Samstag, 26. November 2022

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Olympia 2026
Calgary sagt "Nein" zu Olympia

Die Olympischen Winterspiele 2026 bleiben das Sorgenkind des Internationalen Olympischen Komitees: Die Bürger der kanadischen Stadt Calgary stimmen gegen die Austragung. Damit sind nur noch zwei Städte im Rennen und die wackeln ebenfalls.

Von Georg Schwarte | 14.11.2018

    Die Fahne mit den Olympischen Ringen weht im McMahon-Stadion - aufgenommen während der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary, Kanada.
    Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Calgary 1988 - Ein zweites Olympia wird es in Calgary vorerst nicht geben (dpa / Wolfgang Eilmes )
    56,4 Prozent in Calgary sagten nein. Die Bürgerbefragung über die Bewerbung für die Winterspiele 2026 in der kanadischen Metropol der Provinz Alberta wurde zum olympischen Debakel. Über 300.000 Bürger nahmen teil, am Ende das klare Aus für Olympia. Zwar ist die Bürgerbefragung nicht bindend, der Stadtrat, der am kommenden Montag tagt, hatte allerdings zuvor erklärt, sich nicht über den Bürgerwillen hinwegzusetzen.
    Am Ende überwogen offenbar bei vielen die Zweifel, dass die olympischen Winterspiele nicht doch zu einem finanziellen Debakel werden könnten. Seit 1968 hatte es keine Olympischen Spiele mehr gegeben, die nicht deutlich über dem zuvor avisierten Budget gelegen hatten. Warnendes jüngstes Beispiel. Die Sommerspiele in Japan im Jahr 2020. Ursprüngliches Budget: 7,3 Milliarden Dollar. Derzeitiger Planungsstand knapp 30 Milliarden.
    Ein kleines Mädchen lernt Schlittschuhlaufen auf dem Olympic Plaza in Calgary von 1988. 
    Der Olympic Plaza in Calgary von 1988 - Wird 2026 keine Wiederbelebung erfahren (The Canadian Press)
    Die letzten beiden Bewerber wackeln ebenfalls
    Auch wenn die Befürworter der Spiele in Calgary, darunter der Bürgermeister, von an Anfang erklärten, man wolle kleine Spiele, niedrige Kosten, keine exaltierten Neubauten, verwiesen die Kritiker auf zahlreiche Pleiten und Pannen vergangener Spiele. In Kanada selbst gelten die Sommerspiele von Montreal 1976 als das abschreckendste Beispiel. Die Kosten explodierten damals derart, dass der Staat Quebec die Tabaksteuer erhöhen musste, um auch Jahre später noch halbwegs aus den roten Zahlen zu kommen.
    Dem IOC, das die Entscheidung in Calgary "enttäuschend" nannte, gehen die Bewerber aus. Schweden und Italien, die noch im Rennen sind, wackeln ebenfalls. Auch dort ist die ungewisse Finanzierung und die Angst der Bürger, Steuergeld zu verbrennen, groß. Im Juni 2019 wollte das IOC eigentlich in Lausanne über den Ausrichter der Winterspeile 2026 entscheiden. Möglicherweise gibt es dann aber niemanden mehr, der auf der Bewerberliste steht.