Offenbar kein Bezug zum BrockenAstronomische Zweifel an der Himmelsscheibe von Nebra

Archäologen streiten gerade erbittert um den Fundort und das Alter der Himmelsscheibe von Nebra, die vor über 20 Jahren von Raubgräbern entdeckt wurde. Zudem können die Fachleute nur mutmaßen, wozu diese Darstellung von Sonne, Mond und Sternen einst diente.

Von Dirk Lorenzen | 12.03.2021

20.09.2018, Berlin: Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine in der Ausstellung "Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland" im Martin-Gropius-Bau. Gezeigt werden die spektakulärsten Funde der vergangenen 20 Jahre aus ganz Deutschland. Mehr als 1000 Ausstellungsstücke aus allen Bundesländern von der Himmelsscheibe von Nebra bis zur antiken Hafenmauer des römischen Köln werden präsentiert. Foto: Anne Pollmann/dpa | Verwendung weltweit
Die Himmelsscheibe kann kaum zum Anpeilen des Sonnenuntergangs hinter dem Brocken zur Sommersonnenwende gedient haben (Picture Alliance / dpa / Anne Pollmann)
Nach einer verbreiteten Deutung kam die Himmelsscheibe auf dem Mittelberg bei Nebra als Beobachtungshilfe zum Einsatz. Eine besondere Rolle soll demnach der Brocken spielen, der höchste Berg des Harz. Hinter ihm – so heißt es – gehe die Sonne zur Sommersonnenwende unter. Schon damals hätten die Menschen mit Hilfe der Himmelsscheibe den Lauf der Sonne präzise verfolgt.
Dies ist gleich in doppelter Hinsicht falsch. Zum einen geht die Sonne zur Sommersonnenwende vom Mittelberg aus nicht genau hinter dem Brocken unter, sondern etwa zwei Grad weiter links.
Zum anderen ist der 85 Kilometer entfernte Brocken von dort praktisch nicht zu sehen. Ihn verdecken Hügel im Vordergrund. Das zeigt der Anblick vom Mittelberg, der sich mit Hilfe von dreidimensionalen Geländekarten simulieren lässt. Sie basieren auf den metergenauen Daten von Radarsatelliten.
Der Brocken ist vom Mittelberg aus kaum zu erkennen und die Sonne ging auch schon vor fast 4.000 Jahren deutlich links von ihm unter 
Der Brocken ist vom Mittelberg aus kaum zu erkennen und die Sonne ging auch schon vor fast 4.000 Jahren deutlich links von ihm unter (OpenStreetMap-Mitwirkende/ESA/Stellarium)
Auch wenn der heute dicht bewaldete Mittelberg vor Jahrtausenden baumfrei gewesen sein sollte, so war der Brocken damals sicher keine auffällige Horizontmarke. Selbst vom dreißig Meter hohen Turm, der dort heute steht, ist der Brocken nur vage auszumachen.
Dies besagt natürlich nichts über den Fundort oder das Alter der Himmelsscheibe von Nebra. Allerdings widerlegt es eine sehr schwärmerische Erzählung über ihre Nutzung.