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StartseiteKalenderblattDer Eiserne Kanzler01.04.2015

Otto von Bismarck Der Eiserne Kanzler

Sein Anliegen war es, in revolutionären Zeiten die Fundamente der alten Ordnung zu sichern. Otto von Bismarck war gleichermaßen ein Mann wilder Reden wie ein maßvoll agierender politischer Taktiker. Heute vor 200 Jahren wurde der Gründer und erste Kanzler des deutschen Kaiserreiches in Schönhausen an der Elbe geboren.

Von Winfried Dolderer

Zeitgenössisches Porträt des deutschen Staatsmanns Otto von Bismarck (1815-1898).  (picture alliance / Bibliographisches Institut & F.A)
Zeitgenössisches Porträt des deutschen Staatsmanns Otto von Bismarck (1815-1898). (picture alliance / Bibliographisches Institut & F.A)
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Das Jahr 1815 bescherte den Zeitgenossen manche Aufregung. In Wien tagte der Kongress, der Europa eine neue Ordnung geben sollte. Bei Waterloo verlor Napoleon seine letzte Schlacht. Von all dem war das Dörfchen Schönhausen an der Elbe im heutigen Sachsen-Anhalt denkbar weit entfernt. Am 1. April jenes Jahres wurde hier Otto von Bismarck geboren. Der Mann, der ein halbes Jahrhundert später das 1815 geschaffene Staatensystem aus den Angeln hob.

"Ich werde entweder der größte Lump oder der größte Mann Preußens."

So hat mit selbstbewusstem Vorwitz der 19-Jährige sich eingeschätzt. An Zeitgenossen, die ihn für den größten Lumpen hielten, hat es Bismarck nie gefehlt. Der liberale Historiker Theodor Mommsen verabscheute seine "dämonische, charakterzerstörende und vergiftende Gewalt". Vor dem "kühnen, gewalttätigen Junker" grauste sich nach dem Sieg über Frankreich 1871 der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm.

"Bismarck hat uns groß und mächtig gemacht, aber er raubte uns unsere Freunde, die Sympathien der Welt und unser gutes Gewissen."

Am Ende des 19. Jahrhunderts errichteten dankbare Deutsche Bismarcktürme und gewaltige Standbilder zu Ehren des Reichsgründers. Des Eisernen Kanzlers, der ihnen durch drei glorreiche Kriege die ersehnte nationale Einheit gebracht hatte.

Bismarcks Aufstieg verdankte sich unruhigen Zeiten

"Ich glaube nicht, dass Bismarck je eine nationalstaatliche Einigung als Ziel seines Handelns hatte. Ihm ging es immer nur darum, Preußen stark zu machen".

So der Historiker und Publizist Johannes Willms. Er hat Bismarck als den "Dämon der Deutschen" porträtiert.

"Ziel war das eigentlich nicht, die deutsche Einigung. Sie ist gekommen. Sie ist ihm in den Schoß gefallen, und es war ja auch eine Einigung nicht der Nation, sondern das Deutsche Reich war ja ein Zusammenschluss der Fürsten".

Bismarcks Aufstieg verdankte sich unruhigen Zeiten. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 hatte sich zwar die monarchische Ordnung noch einmal durchgesetzt. Doch sie blieb umstritten. Im preußischen Abgeordnetenhaus waren die Liberalen mit Übermacht vertreten. Wer sollte das Sagen haben - König oder Parlament? Bismarck verteidigte in Preußen die Königsherrschaft und strebte in Deutschland nach preußischer Hegemonie. Dafür regierte er als Ministerpräsident seit 1862 vier Jahre lang gegen Verfassung und Parlamentsmehrheit. Dafür sprengte er den 1815 gegründeten Deutschen Bund, in dem Preußen hinter der alten Kaisermacht Österreich immer nur die zweite Geige hatte spielen dürfen. Seine Maxime:

"Soll Revolution sein, so wollen wir sie lieber machen als erleiden."

Dass er das Bündnis mit der deutschen Nationalbewegung suchte, ging altpreußischen Konservativen gegen den Strich. Sie fanden seine Politik "gottlos" und "völlig entchristlicht". Nach dem Sieg über Österreich 1866 trieb Bismarck den König von Hannover, den Kurfürsten von Hessen und den Herzog von Nassau ins Exil. Bewunderung fand er dafür bei keinem Geringeren als Friedrich Engels:

"Wenn das nicht revolutionär ist, so weiß ich nicht, was das Wort bedeutet."

Kriege mit planvoller Berechnung herbeigeführt

Die Kriege gegen Dänemark 1864, Österreich 1866 und Frankreich 1870 hat Bismarck mit planvoller Berechnung herbeigeführt, weil er sie für notwendig hielt, um ein preußisch beherrschtes Kaiserreich zu schaffen. Als er am Ziel war, wurde er zum Hüter des europäischen Friedens. Den Konflikt, der sein politisches Lebenselixier war, suchte er nun wieder im Inneren. Im Kulturkampf gegen die katholische Kirche, später in der Unterdrückung der Sozialdemokratie. Die Angst des Bürgertums vor dem Sozialismus fand er andererseits nützlich, um die Gesetzgebung zur Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung durchzudrücken, mit der er Deutschland zum Pionierland des Sozialstaats machte. Ein Mann des Fortschritts trotz allem, meint Willms:

"Er brachte sozusagen das Bürgertum mittelbar an die Macht. Er schuf die nationale Einigung in diesem Sinne, die Voraussetzung war für die wirtschaftliche, für die kapitalistische, für die industrielle Entwicklung Deutschlands."

Den Anschluss an die politische Kultur des Westens hat er dafür um hundert Jahre verzögert, indem er in Deutschland die Entwicklung einer parlamentarischen Regierungsform erfolgreich ausbremste. Bismarck starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg. Regiert hatte er 28 Jahre lang, als preußischer Ministerpräsident, als Kanzler des Norddeutschen Bundes, schließlich ab 1871 des Deutschen Kaiserreiches.

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