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StartseiteSprechstunde"Das Schlimmste ist eigentlich die Angst vor der Angst"04.04.2017

Panikattacken "Das Schlimmste ist eigentlich die Angst vor der Angst"

Magenschmerzen, Zittern, schneller Puls: Bestimmte Situationen lösen bei Angstpatienten oft heftige Reaktionen aus. Ein Beispiel an der Universität Bonn zeigt, wie Betroffene lernen, mit ihren Ängsten umzugehen.

Von Renate Rutta

Menschen in einem dunklen Tunnel (imago / CHROMORANGE)
Ängste treten bei vielen Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen auf. (imago / CHROMORANGE)
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"Guten Tag, Frau Aumüller, dann darf ich Sie begrüßen zu unserer heutigen Stunde."

Donnerstagvormittag, Universitätsklinik Bonn, Petra Aumüller, Anfang 40, kommt zu Diplom-Psychologin Corinna Klein in die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

"Wir möchten uns ja heute mit Ihrer Angstsymptomatik beschäftigen und da würde mich interessieren, wie ist denn so die aktuelle Angstsymptomatik? – Momentan ist es wieder schlimmer. Ich gehe seit circa sechs Wochen wieder arbeiten und das hat bewirkt, dass sich die Ängste in verschiedenen Situationen wieder verstärkt haben."

Symptome analysieren 

Welche Situationen sind das, in denen Ängste verstärkt auftreten, fragt die Verhaltenstherapeutin.

Aumüller: "Ich kann im Moment nur in bestimmten Geschäften einkaufen gehen, eigentlich nur in zwei, mir fällt es sehr schwer, mich von meinem Auto wegzubewegen."

Klein: "Mich würde interessieren, welche Symptome kommen bei Ihnen, wenn Sie Ängste haben, also welche körperlichen Symptome, welche Gefühle und auch welche Gedanken haben Sie da?"

Aumüller: "Das schlimmste ist eigentlich die Angst vor der Angst. Ich mache mir viele Gedanken, bevor ich weiß, ich gehe in eine Situation, wo ich Angst haben könnte. Und dann merke ich schon, dass mein Puls schneller geht, dass ich teilweise das Gefühl habe, mein Hals schwillt zu, ich habe Magenschmerzen und wenn ich in der Situation bin, fange ich schneller an zu atmen, fange an zu zittern und wenn das dann kommt, gehe ich schon laufen, weil ich dann Angst habe in der Situation und die nicht aushalten kann."

Klein:"Suchen Sie einen Ort auf, an dem es besser ist mit der Angst?"

Aumüller: "Ich verlasse z.B. das Geschäft und gehe wieder zu meinem Auto zurück, trinke dann etwas und wenn ich Glück habe, kann ich wieder rein gehen. Wenn ich Pech habe, fahre ich nach Hause."

Diplom-Psychologin Corinna Klein fragt, wie stark die Ängste sind auf einer Skala zwischen 0 und 10, 10 wäre die maximale Angst. Petra Aumüller antwortet: zwischen 8 und 10.

Aumüller: "Das schlimmste ist, was mir früher passiert ist, dass ich ganz oft hyperventiliert habe und dann die Leute nicht wussten, was los war. Ich lag dann auf dem Boden in Pfötchenstellung und konnte nicht mehr richtig atmen und dann wurde der Krankenwagen gerufen und dann bin ich mitgenommen worden. Es hat viel mit Scham zu tun, dass ich eben Angst habe, dass das jemand mitbekommt. Ich versuche das ja vor den meisten Menschen geheim zu halten."

Angstsituationen begegnen

Klein: "Wir haben hier in der Klinik die Möglichkeit, solche Situationen gemeinsam aufzusuchen, eine sogenannte Expositionsübung zu machen. Das ist eine Übung, in der man lernt, eine Angstreduktion zu erleben und da würde ich vorschlagen, wäre Busfahren eine mögliche Option für Sie. Das Ziel dieser Expositionsübung ist, dass wir die Werte der Angst reduzieren."

Aumüller: "Ok, schwer vorstellbar, dass ich mich traue, in diese Situation hineinzugehen aber ja, ich werde es machen."

Klein: "So, Frau Aumüller, wir sind jetzt in den Bus eingestiegen, wie sind Ihre Angstsymptome?"

Aumüller: "Recht hoch, auf der Skala zwischen 9 und 10. Ich bekomme schlecht Luft, meine Hände zittern, am liebsten würde ich weglaufen."

Klein: "Mir wäre wichtig, dass Sie mit der Aufmerksamkeit bei Ihren Symptomen bleiben und die in nächster Zeit beobachten. So wir sind jetzt ausgestiegen aus dem Bus: Sie haben das ganz toll gemacht, wie geht es Ihnen danach?"

Aumüller: "Also im Bus war es schlimm. Ich hatte teilweise auch Fluchtgefühle aber ich habe gemerkt, je länger ich in der Situation war, tatsächlich ist es besser geworden, jetzt zwischen 5 und 6."

Klein: "Sehr schönes Ergebnis"

Aumüller: "Ja ich freue mich auch, dass ich das geschafft habe."

Klein: "Dann würde ich mich heute von Ihnen verabschieden und wir können das gerne in der nächsten Stunde nochmal ausführlich besprechen und weitere Übungen planen"

Aumüller: "Ok, jetzt ist mein Mut etwas größer, vielen Dank."

 

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