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Polizeiübung in ManchesterEntschuldigung nach "Allahu Akbar"-Rufen

Von Patrick Raulf
Menschen während der Anti-Terror-Übung am 10.05.2016 in einem Shoppingzentrum in Manchester, Großbritannien. (afp / Sean Hansford)
In Manchester hat die Polizei einen Angriff durch Selbstmordattentäter simuliert. (afp / Sean Hansford)

Selbstmordattentäter sind alle Muslime und rufen "Allahu Akbar", bevor sie sich in die Luft sprengen. Dieses Stereotyp hatte wohl auch die Polizei in Manchester vor Augen. Bei einer ihrer Übungen rief der "Attentäter" diese Worte und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus.

Ein Mann kommt in ein Shoppingzentrum und ruft mehrere Male "Allahu Akbar" - "Gott ist groß". Schließlich explodiert neben ihm ein Feuerwerkskörper und er fällt zu Boden. Es sind nur 11 Sekunden, die bei vielen für Empörung sorgten.

Die Übung der Polizei fand in der vergangenen Nacht in einem Shoppingzentrum in der Innenstadt von Manchester statt. Etwa 800 Menschen beteiligten sich freiwillig daran - geplant wurde der Einsatz schon seit Monaten.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Äußerungen des Mannes, der den Selbstmordattentäter bei der Übung spielte, niemandem auffielen. In Großbritannien wird auf politische Korrektheit schon immer besonderer Wert gelegt.

Vor allem auf Facebook und Twitter entfaltete sich anschließend ein Sturm der Entrüstung. Viele Nutzer forderten eine Stellungnahme der Polizei, warum der Angreifer bei der Übung "Allahu Akbar" gerufen hat - und damit eindeutig als Muslim dargestellt wurde. Sie beklagen, dass durch Aktionen wie diese stereotype Denkweisen nur noch verstärkt würden. Weitere nennen die Äußerung dumm - wahrscheinlich sei wegen solcher Fälle die Islamophobie stark gestiegen. Ähnlich argumentiert das "Community Safety Forum", eine Organisation, die sich gegen Islamophobie einsetzt: Aktionen wie diese spalteten die Gesellschaft nur weiter und würden Hasskriminalität gegenüber Muslimen verstärken, hieß es von dort.

Reaktionen: Von Empörung bis Unverständnis

Der Bürgermeister für die Region Greater Manchester, Tony Lloyd, erklärte, es sei "frustrierend", dass der Einsatz durch die "unbedachte, unnötige und inakzeptable Entscheidung der Organisatoren ruiniert wurde", die Angreifer diese Worte rufen zu lassen. Das habe das Potenzial, den gesellschaftlichen Frieden in der Region zu stören.

Eine Entschuldigung der Polizei bekamen die Kritiker am Mittag: Man könne nachvollziehen, dass es inakzeptabel gewesen sei, diese religiöse Phrase zu benutzen, heißt es in einer Stellungnahme der Polizei der Region Greater Manchester. Dadurch sei die Übung direkt mit dem Islam verbunden worden. Doch die Polizei betont auch: Grundidee für die Übung war ein Anschlag in der Art der Terrororganisation IS.

Viele Twitter-Nutzer können die Kritik und die Entschuldigung der Polizei nicht nachvollziehen. Was solle denn ein Selbstmordattentäter sonst rufen, fragen sie und machen sich teilweise über die Kritiker lustig. Anschläge in Brüssel und Paris hätten den Planern doch recht gegeben, diesen Ausruf zu verwenden.

Auch Messerangriff in Grafing Thema

Doch dass der Gebrauch der Worte zu hinterfragen ist, zeigt der aktuelle Fall aus Grafing bei München. Der dortige Messerangriff taucht in der britischen Diskussion über die Übung in Manchester auch hin und wieder auf. User verweisen auf Berichte über die Tat - wohl um zu verdeutlichen, dass Anschläge und "Allahu Akbar" doch zusammengehören. Der Mann hatte dort an einem S-Bahnhof nach Angaben von Zeugen "Allahu Akbar" gerufen, bevor er auf mehrere Menschen einstach. Doch die Ermittler in Grafing gehen mittlerweile davon aus, das der verwirrt wirkende mutmaßliche Täter die Worte einfach nur so gesagt hat - ohne jedwede religiöse Bedeutung.

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