Donnerstag, 15.11.2018
 
Seit 18:10 Uhr Informationen am Abend
StartseiteNachrichten vertieftDuterte vergleicht Anti-Drogen-Kampf mit Holocaust30.09.2016

PhilippinenDuterte vergleicht Anti-Drogen-Kampf mit Holocaust

Es vergeht keine Woche mehr, ohne dass der philippinische Präsident Rodrigo Duterte eine Beleidigung von sich gäbe. Er droht mit dem UNO-Austritt, beschimpft Barack Obama und die EU - und hat jetzt auch noch einen Hitler-Vergleich bemüht.

Der philippinische Präsident Duterte hält eine Rede in seiner Heimatstadt Davao. (AFP / Manman Dejeto)
Der philippinische Präsident Duterte hat einen Vergleich zwischen Holocaust und Kampf gegen die Drogen gezogen. (AFP / Manman Dejeto)
Mehr zum Thema auf deutschlandfunk.de:

Philippinen Staatschef Duterte zeigt der EU den Mittelfinger

Johannes Icking, Philippinenbüro Köln "Stimmung wie bei einer Hexenjagd"

Philippinischer Präsident Duterte startet seinen "Kreuzzug"

Philippinen Provokativer Hardliner wird neuer Präsident

Anlass für seine Äußerungen war eine Rede in seiner Heimatstadt Davao. Dabei sagte er nicht nur offen, dass Kritiker ihn mittlerweile als "Hitlers Cousin" bezeichneten. Er sprach auch wieder über seinen Anti-Drogen-Kampf - eines seiner wichtigsten politischen Themen.

Ohne Umschweife erklärte er: "Hitler hat drei Millionen Juden massakriert. Hier gibt es drei Millionen Drogenabhängige. Ich würde sie gerne umbringen." Damit, so der Präsident, wäre das Drogenproblem dann gelöst. Abgesehen vom indiskutablen Inhalt der Äußerung scheint Duterte nicht zu wissen, dass die Nationalsozialisten im Holocaust rund sechs Millionen Juden ermordet haben.

Vorwürfe von Menschenrechtlern

Der philippinische Präsident verfolgt seit seinem Amtsantritt im Juli einen besonders unerbittlichen Kurs gegen die Drogen, gegen Dealer und Abhängige. Schon Anfang August drohte er damit, alle Drogenhändler zu töten, die er obendrein als "Hurensöhne" beschimpfte - übrigens ein Ausdruck, den er später auch für US-Präsident Obama verwendete.

Menschenrechtler werfen Duterte vor, mit Todesschwadronen systematisch gegen mutmaßliche Drogenhändler vorzugehen. Mehrere tausend Menschen sollen bereits getötet worden sein. Als auch ein Vertreter der Vereinten Nationen sich dazu äußerte und Mäßigung anmahnte, drohte Duterte damit, aus der UNO auszutreten und verbat sich jede Einmischung in innere Angelegenheiten.

Auf eine besorgte Resolution des Europäischen Parlamentes zu den Todesfällen und der Anti-Drogen-Politik entgegnete Duterte erst vor gut einer Woche: "Fuck you". Am Freitag wiederholte er, derlei Kritik komme "von einem Haufen Idioten". Europa lasse die Flüchtlinge verrotten und sorge sich stattdessen um 1.000, 2.000, 3.000 Menschen auf den Philippinen.

(jcs/jasi)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk