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StartseiteEine WeltTokio will 2020 alles besser machen20.08.2016

Olympische StabübergabeTokio will 2020 alles besser machen

Die frische gewählte Gouverneurin von Tokio Yuriko Koike verspricht: Die Olympischen Spiele 2020 sollen die besten Spiele aller Zeiten werden. Dabei reiht sich schon jetzt ein Skandal an den nächsten. Das fing schon mit der Vergabe und dem Olympia-Logo an.

Von Jürgen Hanefeld

Ein indigoblaues japanisches Karomuster aus unterschiedlich großen Rechtecken auf weißem Grund, die im Kreis angeordnet sind. (imago sportfotodienst)
Das neue Olympialogo für Tokio 2020 (imago sportfotodienst)
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Yuriko Koike hat sich viel vorgenommen. Die frische gewählte Gouverneurin von Tokio, die bei der Abschlussfeier in Rio de Janeiro die olympische Flagge in ihre Heimat tragen will, verspricht die saubersten Spiele der Geschichte. Das ist kein Seitenhieb auf Brasilien, wo verdreckte Strände, Überfälle auf Sportler und Touristen und Schiebung beim Ticketverkauf für Schlagzeilen sorgten. Sowas kommt in Japan gar nicht vor.

Was Yuriko Koike meint, ist Korruption. Bei ihrer Amtseinführung vor gerade mal zweieinhalb Wochen erklärte die 64-jährige Politikerin:

"Vor den Olympischen Spielen in Tokio müssen wir die Verwendung einer großen Summe von Steuergeldern transparent machen und sicherstellen, dass sich öffentliche Interessen nicht mit privaten mischen oder jemand wirtschaftliche Vorteile daraus zieht."

Planung unter keinem guten Stern

In Japan weiß jeder, worum es geht. Beide Vorgänger der Gouverneurin mussten vorzeitig zurücktreten, weil sie in Finanzskandale verstrickt waren. Die Bauindustrie gilt als Mafia, auch wenn sie hier Yakuza heißt.

Deswegen will Koike einen ganzen Stab von Rechnungsprüfern und Anti-Korruptionsspezialisten einsetzen und dem olympischen Motto einen Begriff hinzufügen: schneller, höher, stärker und - sauberer.

Tokios Olympia-Planung steht unter keinem guten Stern. Es begann mit einer faustdicken Lüge des Premierministers Shinzo Abe. Bei der Bewerbung Tokios vor drei Jahren in Buenos Aires behauptete der Regierungschef unter Bezug auf das explodierte Atomkraftwerk Fukushima:

"Ich versichere Ihnen, das Kraftwerk ist unter Kontrolle."

Was heute so falsch ist, wie es damals war und auch in vier Jahren falsch sein wird.

Seitdem reiht sich ein Skandal an den anderen. Französische Ermittler behaupten, bei der Vergabe der Spiele an Tokio sei Bestechung im Spiel gewesen. Das preisgekrönte Logo, mit dem die Stadt werben wollte, stellte sich als geklaut heraus, und zwar vom Stadttheater Lüttich. Ein neues Logo musste her. Der 80 Jahre alte Fischmarkt Tokios, auch für Touristen ein Magnet erster Ordnung, soll dem olympischen Pressezentrum weichen. Die Proteste dagegen werden täglich lauter.

Aber als peinlichste Panne erwies sich das Nationalstadion. Der kolossale Entwurf der inzwischen verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid sprengte alle Grenzen, baulich und finanziell. Als die Kalkulation fast zwei Milliarden Euro erreichte - allein für das Stadion - zog der Premierminister vor einem Jahr die Notbremse:

"Ich habe entschieden, den derzeitigen Plan für das neue Nationalstadion zu zerreißen und ganz von vorne zu beginnen. Die Kalkulation der Baukosten hat sich vervielfacht, die Kritik aus der Bevölkerung einschließlich der Athleten lässt mich daran zweifeln, dass jeder in diesem Land Grund zum Feiern hätte."

Nun soll das Stadion in heimischer Leichtbauweise konstruiert werden und wird, nach jetziger Schätzung, drei Monate vor der Eröffnungsfeier, also im Mai 2020 fertig.

Rio war ein Schnäppchen

Auch wenn es günstiger wird als der erste Entwurf, die Gesamtkosten der Sommerspiele von Tokio werden mit etwa 14 Milliarden Euro taxiert, also noch etwas mehr als die bisher teuersten Spiele in London 2012. Mit schätzungsweise vier Milliarden Euro war Rio dagegen ein Schnäppchen.

Dort haben die Japaner schon mal mit dem gelockt, was sie 2020 zum Einsatz bringen wollen: elektronische Gesichtserkennung von potenziellen Straftätern, Laser-Technologien beim Zieleinlauf, 3D-Bilder von Sportlern auf Großleinwänden, Roboter, die den Touristen den Weg zu den Venues weisen und fahrerlose Taxis. Letzteres vielleicht eine gute Idee: Tokios Chauffeure verstehen Japanisch - und sonst nichts.

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