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Presse zu EU-Russland
SZ: "Frankreichs Präsident macht sein Land lächerlich"

Wie soll Europa mit Russland umgehen? Kann man noch Waffen nach Russland liefern? Diese Fragen beschäftigen auch die deutschen Zeitungen, wie ein Blick in unsere Presseschau zeigt. Besonders hart geht die "Süddeutsche Zeitung" mit Frankreich ins Gericht.

23.07.2014
    Francois Hollande, französischer Präsident
    Frankreichs Präsident François Hollande steht in der Kritik - weil er an einer Kriegsschiff-Lieferung an Russland festhält. (picture alliance / dpa / Foto: Christophe Petit Tesson)
    Im Kommentar der SZ heißt es unter anderem:
    "Vergangene Woche sind in diesem Krieg mehr als 200 europäische Bürger umgekommen – aus dem Himmel geschossen von einer Flugabwehrrakete. Grund genug, so könnte man meinen, für die europäischen Außenminister, endlich einmal etwas Handfestes gegen die Schuldigen zu unternehmen. Es ist grotesk, dass Frankreich an dem Vorhaben festhält, ein modernes Kriegsschiff an Moskau zu liefern. Präsident François Hollande redet von Vertragstreue und der Milliarde Euro, die er zurückzahlen müsste, wenn er den Verkauf stornierte. Na und? Ist Frankreich so billig zu haben? Erst beim zweiten von Moskau bestellten Kriegsschiff werde die Exportentscheidung von Moskaus Ukraine-Politik abhängig gemacht, so Hollande. Ist das ernst gemeint? Frankreichs Präsident macht sein Land lächerlich und Europa gleich mit."
    Die Zeitung DIE WELT warnt, die Auseinandersetzung zwischen der EU und Russland dürfe nicht eskalieren:
    "Wenn es nicht gelingt, wieder einen dem Ernst der Lage angemessenen Gesprächston zu finden und dazu die Bereitschaft, einander zuzuhören und 'backchannels' zu aktivieren, dann werden bald aus Treibern nur noch Getriebene. Das gilt für den Kreml-Herrn, der Kräfte des Ressentiments, des Nationalismus und der Gewalt entfesselt hat, deren er nicht mehr leicht Herr wird. Es gilt aber auch für jene, die mit Bestrafungen verschiedener Art ihn wieder in den Kooperationsmodus zwingen wollen. Gesichtswahrung beider Seiten ist Voraussetzung für begrenzte Rückzüge. Man muss die gegenwärtige Weltkrise – denn darum handelt es sich – von ihrem Ende her denken. Dann wird nicht nur deutlich, was beide Seiten zu verlieren haben, sondern auch, wie viel an Weltordnung auf dem Spiel steht – hier und jetzt."