzem hochgesetzt: Statt wie bislang 35 Euro, muss jetzt 50 Euro zahlen, wer eine Zigarettenkippe auf den Boden schnippt. Heribert Büth vom Ordnungsamt glaubt aber nicht, dass jetzt viel mehr Arbeit auf ihn und seine Kollegen zukommt.

"Das ist keine neue Aufgabe für uns: Wir haben dieses Kippenflitschen, wie wir so sagen, auch vorher schon verfolgt. Wir gucken schon, wer kurz davor ist, seine Zigarette zu beenden. Da werfen wir einen Blick drauf, ob die Zigarette in die richtige Richtung wandert oder auf der Straße landet."

In der Zigarette: Nervengifte, Arsen, Kupfer, Blei

Die zugemüllten Straßen und Plätze sind aber noch nicht mal das Hauptproblem. Die weggeworfenen Kippen schädigen auch dramatisch die Umwelt: Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz verunreinigt eine einzige Kippe rund 40 Liter sauberes Grundwasser. Pro Kippe landen bis zu sechs Milligramm des Nervengifts Nikotin in der Umwelt, rechnet der Umweltverband vor. Zum Vergleich: Schon ein halbes Milligramm stuft die EU als gefährlich ein. Dazu kommen noch Spuren von Arsen, Kupfer und Blei. Der Regen wäscht diese Gifte aus, und so gelangen sie ins Wasser. Stephan von Orlow von der Umweltinitiative "Die Aufheber" fordert deshalb ein Pfandsystem für Zigarettenpackungen. Das Pfand würden Raucher nur dann zurückbekommen, wenn sie die Kippen am Ende auch wieder abgeben.

"Damit er das auch tut, haben wir ne gewisse Höhe auch für das Pfand vorgesehen, und wir denken an 20 Cent pro Kippe. Und das macht dann so vier Euro pro Schachtel. Ist ja auch kein Kaufpreis, sondern kriegst du ja wieder, wenn du dich eben achtsam verhältst. Und damit glauben wir, dass man bestimmt 90 Prozent des Mülls vom Boden wegbekommen."

Vielleicht keine schlechte Idee. Aber lässt sich das auch umsetzen? Bei den Rauchern müsste da auf jeden Fall noch Überzeugungsarbeit geleistet werden:

"Jedes Mal den Stummel halt wieder in die Packung reinzutun: Bewusst kann man´s machen, aber wenn man jetzt mit Freunden feiern ist oder irgendwie trinken ist, es würde zu arg ins Geld gehen, denke ich mal."

Hohe Bußgelder helfen

Bei den Bußgeldern für das achtlose Wegwerfen von Zigarettenkippen gibt es in Nordrhein-Westfalen erhebliche Unterschiede. Denn die Höhe für derlei Ordnungswidrigkeiten können die Städte selbst festlegen. In Düsseldorf gibt´s für das Kippenschnippen 10 Euro, in Aachen sind es 30, in Dortmund und Essen müssen 35 Euro bezahlt werden und in Bielefeld 40. Spitzenreiter in dieser Rangliste ist Lüdenscheid mit 100 Euro. Frank Ruffer vom dortigen Ordnungsamt glaubt, dass hohe Strafen die Raucher schon abschrecken können.

"So ist eigentlich unsere Einschätzung und Hoffnung, ne. Dass eben bei einem Bußgeld von 100 Euro die Risikoeinschätzung der Leute dann so ist, dass sie sagen: Dann lieber nicht. Dann benutze ich lieber den Aschenbecher in meinem Auto, anstatt es da achtlos auf den Gehweg zu werfen."

Freiwillige räumen hinterher

Ingo Dreweck und Kollegen vom uniformierten Außendienst sind täglich auf den Straßen Lüdenscheids unterwegs. Dass die Strafen deutlich hochgeschraubt werden, finden sie gut. Allerdings: Die Chancen, dass sie selbst solche Rekord-Knöllchen ausstellen sind eher gering, weiß Dreweck:

"Es ist einfach schwierig, jemanden zu erwischen. Das muss man schon ehrlich sagen. Weil: Wenn wir in Uniform unterwegs sind, werden wir erkannt. Und dann verkneifen sich das die Leute in der Regel, so was zu tun. Und wenn wir´s ahnden wollten, müssten die Dinge ja in unserem direkten Umfeld passieren, damit man sagen kann: Du warst das jetzt auch. Das ist eben schwierig."

Einen anderen Ansatz zum Vermeiden von Zigarettenkippen hat die Initiative "RheinCleanUp" gewählt: Die Umweltschützer organisieren in vielen Städten regelmäßig Dreck-Weg-Tage. Dabei sammeln Freiwillige Zigarettenstummeln auf. Am Ende des Tages werden die Kippen dann in großen Behältern der Öffentlichkeit präsentiert. Die Initiatoren hoffen, auf diese Weise das Bewusstsein der Raucher zu ändern.

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