Dienstag, 28. Juni 2022

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OECD-Arbeitsmarktstudie
Gute Bedingungen für Integration von Geflüchteten

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sieht Deutschland gut vorbereitet auf die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. In einer heute vorgestellten Studie mahnt die OECD zugleich Nachbesserungen an. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles dämpfte indes die Erwartungen an eine schnelle Integration der Flüchtlinge.

Von Volker Finthammer | 14.03.2017

Ausbilder unterhält sich mit einem afghanischen Flüchtling.
Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, ist ein wichtiger Schritt. Beide Seiten können davon profitieren. (picture alliance/ dpa/ Jens-Ulrich Koch)
Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen für die Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gut, sagt Thomas Liebing vom deutschen OECD-Büro in Berlin. Die Arbeitsmarktsituation sei aufgrund der vielen freien Stellen entspannt und die deutsche Bundesregierung habe frühzeitig auch die Weichen in die richtige Richtung gestellt.
Und die aktuelle Studie belege auch, dass es bislang überwiegend positive Erfahrungen mit der Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebe. Anders sieht das jedoch bei den Geringqualifizierten aus, die aber in großer Zahl nach Deutschland gekommen sind.
"Hier ist erheblich noch zu qualifizieren, auch in die Nachqualifizierung und vor allen Dingen auch die Maßnahmen, die es gibt, besser zu koordinieren, gerade weil es sich um einen langfristigen Prozess handelt."
Neben den grundsätzlichen Sprachkenntnissen werden da vor allem berufsbezogen Fähigkeiten gebraucht, aber auch ein Lernprozess im Blick auf die deutschen Arbeitsgewohnheiten.
"Leute, da sind wir erst am Anfang"
"Auch die Kenntnisse, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert. Auch das müsste viel stärker den Flüchtlingen schon in einer frühen Phase nahegebracht werden."
Das wird um so wichtiger je mehr anerkannte Asylbewerber auf den Arbeitsmarkt drängen. Im Februar dieses Jahres waren bereits neun Prozent aller registrierten Arbeitssuchenden anerkannte Flüchtlinge. Diese Zahl wird in den kommenden Monaten weiter steigen betont Arbeitsministerien Andrea Nahles. Jeden Monat würden gut 10.000 weitere anerkannte Flüchtlinge hinzukommen.
"Aber wir haben halt die eigentliche Schwelle noch vor uns, nämlich die wirkliche Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Das ist noch nicht geschafft, Leute. Im Gegenteil, da sind wir gerade erst am Anfang."
Vieles hänge da von der tatsächlichen Bereitschaft der Arbeitgeber ab, Flüchtlinge anzustellen und zu beschäftigen. Diese Bereitschaft gebe, es betonte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, denn je länger die Flüchtlinge im Wartemodus verharren würden, desto schwieriger gestalte sich später auch die Integration in den Arbeitsmarkt.
Arbeitgeber wollen bundesweite Schulpflicht für Flüchtlingskinder
Das im vergangenen August in Kraft getretene Integrationsgesetz sei da ein Schritt in die richtige Richtung aber noch kein hinreichender, betonte Kramer. Die Arbeitgeber haben noch weitergehende Forderungen, um die Beschäftigungsmöglichkeiten von Flüchtlingen zu verbessern:
"Wichtig ist zum Beispiel vor allem das Beschäftigungsverbot in Zeitarbeit auch für Asylbewerber und Geduldete aufzuheben. Das ist ein in Deutschland etwas heikles Thema. Wenn es aber jetzt darum geht, junge Fremde Menschen überhaupt zu integrieren, dann dürfen wir uns aus ideologischen Gründen keinen einzigen Weg versperren, wenn der Möglichkeiten bietet, Integration wahrzunehmen."
Dadurch könnten vor allem Menschen ohne Berufserfahrung eine Einstiegschance bekommen. Auch sollte in den Arbeitsagenturen die Vorrangprüfung, also die Frage ob für den gleichen Job nicht auch ein deutscher Bewerber zur Verfügung steht flächendeckend ausgesetzt werden.
Und nicht zuletzt sollte es eine Garantie geben, dass Flüchtlinge, die eine dreijährige Ausbildung annehmen, danach noch mindesten zwei Jahre weiter beschäftigt werden können, auch wenn der Aufenthaltsstatus das nicht zulassen sollte.
Darüber hinaus fordern die Arbeitgeber eine bundesweite Schulpflicht für Flüchtlingskinder nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland und außerdem sollten Flüchtlinge über 18 Jahre einen Schulabschluss in Deutschland nachholen können, was bislang jedoch nicht der Fall ist.
Nicht die OECD-Studie, wohl aber das Thema an sich eröffnet wohl neue politische Debatten, die so bislang noch nicht geführt wurden.