Donnerstag, 26. Mai 2022

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Phänomen Medienabhängigkeit
Ist WhatsApp das digitale Rauchen?

Nicht nur Alkohol, Nikotin oder Heroin können abhängig machen, auch digitale Medien haben Suchtpotenzial. "Es finden Umbauprozesse im Gehirn statt", erklärte Diplompsychologe Stephan Pitten im Dlf. Deshalb sei es wichtig, das Problem ernst zu nehmen - ohne die neuen Medien generell zu verteufeln.

Stephan Pitten im Corsogespräch mit Juliane Reil | 14.06.2018

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"Border" - ein Objekt aus der Ausstellung "Bildersucht & Cyberflucht" (Hansjörg Thurn)
Leute sitzen, stehen und laufen, während sie tief über ihre Smartphones gebeugt sind: Fast wirkt das ein bisschen wie das Verhalten ferngesteuerter Zombies. An öffentlichen Orten ist das kein seltener Anblick. Facebook, Instagram und Co. sorgen dafür, dass unsere Kommunikation mehr und mehr im Netz stattfindet. Und das kann auch zur Suchtfalle werden.
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Matti S. beim Interview für die Ausstellung "Bildersucht & Cyberflucht" zu Medienabhängigkeit (Hansjörg Thurn)
Stephan Pitten ist Diplompsychologe. Er ist Mitorganisator der Ausstellung "Bildersucht & Cyberflucht", die sich mit dem Problem der sogenannten Medienabhängigkeit auseinandersetzt. Im Dlf erklärte er, dass neue Medien ähnlich wie Alkohol, Nikotin und andere Drogen eine Auswirkung auf das Belohnungssytem im Gehirn des Menschen haben.
Wir haben noch länger mit Stephan Pitten gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs
Immer mehr Menschen nutzen neue Medien fast zwanghaft, wie Pitten sagte. Bei ihnen fänden soziale Kontakte hauptsächlich über Games oder das Smartphone statt. "Selbst sexuelle Kontakte haben sie virtuell." Dabei spiele soziale Anerkennung als Motivation eine wesentliche Rolle. Auch der Leistungsdruck der Gesellschaft sei eine der Ursachen für Medienabhängigkeit. Die Gründe für suchtähnliches Verhalten in diesem Bereich seien aber vielfältig und komplex. Die mobile Ausstellung "Bildersucht & Cyberflucht" des Fachverbands Medienabhängigkeit wolle Mediensucht deswegen nachvollziehbar machen.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassung wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interview und Diskussionen nicht zu eigen.