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Paralympics
Russland wirbt für seine gesperrten Sportler

In drei Wochen starten die Paralympischen Spiele in Rio. Das Internationale Paralympische Komitee hat die russischen Paralympioniken wegen der Verwicklungen in das systematische Staatsdoping in Russland gesperrt. Die Sportler haben gegen ihren Komplett-Ausschluss geklagt und suchen jetzt offensiv nach Unterstützern.

Von Robert Kempe | 19.08.2016

Vladimir Lukin, Präsident des Russischen Paralympischen Komitees, bei einer PK zur Entscheidung des IPC, Russland von den Spielen in Rio auszuschließen.
Vladimir Lukin, Präsident des Russischen Paralympischen Komitees hat 32 Nationale Paralympische Komitees angeschrieben. (picture alliance / dpa Sputnik)
Kurz vor der Verhandlung über den Ausschluss von den Paralympics vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS versucht das Nationale Paralympische Komitee Russlands, RPC, noch einmal Fürsprecher für sich zu gewinnen. 32 Nationale Paralympische Komitees erhielten vor wenigen Tagen ein Schreiben des russischen Verbandes, das dem Deutschlandfunk vorliegt.
Darin weist man noch einmal darauf hin, dass die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees, russische Athleten nicht an den Spielen im September teilnehmen zu lassen, eine Tragödie sei. Den Athleten würde eine Möglichkeit verwehrt zu beweisen, dass sie dopingfrei seien und ihre Ehre zu wahren. Die Rechte der Athleten, so schreibt RPC-Präsident Vladimir Lukin, würden verletzt.
RPC-Präsident Lukin ist ein Vertrauensmann Putins
Lukin, ein Vertrauensmann Vladimir Putins, der sich zuletzt auch persönlich an den IOC-Präsidenten Thomas Bach wandte, hebt in dem Schreiben hervor, dass derzeit bei den Olympischen Spielen saubere russische Sportler teilnehmen würden und dies absolut berechtigt sei. Dem entgegen würden paralympische Athleten ausgeschlossen, ohne angehört zu werden. Diese würden aber derzeit strikten Dopingkontrollen unter Führung der britischen Anti-Doping-Agentur unterzogen werden, die Tests in Laboren im Ausland analysiert werden.
Auf den Report des Kanadiers Richard McLaren, der russisches Staatsdoping bestens dokumentierte, geht Lukin nicht ein. Auch nicht auf die über 35 russischen Sportler, die in Verbindung mit verschwundenen positiven Dopingproben stehen sollen oder zu den belegten Behinderungen der Kontrolleure in Russland, Dopingtests durchzuführen.
Der Deutsche Behindertensportverband kam der Bitte nicht nach
Vladimir Lukin bittet dennoch die Empfänger des Briefs, die Entwicklungen noch einmal zu überdenken und ihre Meinung schriftlich zu äußern. Dies würde einen großartigen Effekt haben, die Situation im Sinne der sauberen Athleten zu lösen, heißt es in dem Schreiben.
Mit Verweis auf den 21. August, an dem Tag wird über den Ausschluss des russischen Verbandes vor dem CAS beraten. Am darauffolgenden Tag will der CAS seine Entscheidung bekannt geben. Der Deutsche Behindertensportverband bestätigte auf Deutschlandfunk-Anfrage den Erhalt des Schreibens, der russischen Bitte sei man nicht nachgekommen.