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StartseiteEuropa heuteMit privaten Spenden Danziger Solidarność-Zentrum gerettet19.02.2019

PolenMit privaten Spenden Danziger Solidarność-Zentrum gerettet

Das "Europäische Zentrum für Solidarität" ist zum Symbol gegen die Kulturpolitik der rechtskonservativen Regierung PiS geworden. Alles begann damit, dass die Regierung dem Danziger Zentrum weniger Geld als geplant geben wollte. Das rief viele Bürgerinnen und Bürger auf den Plan.

Von Florian Kellermann

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Basil Kerski, Direktor des Europäischen Solidarnosc-Zentrums in Danzig im Jahr 2018 (Deutschlandradio / Grenzgänger)
Der Politikwissenschaftler Basil Kerski leitet das Europäische Solidarność-Zentrum in Danzig (Deutschlandradio / Grenzgänger)
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Ein bisher einmaliger Vorgang in Polen: Bürger haben in den vergangenen zweieinhalb Wochen 6,5 Millionen Złoty für eine Kultureinrichtung gespendet - über 1,5 Millionen Euro. Das "Europäische Zentrum für Solidarität" in Danzig geht so mit einem dicken Finanzpolster ins Jahr. Ein Warnsignal für die rechtskonservative Regierung, meint die Regisseurin Agnieszka Holland:

"Die Menschen spüren, dass das nicht fair ist, dass das nicht in Ordnung ist, wie die Regierung mit der Kultur umgeht, wie sie sie beeinflussen will. Sie zeigen dem Minister, dass er das Land nicht besitzt, dass ihre Stimmen und ihr Geld etwas bewirken können."

Denn die Spender haben auf eine Entscheidung der Regierung reagiert. Diese überweist dem Zentrum in diesem Jahr drei Millionen Złoty weniger als geplant - rund 800.000 Euro. Das Budget des ECS, so die polnische Abkürzung für das Zentrum, hätte sich fast halbiert. Und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr: Im Juni vor 30 Jahren fanden in Polen die ersten teilweise freien Wahlen statt und damit im gesamten sogenannten Ostblock. Die Solidarność ging als große Siegerin aus diesen Wahlen hervor. Ein großes Datum auch für das ECS.

Vorwurf der polnischen Regierung: Zu einseitig

Vize-Kulturminister Jarosław Sellin verteidigte die Entscheidung der Regierung:

"Es gibt ein Problem mit dem ECS. Nicht von ungefähr hat die Gewerkschaft Solidarność ihre Vertreter aus dem Programmrat zurückgezogen. Das ECS dient nicht allen Legenden der Solidarność-Bewegung. Es interpretiert die Geschichte einseitig. Und auch aktuelle Ereignisse bewertet es ideologisch. Das ist nicht der Ort, auf den wir uns vor vielen Jahren verständigt haben."

Jarosław Sellin spricht den Riss an, der durch die damaligen Aktivisten geht und der sich am Solidarność-Anführer Lech Wałęsa festmachen lässt. Die einen, die heute der Regierungspartei PiS nahestehen, sehen seine Rolle kritisch. Die anderen halten ihn für einen unumstößlichen Helden. In diese Reihe gehört das Umfeld der rechtsliberalen Partei "Bürgerplattform". Basil Kerski, Leiter des ECS, weist den Vorwurf der Einseitigkeit zurück:

"Ich war schockiert, als ich von der Kürzung der Mittel erfahren habe, zumal ich gerade in Krakau einen internationalen Preis entgegengenommen habe - für die Arbeit des Zentrums. Diese Institution hat ein hervorragendes Renommee. Die Entscheidung der Regierung war also unpatriotisch, obwohl sie doch so gerne über Patriotismus spricht."

Später machte die Regierung doch noch ein Angebot: Sie würde die gestrichenen drei Millionen Złoty überweisen - unter bestimmten Bedingungen. Zum einen wollte sie den Vize-Direktor des ECS bestimmen. Zum anderen sollte eine neue Abteilung mit zehn Mitarbeitern geschaffen werden. Diese sollte sich mit dem Flügel der Solidarność beschäftigen, auf den sich die Regierungspartei PiS beruft.

Mehr Geld als zuvor

Inakzeptabel, erklärten die Stadt Danzig und Basil Kerski:

"Das Ministerium will eine von mir unabhängige Institution in der Einrichtung schaffen, die ihm untersteht. Das ist nicht hinnehmbar. Im Kommunismus war es so, dass der Parteisekretär zensiert hat, kontrolliert hat, seine Leute in der Kultur untergebracht hat. Aber in so einem System wollen wir doch wohl nicht mehr leben."

So sahen es auch die vielen Polen, die für das ECS gespendet haben. Die Einrichtung hat nun deutlich mehr Geld zur Verfügung als ursprünglich gedacht. Die Organisatorin der Spendensammlung Patrycja Krzeminska:

"Wir lassen das ECS nicht allein. Und wir lassen nicht zu, dass die Geschichte manipuliert wird."

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