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PegidaInnehalten nach Demos in Leipzig

Am Tag nach den Demonstrationen in Leipzig sortieren sich alle Beteiligten. Politiker und Polizei ziehen eine Bilanz des Tages, die Pegida-Macher aus Dresden setzen sich von denen aus Leipzig ab, und Sachsens Ministerpräsident Tillich will weiter mit Pegida-Anhängern reden. In der Auseinandersetzung ist das nur eine Verschnaufpause.

Von Almuth Knigge | 22.01.2015

Luftaufnahme der Gegendemo. Demonstranten stehen hinter einer Absperrung, davor ein Dutzend Einsatzfahrzeuge der Polizei.
Polizeiwagen bei einer Protestveranstaltung gegen die islamkritische Legida in Leipzig. (dpa / Peter Endig)
"Mich beängstigt doch wie gestern hier Legida aufgetreten ist, und ich glaube, wir haben deutlich einen Unterschied zu Pegida festgestellt."
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung von der SPD war noch hörbar beeindruckt.
"Das waren doch sehr sehr aggressive und dem NPD-nahen nationalen Lager zugeordnete Menschen. Mit klaren Forderungen: Man will einen anderen Staat. Und ich glaube, das bestärkt uns auch darin zu kämpfen für weltoffenes tolerantes Deutschland."
Am Tag nach der großen Demonstration, die nach dem Willen der Legida-Anhänger zum Fanal werden sollte – zum Fanal gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes. Doch es kamen viel weniger als die angekündigten 100.000 Teilnehmer.
Fast untergegangen dabei die Meldung, dass der gewaltsame Tod eines Asylbewerbers in Dresden, der vor zehn Tagen erstochen wurde, offenbar geklärt ist. Gegen einen Mitbewohner und Landsmann des 20-Jährigen aus Eritrea sei Haftbefehl wegen Totschlags erlassen worden, erklärte ein Behördensprecher.
Legida-Anhänger greifen Journalisten an
Die Bilanz der Demo am Tag danach liest sich so. Rund 15.000 Demonstranten standen knapp 20.000 Teilnehmer der Gegendemonstrationen gegenüber. Dafür war die Aggressivität so hoch wie von den 4.000 eingesetzten Polizisten befürchtet: Eine Gruppe von Legida-Anhängern attackierte Journalisten, ein Fotograf wurde getreten und geschubst, seine Kamera schwer beschädigt. Auch Polizisten wurden durch Böller, Flaschen und Laserpointer verletzt. Bahnanlagen wurden lahmgelegt.
Zwischenfälle wie in Leipzig hat die Pegida-Bewegung in Dresden stets zu vermeiden gesucht. Doch die hat inzwischen andere Probleme. Erstens will sie nicht mit Legida in einen Topf geworfen werden und droht mit einer Unterlassungsklage, weil der Leipziger Ableger den Forderungskatalog des Anti-Islam-Vereins nicht übernommen hat, und zweitens ist der Kopf abhanden gekommen.
"Als Nazis beschimpft"
Gegen den inzwischen zurückgetretenen Vereinschef Lutz Bachmann wird wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ermittelt. Er hat auf seiner Facebook-Seite Ausländer unter anderem als Viehzeug beschimpft - unüberlegte Äußerungen, sagt er heute, die er so heute nicht mehr tätigen würde. Die AfD, die natürliche Verbündete sozusagen, ist trotzdem froh, dass sich Bachmann zurückgezogen hat. Fürs Erste. Die Aufregung bleibt.
Bürger: "Ich muss sagen, dass wir mit dieser Politik, mit dieser Regierung nicht mehr zufrieden sind, und da werden wir getreten und als Nazis beschimpft."
Und trotzdem hat sich etwas geändert - leise und beinahe unbemerkt hat in Dresden der vielfach geforderte Dialog inzwischen begonnen. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat sich mit Politikerkollegen und 350 interessierten Bürgern an - mehrere - Tische gesetzt und geredet. Kleinster gemeinsamer Nenner ist, "...dass das Verhältnis der Menschen zueinander wichtig ist, dass sie Spaltung der Gesellschaft sich nicht vertiefen darf die im Zuge der PEGIDA Demonstrationen sichtbar geworden ist".
Auch wenn vorerst noch weiter demonstriert wird. In Leipzig – und in Dresden.