Vier Gestalten mit Kapuzenpullover verschmelzen zu einem Knäuel, schlingen Arme und Beine umeinander, rappeln sich los und klammern sich einen Moment später wieder an den nächsten Fuß oder die nächste Hand. Vier, die nicht voneinander lassen können und unter Stöhnen immer wieder ein Ganzes werden: Hintereinander liegen die erschöpften Leiber, Füße an Schultern. Der Erste zieht die Knie an, schiebt den Oberkörper über den Bühnenboden und gibt den Druck weiter: eine Riesenraupe, ein unbeholfenes Ungeheuer. Dann richten sich die Vier wieder auf, zerren aneinander.
Was erst aussieht wie eine Sandkasten-Rangelei, erinnert bald and die Schiffbrüchigen auf Géricaults "Floß der Medusa" oder an Martin Luthers Beschreibung des menschlichen Körpers als "alter Madensack". Ein Bild, mit dem Gui Garrido etwas anfangen kann:
"Das Bild von Maden oder Würmern bietet sich an, oder man könnte auch von Maden-Sex oder einer Spaghetti-Orgie reden."
Eine Orgie ohne Begehren und mit sehr viel Bodenhaftung. Ächzend klettern die Performer übereinander, um einen Augenblick später bleischwer zu Boden zu gehen.
Tänzerische Anmut wie beim klassischen Ballett oder schwerelose Akrobatik ist Garridos Sache nicht:
"Ich finde es anmutiger zu sehen, wie jemand etwas mit aller Kraft versucht. Das perfekte Ergebnis wie in einem wunderschönen Ballett oder beim Cirque du soleil interessiert mich nicht."
Und das hat Gui Garrido noch nie interessiert: Seinen ersten Ballettunterricht nahm er mit 18. Daneben studierte Kunst und Bildhauerei.
"Ich bin von der bildendenden zur darstellenden Kunst gekommen. Auf dem Weg haben mich Künstler wie Bruce Nauman oder Rebekka Schneider begleitet. Aber irgendwann sagte ich mir: Ich will mehr über den menschlichen Körper rausfinden."
Eines der ersten Forschungsergebnisse präsentierte Gui Garrido vor drei Jahren zum "Tanz im August" in Berlin gemeinsam mit dem Freund und Kollegen Pieter Ampe dem staunenden Publikum: "Still Difficult", ein Duett zwischen Vorspiel und Schlägerei, zwischen Striptease und Ringkampf.
Demnächst beginnen er und Pieter mit den Proben für ein neues Stück über eine gemeinsame Marroko-Reise. Tanzfestivals in ganz Europa rissen sich um die beiden Brachial-Performer. Selbst eine Einladung zum schwul-lesbischen "Gender Bender "-Festival in Bologna hat Garrido seine Arbeit eingetragen. Beim Stichwort "queer art", schwule Kunst, schüttelt er allerdings lachend den Kopf:
"Ich halte mich für einen queeren Macho-Mann. Ich habe eine wunderschöne Freundin, die sich für Fußball und Autos interessiert und mit Computern arbeitet. Ich dagegen bin der Typ, der darauf achtet, dass die Bettwäsche die gleiche Farbe wie die Handtücher hat und der gerne kocht."
Dass Garrido leidenschaftlich gerne kocht, nimmt man dem Künstler sofort ab. Mit seiner Schwimmerbrust hätte er beim Vortanzen für eine klassische Ballettkompanie vermutlich keine Chance. Genauso wenig wie die vier Darsteller aus "Best beast" . Irgendwann schauen sie ratlos ins Publikum. Jemand sollte jetzt etwas sagen.
Wie ertappte Politiker stammeln die vier, dann kippt die Gruppe Richtung Kindergarten. Die vier Performer bezahlen ihre Gruppenharmonie mit grenzenloser Regression. Der starke Eindruck der ersten Bilder verflüchtigt sich gegen Ende des Abends in Kindergebrabbel. Schade, dass Garrido selbst diesmal nicht auf der Bühne tanzt. Seine körperliche Präsenz hätte sich eingeprägt, aber ohne ihn als Darsteller applaudiert das Publikum zum Schluss nur ratlos.
Was erst aussieht wie eine Sandkasten-Rangelei, erinnert bald and die Schiffbrüchigen auf Géricaults "Floß der Medusa" oder an Martin Luthers Beschreibung des menschlichen Körpers als "alter Madensack". Ein Bild, mit dem Gui Garrido etwas anfangen kann:
"Das Bild von Maden oder Würmern bietet sich an, oder man könnte auch von Maden-Sex oder einer Spaghetti-Orgie reden."
Eine Orgie ohne Begehren und mit sehr viel Bodenhaftung. Ächzend klettern die Performer übereinander, um einen Augenblick später bleischwer zu Boden zu gehen.
Tänzerische Anmut wie beim klassischen Ballett oder schwerelose Akrobatik ist Garridos Sache nicht:
"Ich finde es anmutiger zu sehen, wie jemand etwas mit aller Kraft versucht. Das perfekte Ergebnis wie in einem wunderschönen Ballett oder beim Cirque du soleil interessiert mich nicht."
Und das hat Gui Garrido noch nie interessiert: Seinen ersten Ballettunterricht nahm er mit 18. Daneben studierte Kunst und Bildhauerei.
"Ich bin von der bildendenden zur darstellenden Kunst gekommen. Auf dem Weg haben mich Künstler wie Bruce Nauman oder Rebekka Schneider begleitet. Aber irgendwann sagte ich mir: Ich will mehr über den menschlichen Körper rausfinden."
Eines der ersten Forschungsergebnisse präsentierte Gui Garrido vor drei Jahren zum "Tanz im August" in Berlin gemeinsam mit dem Freund und Kollegen Pieter Ampe dem staunenden Publikum: "Still Difficult", ein Duett zwischen Vorspiel und Schlägerei, zwischen Striptease und Ringkampf.
Demnächst beginnen er und Pieter mit den Proben für ein neues Stück über eine gemeinsame Marroko-Reise. Tanzfestivals in ganz Europa rissen sich um die beiden Brachial-Performer. Selbst eine Einladung zum schwul-lesbischen "Gender Bender "-Festival in Bologna hat Garrido seine Arbeit eingetragen. Beim Stichwort "queer art", schwule Kunst, schüttelt er allerdings lachend den Kopf:
"Ich halte mich für einen queeren Macho-Mann. Ich habe eine wunderschöne Freundin, die sich für Fußball und Autos interessiert und mit Computern arbeitet. Ich dagegen bin der Typ, der darauf achtet, dass die Bettwäsche die gleiche Farbe wie die Handtücher hat und der gerne kocht."
Dass Garrido leidenschaftlich gerne kocht, nimmt man dem Künstler sofort ab. Mit seiner Schwimmerbrust hätte er beim Vortanzen für eine klassische Ballettkompanie vermutlich keine Chance. Genauso wenig wie die vier Darsteller aus "Best beast" . Irgendwann schauen sie ratlos ins Publikum. Jemand sollte jetzt etwas sagen.
Wie ertappte Politiker stammeln die vier, dann kippt die Gruppe Richtung Kindergarten. Die vier Performer bezahlen ihre Gruppenharmonie mit grenzenloser Regression. Der starke Eindruck der ersten Bilder verflüchtigt sich gegen Ende des Abends in Kindergebrabbel. Schade, dass Garrido selbst diesmal nicht auf der Bühne tanzt. Seine körperliche Präsenz hätte sich eingeprägt, aber ohne ihn als Darsteller applaudiert das Publikum zum Schluss nur ratlos.