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StartseiteSprechstundeNach chirurgischem Eingriff wieder schnell auf den Beinen04.12.2018

Postoperative Mobilisation Nach chirurgischem Eingriff wieder schnell auf den Beinen

Neue Hüfte, neues Knie – normalerweise müssen Patienten nach dem Implantieren von solchen Prothesen tage- bis wochenlang liegen bleiben. Doch mit dem Fast-Track-Konzept gelingt es, schon zwei Stunden postoperativ zu laufen. Die Methode ist aber nicht für jeden geeignet.

Von Christina Sartori

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Ärzte setzen einem Patienten eine künstliche Hüfte ein. (dpa-Bildfunk / Klaus Rose )
Das Fast Track Konzept erlaubt Patienten fast direkt nach Knie- oder Hüftoperationen zu laufen (dpa-Bildfunk / Klaus Rose )
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Neue Hüfte, neues Knie Qualitätssicherung bei künstlichen Gelenken

Endoprothetik Fluch und Segen eines künstlichen Gelenks

Während Patienten früher nach einer größeren Operation mehrere Tage oder sogar Wochen im Krankenhausbett lagen, ist jetzt das oberste Ziel: Schnell wieder auf die Beine. Neuerdings sogar, wenn bei der Operation ein neues Hüftgelenk eingesetzt worden ist. Fast Track heißt dieses Konzept, das nicht für jeden Patienten geeignet ist.

Noch am Tag der Operation wieder aufstehen

In den Niederlanden und Skandinavien wird es schon länger umgesetzt, nun schwappt die Welle auch nach Deutschland: Fast Track, ein Konzept, das ermöglicht, dass der Patient nach einer Hüftgelenks- oder Knie-Operation schneller wieder auf die Beine kommt. Wie schnell nach der OP, der Operation, das beschreibt Prof Karl-Dieter Heller, Chefarzt der orthopädischen Klinik in Braunschweig und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik:

"Zwei Stunden nach der OP. Das schafft der auch. Auf der Bettkante sitzen, hinstellen, selber zur Toilette gehen. Die Selbstständigkeit sofort wiederbekommen. Die Message muss lauten: ‚Sie sind nicht krank, sie sind nur operiert‘."

Fast Track verlangt gute Planung

Damit das möglich ist, müssen mehrere Faktoren stimmen, erklärt Karl-Dieter Heller:

"Fast Track heißt im Endeffekt, den Patienten schonender, in schnellerer Zeit durch die Operation zu bringen. Das heißt, es gibt verschiedenen Phasen des Fast Tracks. Das fängt vor der OP schon an: Man optimiert seine Gesundheit, man informiert ihn sehr früh. Sprich: Er weiß schon viele Wochen vor der OP, was wann genau abläuft, der Sozialdient kontaktiert ihn schon um die Nachsorge nach der OP zu klären."

Der Patient übt schon vor der Operation an Krücken zu laufen. Bei der Operation wird darauf geachtet, dass möglichst wenig Blut verloren geht und die Narkose ist so gewählt, dass der Patient so schnell wie möglich wieder richtig wach ist.

"Das Ziel ist, keinen Überhang zu haben. Das heißt, mit Beendigung der OP soll der Patient hellwach sein, denn er soll eine Stunde oder zwei Stunden später auf der Station wieder gehen. Das können sie nicht, wenn sie müde sind nach der OP, wenn sie schläfrig sind."

Auch an das Pflegepersonal stellt das Fast-Track-Konzept neue Anforderungen, sagt Karl-Dieter Heller:

"Sie haben weniger Liegetage, aber die Tage, die sie haben, sind höchst intensiv. Das heißt Pflege oder Physiotherapie muss sofort am Patienten sein, der soll nicht selber aufstehen und loslaufen. Man muss gucken, wie gut geht es ihm, wie ist der Blutdruck und so, da muss jemand bei sein. Die Pflege wird intensiviert. Die Physiotherapie auch."

Operationsmethode, Narkose und Blutmanagement sind abgestimmt

Eine weitere Voraussetzung: Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv. Was das genau bedeutet, beschreibt Prof Dieter Wirtz, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Uni Klinikum Bonn:

"Minimal invasiv heißt eigentlich: Gewebe-schonend. Das heißt, der Schnitt soll auch kleiner sein, aber das Wesentliche ist, dass man die Muskulatur, die der wesentliche Motor des Gelenkes ist, schont und man durch Muskellücken hindurch operiert und keine Muskeln abtrennt oder durchtrennt."

Der Effekt einer solchen gewebeschonende Operation ist klar, sagt Dieter Wirtz. Die Muskeln sind schneller wieder einsatzfähig:

"Der Vorteil ist, dass das Muskeltrauma damit geringer ist und dass der Motor des Gelenkes nach der Operation schneller wieder in Gang kommt, das heißt, die Rehabilitation ist schneller, die Gehfähigkeit, die Gehbelastung ist schneller."

Manchmal ist minimal-invasiv nicht die beste Lösung

Aber nicht jedem Patienten kann die neue Hüfte minimal-invasiv eingesetzt werden, sagt Wirtz:

"Es gibt Situationen wo aufgrund der anatomischen Verhältnisse das nicht möglich ist und dann macht es auch keinen Sinn. Das Implantat richtig zu positionieren und eine optimale

Verankerungsstabilität zu erzielen ist das wesentliche Gütekriterium und nicht diese minimal-invasive Vorgehensweise. Das heißt, es ist immer eine patienten-individuelle Entscheidung."

Welches Implantat der Arzt einsetzt, wie operiert wird, ob minimal invasiv oder nicht, und ob das Fast-Track-Konzept angewendet wird oder nicht – das alles muss für jeden Patienten individuell entschieden werden, abhängig unter anderem von seinem Alter, seiner Gesundheit, seinem sozialen Umfeld und seiner Statur. Geht es um eine neue Hüfte oder ein neues Knie, dann gibt es keine Standard-Lösung.

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