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StartseiteTag für Tag"Burka-Verbot an Schulen und Unis wäre kontraproduktiv" 07.02.2020

Politikwissenschaftler Ulrich Willems "Burka-Verbot an Schulen und Unis wäre kontraproduktiv"

Der Politikwissenschaftler Ulrich Willems ist der Ansicht, dass ein Burka-Verbot für Schülerinnen und Studentinnen nur negative Folgen haben würde. Extreme Gruppen, wie die Salafisten, würden den Islam im Westen in der „Opferrolle“ bestätigt sehen, sagte Willems im Dlf.

Ulrich Willems im Gespräch mit Susanne Fritz

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epa02869699 Two women wear burqas while waiting in front of the Saint-Josse / Sint-Joost-ten-Node town hall in Brussels, Belgium, 17 August 2011, where French presidential candidate Rachid Nekkaz (not pictured) arrived to pay the burqa fine of two young women. After Belgium approved an 'anti burqa' law, Nekkaz announced that he would pay any fine for women who want to wear the burqa in Belgium. EPA/JULIEN WARNAND BELGIUM OUT | (picture alliance / Julien Warnand)
Burka-Trägerinnen in Belgien (picture alliance / Julien Warnand)
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Ein generelles Burkaverbot an Schulen und Universitäten könnte konservative Muslime in die Arme von Salafisten treiben. Sinnvoller sei es, konservative Muslime von den Vorteilen einer offenen, liberalen Gesellschaft zu überzeugen, statt Verbote auszusprechen. Außerdem dürfe nicht vergessen werden, betonte Willems, dass es sich um eine extrem geringe Zahl von Mädchen handele, die mit einem Gesichtsschleier in die Schule kommen. So müsse man auch fragen, welche Motive dahinter steckten, dass die Burka-Debatte so breit geführt werde. Es gebe auch in der Politik eine "starke Skepsis" gegenüber dem Islam. Viele Politiker hätten schlichtweg Angst vor der AFD. Man wolle der AFD nicht das Feld überlassen - und "dann macht man es halt selber".

"Kaum durchsetzbar"

Ulrich Willems, Professur für Politische Theorie mit dem Schwerpunkt Politik und Religion, an der Uni Münster, hält darüber hinaus ein generelles Verbot der Burka für kaum durchsetzbar, da die deutsche Verfassung ein Recht auf Religionsfreiheit vorsieht.

(Sarah Batelka) (Sarah Batelka)

Eine Alternative zu einem Verbot könne darin bestehen, Schulen und Hochschulen gesetzlich in die Lage zu versetzen, solche Angelegenheiten selber zu regeln. Sollte also tatsächlich ein muslimisches Mädchen eine Burka in der Schule tragen, dann wären zunächst einmal Gespräche erforderlich über religiöse Toleranz, Religionsfreiheit, Integration und die Erfordernisse des Schulalltags in Deutschland. Außerdem müsste die Politik Lehrer und Schulen auf solche Situation besser vorbereiten, indem Themen wie religiöse Pluralität und kulturelle Differenzen stärker in die Lehrerausbildung integriert werden, so Willems.

Ein Vorbild könnte die Situation in Großbritannien sein. Dort habe man auf ein Verbot religiöser Symbole verzichtet. Zwar gebe es auch dort Konflikte an Schulen, aber die Kompetenzen in der Bevölkerung in Fragen der kulturellen und religiösen Unterschiede seien durch die Auseinandersetzung stark gestiegen. Zudem gehörten Konflikte zur demokratischen Kultur. Letztlich führe das auch zu mehr Gelassenheit im Umgang mit solchen Phänomenen in einer kulturell und religiös pluralen Gesellschaft.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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