
Noch nie waren die Leistungen so schlecht wie heute. Selbst beim PISA-Schockergebnis vor 25 Jahren schnitten die deutschen Schülerinnen und Schüler in Mathematik und bei der Lesekompetenz besser ab. Das ist bitter.
PISA-Tiefstand: Zehn Jahre Abwärtstrend im Bildungsbereich
Zwar begann nach dem damaligen Schock eine Aufholjagd mit anderen OECD-Ländern, die Hoffnung machte. Doch seit zehn Jahren geht dem deutschen Bildungssystem die Puste aus, die Schüler bleiben zurück, ihre Leistungen am Ende der Pflichtschulzeit rauschen ab.
Die aktuelle PISA-Studie vermeldet einen neuen Tiefstand. Ein Fünftel der 15-Jährigen kann alltagsnahe Problemstellungen nicht lösen oder die Hauptaussage eines Textes nicht richtig verstehen. Ein Drittel kämpft mit Schwierigkeiten.
Dass auch in anderen OECD-Staaten das Durchschnittsniveau in Mathematik, den Naturwissenschaften und beim Lesen gesunken ist, lässt aufhorchen, darf aber kein Trost sein.
Denn es gibt Länder wie Kanada, Japan, Estland oder Singapur, deren Schülerschaft über Jahre hinweg leistungsstark geblieben ist. Oder deren Bildungssystem eine positive Trendwende geschafft hat, wie Großbritannien.
Lernen von Estland und Kanada: Fachwissen statt reiner Kompetenzen
Ein Blick in diese Länder lohnt. Erfolgreiche Bildungssysteme investieren in Lehrkräfte. Da hat Deutschland enormen Aufholbedarf. Auch konzentrieren sich erfolgreiche Länder auf ausgewählte Lerngebiete. Die werden vertieft. Fachwissen wird gelehrt. Es geht nicht mehr in erster Linie um die Vermittlung sogenannter Kompetenzen wie bei uns, also um Wissen, wo Wissen zu finden ist.
KI und Digitalisierung an Schulen: Warum Technik das Gehirn nicht ersetzt
In diesem Zusammenhang steht eine weitere interessante Erkenntnis aus der aktuellen PISA-Studie. Wer KI für die Hausaufgaben verwendet, erzielt schlechtere Leistungen. Ebenso diejenigen, an deren Schule digitale Tools und Geräte häufig und unreglementiert genutzt werden dürfen.
Das verwundert nicht. Wissen lässt sich ohne Konzentration und eigene Gedächtnisleistung eben schlecht erwerben. Wer technischen Fortschritt über alles stellt, verkennt die langfristigen Auswirkungen auf den Menschen und sein Gehirn.
Chancengleichheit: Fördern und Fordern als Weg aus der Krise
Dann ist da noch eines, was sich von erfolgreichen Bildungssystemen lernen lässt. Es lohnt sich, Eltern einzubeziehen und gezielt Schülerinnen und Schüler mit dem größten Bedarf zu fördern – und das nicht erst, wenn die Leistungen schlecht sind, sondern schon früh.
Hier hat sich Deutschland auch bereits auf den Weg gemacht, mit dem Startchancenprogramm für Schulen in herausfordernden Lagen, mit dem Ganztagsanspruch, mit Sprachstandserhebungen vor der Einschulung. Nicht überall und flächendeckend, aber es geht in die richtige Richtung.
Gerade in Deutschland ist das enorm wichtig, denn nirgends ist der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status von Eltern und den Leistungen ihrer Kinder größer; nirgends geringer als in Kanada. Zusätzliche Ressourcen wie dort wären dafür notwendig.
Ebenso ein „Fördern und Fordern“. Letzteres gehört zu den unbequemen Wahrheiten. Denn der Leistungsgedanke ist im deutschen Bildungssystem nicht allen genehm. Dabei ginge es keineswegs um schulischen Drill, sondern um das Erfahren und Nutzen der eigenen kognitiven Möglichkeiten und damit eine gelingende Bildungsbiografie.
















