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StartseiteSport am Wochenende"Von gleichen Bedingungen kann man nicht mehr reden"17.02.2019

Premier League vs. Bundesliga"Von gleichen Bedingungen kann man nicht mehr reden"

Der erste Schlagabtausch Premier League gegen Bundesliga in der Champions League war eindeutig: Tottenham besiegte Dortmund klar. Die Qualitätsunterschiede zwischen beiden Ligen seien finanziell, aber letztlich auch historisch bedingt, sagte der Sportjournalist Raphael Honigstein im Dlf.

Raphael Honigstein im Gespräch mit Jessica Sturmberg

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Dortmunds Torwart Roman Bürki (l.), Ömer Toprak und Mahmoud Dahoud (r.) stehen nach dem 3:0 durch Fernando Llorente (2.v.r.) auf dem Rasen. Foto: Bernd Thissen/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Tottenham Hotspur fertigte Borussia Dortmund im Achtelfinalhinspiel gegen Borussia Dortmund mit 3:0 ab (dpa)
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Seit 1993 lebt der deutsche Journalist Raphael Honigstein in London und berichtet unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" über den englischen Fußball und für den britischen "Guardian" über den deutschen. Für Honigstein werden die Qualitätsunterschiede zwischen Premier League und Bundesliga allein schon an der Leistungsdichte beider Ligen deutlich: Während in der Premier League sechs bis sieben Mannschaften in der Lage seien, den Titel zu gewinnen, seien das in Deutschlands höchster Spielklasse bestenfalls zwei.

Grund dafür sei, dass die finanziellen Mittel, das heißt Investitionen und Fernsehgelder, in der englischen Premier League breiter verteilt seien. Das müsse nicht zwingend zu mehr Qualität führen, doch im direkten Vergleich könnten Bundesliga-Vereine mit Premier-League-Clubs bestenfalls auf Augenhöhe mitspielen. Vergleiche man beispielsweise die finanzielle und sportliche Qualität von Schalke 04 und Manchester City seien die Unterschiede so groß, dass man nicht mehr von gleichen Bedingungen sprechen könne.

"Goldener Kreislauf" durch ausländische Investitionen

Die unterschiedlichen Voraussetzungen zwischen beiden Ligen sind unter anderem auch historisch bedingt. Die Premier League sei das globalisierteste Sportunternehmen der Welt, sagt Honigstein. Sie habe sich von Anfang an für Investitionen aus dem Ausland geöffnet, auch deshalb weil englische Vereine bereits seit mehr als 100 Jahren nicht in der deutschen Vereinsstruktur sondern als GmbHs geführt wurden, zunächst kontrolliert von nationalen Unternehmern, heute inzwischen zum Teil von internationalen Geldgebern. Gerade das Engagement internationaler Geldgeber habe einen "goldenen Kreislauf" in Gang gesetzt, der neue Investitionen anzieht, dadurch die Attraktivität weiter steigert und in Folge dessen auch die Fernsehgelder wachsen lässt.

Im Gegensatz zur Premier League verweigert man sich in Deutschland noch der totalen Vermarktung des Fußball. Die Bundesliga sei ihren eigenen Strukturen verbunden und gerade unter den Fans gäbe es keine Bereitschaft dazu, den Sport für Investoren zu öffnen. Gleichzeitig wüssten die Vereine, dass am Ende das Geld darüber entscheide, wie erfolgreich der Verein ist. Daher versuche man im Rahmen der Möglichkeiten Gelder zu generieren, durch Investitionen, Vermarktung, Internationalisierung oder auch den strategischen Einkauf von Spielern aus gewissen Ländern.

Brexit bereitet Premier League Kopfschmerzen

Der nahende Brexit könnte die Situation der Premier League wesentlich verändern. Doch noch ist völlig unklar, was der Austritt Großbritanniens für die Vereine und die Liga bedeutet. Es gäbe Bestrebungen des englischen Verbandes, das Kontingent der einheimischen Spieler zu stärken, was unter EU-Recht nur zu einem gewissen Grad möglich ist.

Die Premier-League-Vereine finden dies aus verschiedenen Gründen unattraktiv. Auch wenn der Brexit den Vereinen einige Kopfschmerzen bereite: In der Vergangenheit sei die Premier League immer relativ unbeschadet durch Krisenzeiten gekommen.

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