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StartseiteForschung aktuellPack die Alge in den Tank22.11.2010

Pack die Alge in den Tank

"Eurotier-Messe" zeigt neue Konzepte mit Photoreaktoren

Energie.- Viele Menschen schwören bei der Behandlung von Infektionen auf Algen. Aber die Seepflanzen sind mehr als Medizin. Auf der Messe "Eurotier" wurde die Alge als zukunftsweisende Pflanze vorgestellt, mit der Energie- und Nahrungsprobleme gelöst werden könnten.

Von Michael Engel

Algen unter dem Mikroskop - eine noch weitgehend unerforschte Ressource. (IGP)
Algen unter dem Mikroskop - eine noch weitgehend unerforschte Ressource. (IGP)
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Meeresalgen sind der Anfang einer langen Nahrungskette. Die grünen Winzlinge stehen auf dem Speiseplan mikroskopisch kleiner Rädertierchen, die wiederum werden von Fischlarven gefressen, die Fische später vom Menschen. Warum also nicht direkt von den Algen profitieren. Dr. Peter Waldeck:

"Wir forschen da schon seit einigen Jahren an der künstlichen Kultivation von Mikroalgen und versuchen verschiedenste Anwendungen für die Mikroalgen aufzuklären und neue Wege zu entdecken und zu finden."

Seit 30 Jahren beschäftigt sich das Institut für Getreideverarbeitung in Nuthetal mit sogenannten "Photobioreaktoren": Anlagen, in denen die Mikroalgen im großen Maßstab gezüchtet werden können. Es lohnt sich: Meeresalgen wie "Botrococcus" zum Beispiel haben Fettgehalte von über 80 Prozent. Werden die energiereichen Moleküle in einem Crackprozess gespalten, lässt sich daraus "Algenkerosin" gewinnen. Auf der Internationalen Luftfahrtschau dieses Jahr in Berlin flog zum ersten Mal ein viersitziges Kleinflugzeug mit Treibstoff aus Meeresalgen. Systeme, die Algen kultivieren, können sehr unterschiedlich sein.

"Es fängt bei offenen Systemen an, sogenannten "raceway ponds", wo in einem Kanalsystem die Algensuspension durch Schaufelräder einfach nur umgewälzt wird, und halt eben diese Röhrenreaktoren zum Beispiel, im dem halt in einem geschlossenen System die Mikroalgen durch Glasröhren geleitet werden und über künstliche Lichtquellen oder Sonnenlicht zum Wachsen gebracht werden."

Neben Sonnenlicht brauchen die Algen noch Nährstoffe und CO2. Die Wachstumsraten in den "Photobioreaktoren" sind phänomenal: Auf den Hektar bezogen können 50 Tonnen Algenbiomasse geerntet werden. Beim Weizen sind es dagegen nur 0,8 Tonnen. Im Sommer dieses Jahres baute Dr. Waldeck ein 85.000 Liter fassenden "Glasröhrenphotoreaktor" im spanischen "El Puerto de Santa Maria". Die Anlage besteht aus armdicken Glasröhren, in denen Meerwasser mit Mikroalgen zirkuliert. Sie tanken dabei Sonnenlicht und wachsen unaufhörlich. Die Spanier nutzen die proteinhaltigen Algen als preiswertes Tierfutter.

"Wir arbeiten auch an neuen Technologien. Wir sind jetzt an einem Projekt, was drei Jahre läuft und am Ende der drei Jahre werden wir dann wirklich weitersehen, ob man Biomasseproduktivität noch steigern kann, um dann vielleicht auch die Frage der Bioenergie mit Algen beantworten zu können."

Der neuartige Photobioreaktor soll die sogenannte "Selbstbeschattungen" verhindern, die durch die dichte Algensuspension in den Glasröhren quasi automatisch entsteht. Gedacht wird an Reaktoren mit zwei Glasplatten, die den Algen nur noch einen winzigen Spalt als Lebensraum geben. Mehr Lichtausbeute – mehr Biomasse, so das Konzept: 2040, so die Hoffnungen der Algenforscher, könnte die Hälfte des weltweiten Flugverkehrs mit "Algenkerosin" abheben.

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