Werbekampagne
Plakate des rechtspopulistischen Portals "Nius" in U-Bahnen und am Hauptbahnhof in Berlin sorgen für Kritik

Eine Werbekampagne des rechtspopulistischen Online-Portals "Nius" sorgt derzeit für Aufsehen. Seit einigen Tagen hängen Werbeplakate von "Nius" in Waggons der Berliner U-Bahn. Sie suggerieren, dass andere Medien der Bevölkerung Informationen vorenthalten. Eine Online-Petition gegen die Kampagne hat mehr als 100.000 Unterschriften bekommen.

    Julian Reichelt, im Vordergrund eine runde rote Fläche.
    "Nius"-Chef Julian Reichelt auf einem Foto von 2020. Damals war er noch Chefredakteur bei "Bild". (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
    Der Slogan von "Nius" lautet: "Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird". Kritik daran kommt unter anderem von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di. In einem offenen Brief an die Berliner Verkehrsbetriebe schreiben die Vorsitzenden, "Nius" entziehe sich dem Pressekodex, vermarkte Spaltung und betreibe gezielte Hetze gegen Minderheiten. Dagegen stehe die BVG für Offenheit und Vielfalt. Die Werbung für die Plattform in den Fahrzeugen sei deswegen "kein guter Look". Eine "Initiative gegen Rechts" hat die Online-Petition dagegen gestartet.
    Von der BVG hieß es, die Werbeflächen würden durch vertraglich gebundene Partner vermarktet. Die Berliner Verkehrsbetriebe stellten die Flächen zwar zur Verfügung, seien aber nicht Absender der dort beworbenen Inhalte. Werbung sei nicht gleichzusetzen mit der Haltung der BVG.

    Auch am Berliner Hauptbahnhof wirbt "Nius"

    Auch am Berliner Hauptbahnhof wird derzeit Werbung der Plattform ausgespielt, wie eine Bahnsprecherin dem Deutschlandfunk bestätigte. Sie erklärte, die Deutsche Bahn habe die Vermarktungsrechte der Werbeflächen an die Ströer DERG Media GmbH vergeben. Für den Inhalt seien die jeweiligen Werbetreibenden verantwortlich. Da Offenheit, Toleranz und Respekt Grundwerte der Deutschen Bahn seien, habe man verschiedene Motive dieser Kampagne abgelehnt. Daraufhin habe "Nius" Anwälte eingeschaltet; nach juristischer Prüfung sei die Bahn verpflichtet gewesen, zumindest einen Teil der Motive zu schalten.
    Die Ströer-Gruppe teilte auf Anfrage des Deutschlandfunks mit, als Vermarkter von Plakatflächen sei man nicht für die Inhalte und die Gestaltung der Werbung verantwortlich. Diese genieße den grundrechtlichen Schutz der Meinungsfreiheit. Weiter hieß es von Ströer, man könne keine Werbung ablehnen, die nicht gegen Gesetze oder freiwillige Selbstbeschränkungen verstößt - auch wenn der Inhalt im Gegensatz zu den eigenen politischen Ansichten des Unternehmens stehe.

    Berichte: "Nius" in der Schieflage

    Das Online-Portal "Nius" wurde 2022 gegründet. Chefredakteur ist Julian Reichelt, der bis 2021 Chefredakteur der "Bild" war. "Nius" hat wiederholt unter anderem wegen Desinformation, Falschdarstellungen und menschenfeindlicher Inhalten in der Kritik gestanden. Finanziert wird das Portal vor allem durch den Unternehmer Frank Gotthardt. Zuletzt hatte der Branchendienst ”Meedia” berichtet, die Klickzahlen des Portals hätten im April einen neuen Tiefpunkt erreicht. Mit etwa 3,5 Millionen Visits seien die Zahlen um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Die Firma hinter Nius - die Vius SE und Co. KGaA - schreibt Berichten zufolge weiter rote Zahlen.
    Diese Nachricht wurde am 28.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.