Dienstag, 05. Juli 2022

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Prinzen-Sänger Krumbiegel
"Mein Feindbild steht rechtsaußen"

„Die Demokratie ist weiblich“, singt Sebastian Krumbiegel auf seiner neuen Single, dazu von „Barmherzigkeit“ und „Freiheit“ - und mit 70 Prominenten im Video. "Ich bin überzeugt, dass wir nach wie vor mehr sind", sagte der Demokratie-Fan im Dlf vor den Landtagswahlen, "auch im Osten, auch in Sachsen".

Sebastian Krumbiegel im Corsogespräch mit Bernd Lechler | 30.08.2019

Sebastian Krumbiegel im April bei der Verleihung des Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte 2019 in Köln.
Musiker Sebastian Krumbiegel: "Wenn du die Leute unterhalten kannst, dann kannst du sie auch mit Themen behelligen, die ein bisschen sperriger sind" (picture alliance/Geisler-Fotopress)
Die Grundidee für das Lied sei von seinem Vater gekommen, der gesagt habe: "Junge, schreib' doch mal ein Lied über die Demokratie", sagte Sebastian Krumbiegel im Dlf. Er habe das Thema zunächst als zu sperrig empfunden, aber irgendwann seien ihm dann doch Ideen gekommen - zur Freude der Eltern: "Die sind immer stolz darauf, was der Junge so macht."
Unterhalten statt missionieren
Es sei natürlich kein Zufall, sagt Krumbiegel, dass der Song gerade in dieser Zeit erscheint, und auch noch kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg: Man überlege als Songwriter schließlich, was man zu sagen hat und sagen möchte. Wobei ihm sehr wichtig sei, nicht missionarisch zu wirken, weil das die Hörer abschrecke. Er wolle zuerst unterhalten. "Und wenn du die Leute unterhalten kannst, dann kannst du sie auch mit Themen behelligen, die ein bisschen sperriger und schwieriger sind."
Dass die ostdeutschen Bundesländer und gerade Sachsen wegen rechtsextremer Tendenzen derzeit als Problemfall gelten, sei teilweise schon begründet, sagt der gebürtige Leipziger, plädiert aber für den Dialog: "Man sollte versuchen zu verstehen, was diese Leute reitet." Wobei auch er bei Pegida aufgegeben habe: "Spätestens als es um Seenotrettung ging und die Leute da ‚Absaufen, absaufen!‘ gebrüllt haben, kann ich nur sagen, dass da keinerlei Verständnis mehr da ist."
Wir haben noch länger mit Sebastian Krumbiegel gesprochen – hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs
Schräg sei, dass er etwa mit dem sächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Chef Michael Kretschmer heute sehr konstruktiv reden könne, denn Kretschmer spreche das Problem der Nazis in Sachsen inzwischen offen an. "Mein Feindbild hat sich komplett verschoben", sagte Krumbiegel - auch wenn er kein CDU-Fan sei: "Aber mein Feindbild steht rechtsaußen, wo Rassismus, wo Antisemitismus, wo Dinge am Dampfen sind, die ich ablehne."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.