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StartseiteKalenderblattPaul war's nicht10.04.2005

Paul war's nicht

Vor 35 Jahren trennten sich die Beatles

Am 11. April 1970 gab Paul McCartney seinen Ausstieg bei den Beatles bekannt. Doch eigentlich war dies nicht der Auslöser für das Ende der wohl einflussreichsten Popband. Auch nicht Yoko Ono, sondern John Lennons abgeschnittenen Haare signalisierten: die schönen Zeiten sind vorbei.

Von Laf Überland

Die Beatles in der amerikanischen Ed-Sullivan-Show, 1964 (AP)
Die Beatles in der amerikanischen Ed-Sullivan-Show, 1964 (AP)

Die Beatles liebten das Rock’n’Roll-Leben: Als sie anfingen, schickte die Arbeitslosenmetropole Liverpool sie erst mal mit zig andern Bands zusammen - nach Hamburg, weil es dort Arbeit gab und Geld für Bands. Und die Beatles spielten mehrere Konzerte am Abend, laut und heftig, und hängten sich Klobrillen um den Hals, damit die Stimmung hoch kochte, denn sie liebten wirklich das Live-spielen: Um durchzuhalten schluckten sie zwar Speed-Pills, Preludin, aber - so fingen sie an, die damals erfolgreichsten Rockstars aller Zeiten: echte Superstars - ...aus der Arbeiterklasse von Liverpool.

Sie wurden sogar mit dem Orden des British Empire ausgezeichnet - aber nicht für ihre tollen Songs, sondern für ihre Verdienste um die britische Exportwirtschaft. Denn sie waren ja sogar über Amerika hereingebrochen und hatten die Unterhaltungsmusik im Mutterland des Pop in den Wurzeln erschüttert, indem sie einfach die ersten fünf Plätze der US-Charts besetzten.

Eigentlich waren die Beatles sogar die ersten Mega-Stars - etwas völlig Neues -, aber ihr Niedergang fing bereits an, als sie nicht mehr live spielen konnten: Es ging nicht mehr! War zu gefährlich! Und zwar bereits Mitte der Sechziger!

In Australien belagerten einmal 250.000 Fans ihr Hotel: Das war die größte Menschenansammlung in der Geschichte Australiens, und bei den Konzerten dann rasteten Tausende dreizehn- bis fünfzehnjähriger Mädchen aus, schlugen sich blaue Flecken, wurden hysterisch, machten die Sitze nass, und meist blieben ein paar Hundert mehr oder weniger hilflos in der Obhut der Sanitäter zurück.

Auf den Philippinen wurden sie dagegen von einem wahrscheinlich dorthin befohlenen Mob beinahe gelyncht, und aus Amerika hörte man von christlichen Sekten, die Anti-Beatles-Demonstrationen veranstalteten - mit anschließender Verbrennung von Beatlesplatten und Beatlespuppen...

Also wandten die vier Super-Pop-Stars sich der Kunst zu - und dem ver-tonen von Drogenerfahrungen und Philosophie, zuerst... - Und als sie dann nach Indien gingen, um statt LSD-Filmen-im-Kopf jetzt das Nirvana zu suchen beim berühmten Yogi Maharishi, da sauste zwar der halbe progres-sive Rockhimmel mit gekreuzten Beinen auf dem fliegenden Teppich des Ruhms hinterher - was die Studenten klasse fanden, aber nicht mehr die Popfans: Vor allem nämlich waren die Beatles - ernst geworden! Paul McCartney sagte Sachen wie: "Gott ist alles. Menschen, die hungrig sind, die krank sind oder sterben, sollten versuchen, Liebe zu zeigen."

Und dann fingen die Querelen an: John Lennon ging mit Yoko Ono, die diese Nachbarschaftsclique massiv störte - mit Aktfotos und Gequietsche auf Soloplatten! Paul nannte John einen Heiligen, George Harrison brachte nur noch indisches Zeug raus, und Ringo Starr spielte Billard. Aber vor allem: John und Paul, schrieben die Songs nicht mehr zusammen!

Als dann der Zusammenbruch in Sicht kam, gab jeder jedem die Schuld. McCartney beschloß deshalb, seine räucherstäbchenbekrümelte Sgt.-Pepper-Jacke wieder sympathisch weiß zu waschen - vorausschauend für eine Solo-Zukunft -, indem er Chaos und Gerüchte mit einem Paukenschlag beendete auf eben jener Pressekonferenz am 10. April 1970, auf der er erklärte, dass er bei den Beatles aussteigen würde. Aber selbst das klappte nicht richtig. Stattdessen löste er nur ein desillusionierendes Hickhack von Gerichtsverfahren, Beschuldigungen und endloser Stutenbissigkeit aus...

Doch für die Auflösung der Beatles war Päule eigentlich nicht verantwortlich - und auch nicht wirklich Lennons Freundin Yoko, der asiatische Drache, sondern: der unmenschliche Ruhm - und die Hilflosigkeit als millionenfach geforderte Identifikationsfiguren aus - der Arbeiterklasse von Liverpool...

Aufgelöst - hat die Beatles nicht Paul McCartney mit jener Pressekonfe-renz, das ist nur ein Datum. Aufgelöst hat die Beatles eigentlich...John Lennon: als er sich die Haare abschnitt, ratzeputz radikal alles weg, bis er gar nicht mehr schön aussah. Und da wussten alle: Die schönen Zeiten - sind vorbei!

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