Olympische Spiele in TokioVersöhnende Tränen

Besonders stark bei diesen Olympischen Spielen sind bisher die Athleten aus dem Gastgeberland Japan. Allerdings stecken die auch in einer schwierigen Situation. Denn sie treten für ein Land an, das diese Spiele überwiegend nicht wollte. Wenn die Wettkämpfe dann aber vollbracht sind, rollen Tränen.

Von Felix Lill | 28.07.2021

Judoka Takato Naohisa weint nach einem Judo-Olympiasieg.
Judoka Takato Naohisa weint nach einem Judo-Olympiasieg. (dpa / picture alliance / Liu Siuwai)
Ein aufgelöster Naohisa Takato. Am vergangenen Samstag gewinnt der Judoka in der Gewichtsklasse bis 60 Kilo die Goldmedaille. "Wirklich, nur weil ich von allen so unterstützt wurde, war dieses Ergebnis möglich", sagt er danach. Und nach einmal Luftholen ans Publikum daheim:

"Das kommt aus meinem Inneren. Dass Sie mich bis hierher unterstützt haben: vielen Dank! Jetzt, als Goldmedaillist, will ich noch mehr an mir arbeiten. Vielen Dank!"
Japans Schwimmerin Yui Ohashi bricht nach ihrem Olympiasieg über 400m Lagen in Tränen aus.
Japans Schwimmerin Yui Ohashi bricht nach ihrem Olympiasieg über 400m Lagen in Tränen aus. (dpa / picture alliance / Yomiuri Shimbun)
Es waren emotionale Momente eines japanischen Triumphs, von denen es dieser Tage einige gibt. Nicht nur, weil Japan mittlerweile mehr als zehn Goldmedaillen gewonnen hat. Sondern auch, weil die erfolgreichen Athleten direkt nach ihren Wettkämpfen immer wieder zu weinen beginnen.

Ganz neu sind die Tränen von japanischen Sportlern nicht

Zum Beispiel auch Schwimmerin Yui Ohashi nach ihrem Sieg über 400 Meter Lagen. Ihre Erklärung für die Tränen: "Dass ich eine Goldmedaille holen könnte, hätte ich wirklich nicht gedacht. Auf dem Weg hierher ist so viel passiert. Und dass ich jetzt hier auftreten konnte, dafür bin ich so dankbar. Dass ich hier meine ganze Kraft reinlegen konnte. Und es haben mich so viele Personen dabei unterstützt. Ich bin wirklich so dankbar."
Ganz neu sind die Tränen von japanischen Sportlern nicht. Aber bei diesen Spielen bekommen sie eine neue Bedeutung. Denn die Mehrheit der Menschen, die nun trotz allem Olympia vorm Fernseher verfolgen, sind gegen diese Spiele inmitten einer Pandemie und einer sich gerade wieder verschärfenden Infektionslage.

Athleten werden zu Komplizen der unbeliebten Veranstalter

Insofern dürften viele der Athleten, die durch ihre olympischen Auftritte ja auch zu Komplizen der unbeliebten Veranstalter wurden, um Wiedergutmachung bemüht sein. Wobei viele Zuschauer in Japan, auch wenn sie gegen diese Spiele sind, doch Mitgefühl mit den Athleten haben. Die haben schließlich jahrelang für Olympia trainiert haben. Und die vielen Tränen wirken nun versöhnend.
Und wenn die Tränen weggewischt sind, richten die Vertreterinnen des Sports oft noch einen Dank ans Publikum, der diesmal ganz besonders nötig ist. Softballtrainerin Taeko Utsugi, deren Truppe am Dienstag Gold gewann, hat es so ausgedrückt:
"Ja, man hat es uns wirklich erlaubt, nur an uns zu denken. Und wäre das nicht möglich gewesen, hätten wir auch nicht gewinnen können. Ich bin einfach nur dankbar."