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Nusra-Front in SyrienDer Bruch mit Al-Kaida

Drei bewaffnete Al-Nusra-Kämpfer kauern an einem steinigen Hügel.  (AFP / AMC / FADI AL-HALABI)
Kämpfer der islamistischen Al-Nusra-Front am 19.12.2014 in der Umgebung um Aleppo im Norden Syriens. (AFP / AMC / FADI AL-HALABI)

In den Augen der USA ist die Al-Nusra-Front in Syrien nichts anderes als ein Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida - und wird deswegen auch genauso bekämpft. Jetzt sieht es so aus, als ob sich die Extremisten von Al-Kaida losgesagt hätten. Künftig wollen sie unter neuem Namen gegen das syrische Regime kämpfen. Möglich, dass die "Dschabhat Fatah al-Scham" demnächst sogar an Friedensgesprächen teilnimmt.

Der Name der Gruppe ist neu, ihr Anführer bleibt derselbe: Per Videobotschaft hat Abu Mohammad al-Golani die Umbennung der Nusra-Front und die Abtrennung vom Al-Kaida-Netzwerk bekannt gegeben. Die neue Organisation "Dschabhat Fatah al-Scham" werde keine Verbindung zu anderen externen Organisationen haben, so al-Golani. Damit falle der Vorwand für die internationale Gemeinschaft weg, sie wegen Verbindungen zur Al-Kaida anzugreifen, meinte er.

al-Golani erklärte allerdings nicht ausdrücklich, dass seine Gruppe die Kontakte zur Al-Kaida abgebrochen habe. Er begründete die Neuorganisation mit dem Wunsch nach einer Annäherung an andere Rebellengruppen, die gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kämpfen. Die Nusra-Front gilt als eine der schlagkräftigsten Kampftruppen unter den Gegnern des Assad-Regimes. Weil sie aber genauso wie der IS als Terrororganisation eingestuft wird, war sie von Waffenstillstandsankündigungen ausgeschlossen und wurde weiter bombardiert.

Die Nusra-Front ist unter anderem in der Nähe von Aleppo im Norden Syriens aktiv. Russland und die USA unterstützen im syrischen Bürgerkrieg unterschiedliche Konfliktparteien, bekämpfen aber auch besonders radikale Gruppen wie die Nusra-Front und die IS-Miliz. Wegen ihrer Verbindungen zu Al-Kaida war die Nusra-Front im Februar von den Syrien-Friedensgesprächen ausgeschlossen worden.

Gruppen stehen sich weiter sehr nahe

Ideologisch bleibt die neue Gruppe bei ihrer extremistisch-islamistischen Ausrichtung, sie bekennt sich auch weiter zum Dschihad. Die Neu-Positionierung geschieht zudem im Einverständnis mit Al-Kaida. Der Schritt sei nötig, um die Nusra-Front zu schützen, hieß es. In der Videobotschaft war neben al-Golani auch Al-Kaida-Veteran Ahmed Salama Mabruk zu sehen. Er gilt als enger Vertrauter von Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri und hatte sich erst kürzlich der Nusra-Front in Syrien angeschlossen. Das wird von Experten als weiteres Zeichen gesehen, wie eng die Gruppe nach wie vor mit ihrer Dachorganisation verwoben ist. 

Die USA reagierten denn auch sofort mit Skepsis auf die Ankündigung. Die Bedohung durch die Nusra-Front bleibe, hieß es aus Washington. Durch ihren Schritt dürfte es für die USA und ihre Verbündeten noch schwieriger werden, zwischen den einzelnen Rebellengruppen zu differenzieren und zu entscheiden, welche bombardiert werden sollen und welche nicht. Eine Unterscheidung, die ohnehin schon nicht richtig funktioniert. 

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