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StartseiteWirtschaft und GesellschaftNicht mehr wie geschmiert20.01.2016

Ölbranche unter DruckNicht mehr wie geschmiert

Das erneute Abrutschen des Ölpreises bringt nicht nur Förderländer wie Venezuela und Russland in Schwierigkeiten, sondern auch die großen Ölmultis. Die dampfen ganze Projekte ein, weil die Gewinne nicht mehr wie gewohnt sprudeln. So auch das Unternehmen Shell, das einen massiven Gewinneinbruch meldete.

Von Michael Braun

Shell-Tankstelle (dpa/picture alliance/Robin Utrecht)
Shell will bis Ende des Jahres fast 10.000 Stellen streichen. (dpa/picture alliance/Robin Utrecht)
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Billiges Öl Konjunkturspritze mit Nebenwirkungen

Der Ölpreis ist heute auf ein neues Tief gesunken. Ein Fass der Sorte West Texas Intermediate wurde in Asien für nur noch 27,55 Dollar gehandelt. Die Nordseesorte Brent war am Montag unter die 28-Dollar-Marke gefallen. Heute lag sie zwar leicht darüber, mit 28,28 Dollar das Barrel aber 48 Cent unter dem Preis von gestern. Insgesamt bewegt sich der Ölpreis auf dem tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Seit Mitte 2014 ist er um etwa 75 Prozent eingebrochen.

Das zieht seine Spuren schon durch die Bilanzen der Ölgesellschaften. Das könne gar nicht anders sein, sagt Dora Borbely, Ölanalystin der Deka Bank:

"Das scheint relativ sicher, dass wir hier keine guten Nachrichten aus der Branche bekommen werden. Die Unternehmen versuchen, was man jetzt schon hört, über Kostensenkung irgendwie ihre Bilanzen im Griff zu haben. Allen voran merkt man, dass die Investitionstätigkeit eingeschränkt wird."

Investitionen gekürzt

Zwei aktuelle Beispiele: Der britisch-niederländische Shell-Konzern legte heute erste Zahlen für das Schlussquartal 2015 vor. Wahrscheinlich werde ein halbierter Gewinn von noch umgerechnet 1,7 Milliarden Euro herauskommen. Shell-Chef Ben van Beurden hatte schon lange zuvor gemutmaßt, die niedrigen Ölpreise drückten auf die frei verfügbaren Mittel und verlangten von Shell harte Entscheidungen, um Wachstum und Gewinn zu ermöglichen:

"Lower oil prices will likely reduce this year's cash flow. Shell has taken tough decisions here to balance growth and returns."

Shell hatte seine Investitionen deutlich gekürzt und will in den Jahren 2015 und 2016 fast 10.000 Stellen streichen. Es bleibt der Plan, die frühere British Gas zu übernehmen, um die Position beim Flüssiggas zu stärken, BP weiter hinter sich zu lassen, die amerikanische Chevron zu überrunden und sich hinter ExxonMobil auf Rang zwei der Öl- und Gaskonzerne einzurichten.

Shell und die Ölbranche sind nicht allein mit ihrem Leiden am Ölpreis. Denn der strahlt aus, weiß Sven Diermeier von Independent Research:

"Wir haben schon eine sehr hohe positive Abhängigkeit zwischen Öl und anderen konjunktursensitiven Rohstoffen."

BHP will für ausgewogene Bilanz sorgen

Auf Kupfer etwa. Das merken Bergbaukonzerne wie BHP Billiton. Das britisch-australische Unternehmen hat heute seine Produktionspläne gekappt und musste seine Vermögen den neuen Preisverhältnissen anpassen. Sven Diermeier:

"Das Unternehmen hat die Produktion nicht mehr so stark ausgeweitet wie in den letzten Jahren, weil einfach die entsprechende Nachfrage nicht vorhanden ist und der Rohstoffpreisrückgang hat auch zur Folge gehabt, dass das Unternehmen milliardenschwere Wertberichtigungen auf Öl- und Gasaktivitäten in den USA angekündigt hat."

Zudem kündigte das BHP-Management an, für eine ausgewogene Bilanz zu sorgen. Das wurde als versteckter Hinweis gewertet, die Dividende werde gekürzt. Nicht nur die Aktionäre werden das spüren, sondern auch die Ausrüster der Bergbau- und Ölindustrie. Und amerikanische Banken. Sie haben ihre Rückstellungen für die Energieindustrie erhöht. Denn viele Fracker haben schon aufgegeben. Andere werden ihre Kredite und Anleihen womöglich nicht mehr zurückzahlen können.

 

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