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OSIRIS-REx-MissionRüsten für einen möglichen Asteroiden-Einschlag

Über den Asteroiden Bennu wissen Forscher bislang nur wenig, doch am 17. August erreicht die Raumsonde OSIRIS-REx nach zwei Jahren den Himmelkörper. Astronomen hoffen auf überlebenswichtige Erkenntnisse für die Menschheit - denn Bennu könnte irgend wann einmal auf der Erde einschlagen.

Von Guido Meyer | 13.08.2018

Illustration des Asteoriden "Bennu" mit einer Nasa-Sonde.
Der Asteroid Bennu könnte im Jahr 2167 auf die Erde stürzen (imago stock&people)
So richtig viel wissen Astronomen über Bennu noch nicht. Sein Durchmesser dürfte bei ungefähr einem halben Kilometer liegen. Und seine Form ähnelt der eines Kreisels. Das war's. Vorerst.
"Es haben bereits einige Untersuchungen des Asteroiden aus der Ferne stattgefunden. Wir haben ihn sowohl mit Radar als auch mit optischen Teleskopen von der Erde aus beobachtet. Unsere Wissenschaftler haben einige Vermutungen, woraus das Objekt besteht und wie groß es genau ist. Wir glauben, Bennu ist der perfekte Asteroid, um eine Probenentnahme durchzuführen."
Worauf es bei der Annäherung ankommt
Alexander May ist leitender Ingenieur bei der Lockheed Martin Space Systems Company in Denver, die die Raumsonde OSIRIS-REx im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde NASA gebaut hat. Bevor die Sonde eine Probe des Asteroiden entnehmen kann, würden die Wissenschaftler gern ganz genau wissen, wie porös oder wie kompakt der Brocken ist, erklärt Patrick Michel vom Observatoire de la Cȏte d’Azur, der Co-Investigator der Mission.
"Jeden Tag nähert sich OSIRIS-REx dem Asteroiden weiter an. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, zunächst die geologische Zusammensetzung von Bennu genau zu untersuchen. Nur so wird es uns gelingen, die bestmöglichen Proben dieses faszinierenden Himmelskörpers zu bekommen. Mitte August wird die entscheidende Phase der Annäherung beginnen."
Sonde nähert sich bis auf nur sieben Kilometer
In dieser ersten Phase der vorsichtigen Annäherung soll OSIRIS-REx mehrmals auch über den Nord- und Südpol des Asteroiden fliegen. Dabei wird die Sonde ihm bereits bis auf nur sieben Kilometer nahe kommen. Als erstes wissenschaftliches Instrument soll dabei in den kommenden Tagen die PolyCam zeigen, was sie kann, und Bennu kartografieren.
Außerdem soll sie nach einem Mond des Asteroiden Ausschau halten. Dieses Teleskop von rund 20 Zentimetern Durchmesser kann noch Objekte von der Größe eines Kieselsteins erfassen. Bis die Kamera diese Auflösung erreicht, wird es jedoch noch ein Weilchen dauern.
"Wenn die Sonde nahe genug bei dem Asteroiden ist, gewinnt seine Schwerkraft die Oberhand über die Anziehungskraft der Sonne. Dann wird OSIRIS-REx in eine Umlaufbahn um Bennu einschwenken. Ab diesem Zeitpunkt werden unsere Instrumente eine Auflösung von wenigen Zehntel Zentimetern pro Pixel erreichen."
Möglicherweise überlebenswichtige Erkenntnisse erwartet
Das dürfte im Dezember passieren. Auch das Schwerefeld Bennus soll die Sonde messen. Daraus können die Forscher folgern, ob es sich um einen massiven Brocken aus Gestein handelt oder um ein eher poröses, lose zusammengesetztes Objekt mit viel Staub. Eine Erkenntnis, die für die Menschheit künftig einmal überlebenswichtig werden könnte, ergänzt Humberto Campins von der University of Central Florida, der ebenfalls Mitglied im OSIRIS-REx-Wissenschaftlerteam ist.
"Es gibt noch einen Grund, warum wir zu einem solchen erdnahen Asteroiden fliegen. Asteroiden wie Bennu fliegen teilweise sehr nahe an der Erde vorbei. Irgendwann könnte das auch mal schiefgehen. Wir müssen sie untersuchen, um zu wissen, woraus sie bestehen und ob wir sie im Ernstfall von ihrem Kurs ablenken könnten."
Ernstfall gar nicht mal so unrealistisch
Das mit dem "Ernstfall" ist für Bennu gar nicht mal so unrealistisch. Im nächsten Jahrhundert werde er sogar zwischen Erde und Mond hindurchfliegen, prophezeit Patrick Michel vom Pariser Observatorium.
"Bennus Bahn haben wir bis ins Jahr 2135 vorausberechnet. Dann wird er sich der Erde bis auf ungefähr 280.000 Kilometer annähern. Danach ist sein weiterer Kurs unsicher, da er davon abhängt, wie nahe er der Erde wirklich kommt und wie stark sie seine Bahn verändert.
Unseren Analysen zufolge könnte er beim nächsten Mal, im Jahr 2167, mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:2.700 auf der Erde einschlagen."
Bis dahin dürften die Raumfahrtingenieure dieser Welt aber mit Sicherheit über das Know-how verfügen, einen anfliegenden Asteroiden rechtzeitig aus seiner Bahn zu werfen. Hoffentlich.