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StartseiteCorsoEin Debüt alter Bekannter02.05.2014

Plaza FranciaEin Debüt alter Bekannter

"A New Tango Song Book" heißt das Debüt von Plaza Francia. Dahinter verbergen sich ein paar alte Bekannte. Zum einen Eduardo Makaroff und Christoph Müller, zwei Drittel des Gotan Project, und zum anderen Catherine Ringer, die große alte Dame des französischen Rock.

Von Marcel Anders

Mitglieder der Tanz-Company von Sidi Larbi Cherkaoui tanzen am 23.04.2014 in Wolfsburg (Niedersachsen) während der Fotoprobe zum Tanz-Festival Movimentos das Stück Milonga eine Tango Variation. (dpa / Jochen Lübke)
Tango hat etwas von einem Kampf zwischen Mann und Frau. (dpa / Jochen Lübke)
Weiterführende Informationen

Wenn zwei für drei Minuten eins sind (Deutschlandfunk, Lange Nacht, 25.01.2014)

Mehr als Bewegung (Deutschlandfunk, Kultur heute, 11.10.2013)

Und bis zum Tod ihres Partners Fred Chichin schrille Frontsirene von Les Rita Mitsouko. Ein Duo, an dessen Ende die 56jährige immer noch zu knabbern hat: "Ich vermisse die Band sehr. Aber wie heißt es so schön: Das Leben geht weiter. Und ich kämpfe nicht dagegen an, sondern mache weiter Musik. Einfach, weil mir danach ist. Weil mich die Leute darum gebeten haben und mir die Arbeit ein gutes Gefühl gibt. Als mich die Jungs gefragt haben, ob ich zwei Stücke für ihr Projekt einsingen könne, habe ich gerade an einem neuen Album gearbeitet. Das habe ich zur Seite gelegt, um mit ihnen auf Tournee zu gehen."

Handgemachte Version von modernem Tango

Die Jungs - das sind gestandene Musiker der Tango-Szene. Nämlich Eduardo Makaroff und Christoph Müller, die seit Ende der 1990er-Jahre für eine elektronische Variante der traditionellen südamerikanischen Musik stehen. Und die 2013, nach drei Alben als Gotan Projekt, etwas Neues probieren wollen: Nämlich eine handgemachte Version von modernem Tango. Wozu auch unterschiedliche Vokalisten beitragen sollen. Wie Catherine Ringer, die schon bei der ersten Probe so viel Eindruck macht, dass man ihr die Position der alleinigen Sängerin anbietet. Denn obwohl sie kein Spanisch spricht, mit dem Medium Tango kennt sie sich aus: "Ich habe schon lange eine Schwäche für südamerikanische Musik. Für Tango, aber auch für brasilianische und peruanische Klänge. Als Kind habe ich Flöte zu Los Calchakis gespielt, einer peruanischen Band aus den 1970er-Jahren. Und ich habe immer Carlos Gardel und Astor Piazzolla gehört."

Überraschende Bekenntnisse einer Frau, die als Galionsfigur der französischen New Wave- und Post-Punk-Bewegung gilt, als exzentrisch und schrill verschrien ist und so etwas wie das Pariser Gegenstück zu Nina Hagen bildet. Eben eine schillernde Persönlichkeit zwischen Diva und Bürgerschreck, die im Tango etwas Erotisches, Verruchtes und Emanzipatorisches erblickt.

Eleganter und aufreizender Tanz

Ringer: "Tango ist in Frankreich sehr populär. Und etwas ganz anders als der argentinische oder amerikanische Tango. Er gilt hier von jeher als eleganter und aufreizender Tanz. Also viel mehr sexy als im Original. Und er hat etwas von einem Kampf. Sprich: wenn die Romantik verflogen, wenn Liebe zu Wut geworden ist und man quasi aneinanderrasselt."

Weshalb das, was Plaza Francia auf "A New Tango Song Book" präsentieren, auch kein Tango alter Schule ist, sondern eher die weltoffene, frivole, europäische Variante. Mit Texten voller Liebe, Lust und Leidenschaft. Mutigen Anleihen bei Jazz, Pop und Lounge. Sowie vorgetragen mit großem Orchester und erlesenen Begleitmusikern. Ein überzeugender Mix aus Innovativität und Traditionalismus. Damit befindet sich das Trio seit Anfang April auf ausgedehnter Tournee, die demnächst auch nach Deutschland und ins Mutterland des Tangos führen soll. Wovor "La Ringer" dann doch ein bisschen Bammel hat - und heimlich einen Tanzkurs besucht.

"Momentan konzentriere ich mich auf die Musik. Was bedeutet, dass ich mich nicht sonderlich viel bewege. Aber jedes Mal, wenn ich auf die Bühne gehe, fühle ich mich ein bisschen sicherer. Und wer weiß: Vielleicht fange ich irgendwann an zu tanzen. Also wenn wir im Herbst nach Deutschland kommen, werde ich wohl etwas offener dafür sein. Aber wovor ich mich wirklich fürchte, sind die Auftritte in Argentinien. Das ist, als ob man als Deutscher oder Franzose nach New Orleans fährt, um den Blues zu singen."

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