
Es gebe eine Art Trendwende in dem Sinne, dass man nun aus den Phasen von Stagnation und Rezession herausfinde, sagte der Leiter des ZEW-Forschungsbereichs ”Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft” im Dlf-Interview. So sei der Boden nach Jahren der Tränen wohl erreicht. Allerdings gehe es von einem niedrigem Niveau nur allmählich aufwärts. Und daher sei es auch keine Trendwende in dem Sinne, dass der deutschen Industrie nun wieder goldene Zeiten bevorstünden, erklärte der Volkswirtschafts-Professor weiter. Gestützt werde die Entwicklung aus seiner Sicht vor allem durch eine relativ stabile Weltwirtschaft, sinkende Energiepreise und die Verschuldungspakete des deutschen Staates. Die Politik habe jedoch bislang nicht mit den erforderlichen strukturellen Reformen zu der Entwicklung beigetragen, kritisierte der Ökonom. Als Beispiele nannte Heinemann die hohe Steuer- und Abgabenlast und die Kosten der sozialen Sicherungssysteme, zu denen bislang lediglich Kommissionen eingesetzt worden seien.
"Erholung", "Zuversicht" und "Aufschwung"
Auch andere Wirtschaftswissenschaftler äußerten sich optimistisch. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Dullien, sprach von einem fulminanten Auftragsschub. Damit zeige sich, dass die konjunkturelle Erholung auch in der Industrie ankomme. Der Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg, Niklasch, erklärte, es gebe erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht. Der Chefvolkswirt der VP Bank, Gitzel, meinte, die deutsche Industrie stehe vor einem Aufschwung.
Auftragsplus nach geschrumpfter Produktion
Die deutsche Industrie hatte zum Ende des vergangenen Jahres ein Auftragsplus verzeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg das Neugeschäft im Dezember um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Es war der vierte Anstieg in Folge und das prozentual höchste Plus seit zwei Jahren. Besonders viele Aufträge erhielten der Bilanz zufolge Metall- und Maschinenbau-Betriebe. Vorab war mit einem Rückgang der Neuaufträge gerechnet worden.
Das Bundeswirtschaftsministerium begründete den Anstieg vor allem mit mehreren neuen Großaufträgen. In den Zahlen spiegeln sich auch die ersten Effekte der höheren staatlichen Ausgaben wider, die insbesondere der Rüstungsindustrie zugutekommen – aber auch in Infrastruktur und Klimaneutralität fließen.
Die bisherige Krise der deutschen Industrie, die unter dem Zollstreit mit den USA, Konkurrenz aus China und hohen Energiepreisen leidet, gilt als wesentlicher Grund für die Konjunkturflaute in Deutschland. Dem Bundesverband der Deutschen Industrie zufolge war die Produktion 2025 das vierte Jahr in Folge gesunken, vor allem die Autobranche baute Jobs ab.
Diese Nachricht wurde am 05.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




