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Österreich
Europas jüngster Außenminister

Der neue österreichische Außenminister Sebastian Kurz ist 27 Jahre alt - keiner seiner Kollegen in der Europäischen Union ist jünger. Kurz gehört der Österreichischen Volkspartei an, ist also ein Konservativer. Vor seinem Antrittsbesuch in Berlin sagte er, von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) könne er sich einiges abschauen.

Von Ralf Borchard | 15.01.2014
    Porträtbild des 27jährigen Sebastian Kurz, der mit leicht zur Seite gedrehtem Kopf in die Kamera lächelt.
    Sebastian Kurz wurde mit 27 Jahren Österreichs Außenminister. (picture alliance / dpa/ Georg Hochmuth)
    Im Wiener Außenministerium hat sich manches verändert. Sebastian Kurz arbeitet an einem höhenverstellbaren Tisch, an dem er meist steht oder auf einer Art Barhocker sitzt. Nach Berlin kommt er per Linienflug, in der Economy-Klasse. Und sein Alter, 27? Hat auch Vorteile, sagt Kurz im ARD-Interview:
    "Also ich glaube das Amt ist für jeden eine Herausforderung. Mit jungem Alter ist vielleicht die Aufmerksamkeit ein Stück weit größer, als wenn ich älter wäre. Mein Ziel ist es eigentlich, den Job möglichst gut zu machen, und vielleicht gelingt es auch, die Aufmerksamkeit ein Stück weit dafür zu nutzen, eigene Themen und eigene Ideen auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen."
    Gibt es denn junge Themen in der Außenpolitik?
    "Ja, ich glaube auf jeden Fall. Wenn wir uns die Außenpolitik anschauen, dann spielt sich ja mittlerweile sehr viel in Brüssel ab. Und wenn ich mir Themen ansehe wie die Jugendarbeitslosigkeit oder die Überschuldung, die teilweise stattfindet, dann habe ich durchaus das Gefühl, dass sehr viele Entscheidungen gerade für junge Menschen sehr relevant sind."
    Und wie wichtig ist Deutschland für ihn?
    "Also Deutschland ist für uns extrem wichtig. Wir haben 200.000 Deutsche, die in Österreich leben. 200.000 Österreicher leben in Deutschland. Deutschland ist unser Haupthandelspartner. Also nicht nur ein großer Nachbar, sondern wirtschaftlich und menschlich ganz entscheidend. Und Frank-Walter Steinmeier als Person ist einer der erfahrensten Außenminister, mit dem ich sicher gut zusammenarbeiten werde können und von dem ich sicher auch einiges mitnehmen kann."
    Inhaltlich, sagt Kurz, würde er Steinmeier gerne für eine gemeinsame Balkan-Politik gewinnen. Der westliche Balkan soll sein Schwerpunkt werden:
    "Das ist eine Region, die für uns sehr entscheidend ist. Wir haben sehr starke wirtschaftliche Interessen dort, wir sind Investor Nummer eins. Und wir haben natürlich ein Interesse daran, dass diese Länder eine Perspektive haben, EU-Mitgliedsstaaten zu werden."
    Heißt das, Kurz hält Serbien, das als nächstes Land vor der Tür steht, bald für EU-reif?
    "Na, es gibt ganz klare Kriterien, wann ein Land beitreten kann und wann nicht. Es gibt da keine Ausnahmen, jedes Land muss die Kriterien erfüllen, das gilt natürlich auch für Serbien, obwohl ich zugebe, dass ich mir da einen raschen Beitritt wünschen würde."
    Rumänien und Bulgarien, seit 2007 in der EU, sind derzeit unter dem Reizwort "Armutszuwanderung" im Gespräch. Wie sieht Österreich die Debatte?
    "Also wir haben sehr viel Zuwanderung in Österreich. Wir haben acht Millionen Menschen in Österreich, davon haben 1,5 Millionen einen sogenannten Migrationshintergrund, also sind zugewandert oder sind Kinder von Zuwanderern. Und wir haben eine ganz klare Haltung: Wenn jemand nach Österreich kommen möchte, um hier zu arbeiten oder einen anderen Beitrag zu leisten, dann ist der herzlich willkommen. Aber was es nicht geben kann, ist Sozialtourismus und die Möglichkeit, sich in Europa das beste Sozialsystem auszusuchen."
    Ganz im Sinne der CSU, wie Kurz das formuliert. Doch sorgt nicht eine andere CSU-Forderung, die nach der Autobahn-Maut für Ausländer, gerade für Streit mit Österreich?
    "Also, mit jedem Nachbarn, mit dem man zusammenarbeitet, gibt es immer wieder auch Themen, wo es vielleicht nicht so gut läuft. Was die Maut betrifft, da hoffe ich doch, dass wir eine europakonforme Lösung finden, die Österreicherinnen und Österreicher nicht benachteiligt."