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StartseiteKultur heuteGegen die Gräben zwischen Ost und West23.09.2019

Privatfilme zeigen DDR-AlltagGegen die Gräben zwischen Ost und West

Die DDR war mehr als SED und Stasi: Das Digitalarchiv "Open Memory Box" gewährt Einblick in den ganz normalen Alltag der DDR-Bürger. Die privaten Filmaufnahmen, die jetzt online abrufbar sind, wurden zwischen 1947 und 1990 von 150 Familien gemacht.

Von Claudia van Laak

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Ein Bild aus dem neuen Online-Archiv "Open Memory Box", die über 415 Stunden DDR-Alltag auf Schmalfilm enthält - www.open-memory-box.de (Open Memory Box)
Ein Bild aus dem neuen Online-Archiv "Open Memory Box" (Open Memory Box)
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Hochzeiten, Dorffeste, die Reise zur Ostsee - die "Open Memory Box" zeigt das Alltagsleben in der DDR. Das weltweit größte digitalisierte Archiv privater Schmalfilmer aus der DDR ist jetzt online abrufbar www.open-memory-box.de. 150 Familien haben dafür ihre Stummfilme zur Verfügung gestellt, die sie zwischen 1947 bis 1990 aufgenommen haben.

Die Idee der Intiatoren war es, die DDR "von unten zu erzählen" - jenseits von SED-Machtapparat und Stasi. Der schwedische Filmemacher und Initiator des Projekts, Alberto Herskovits, möchte mit dem Projekt Stereotype und Klischees aufbrechen. Der Alltag in Ost und West sei sehr ähnlich gewesen, sagt er. Und die Gräben zwischen Ost und West, die im 30. Jahr des Mauerfalls tiefer denn je seien, gelte es zu überwinden.

Blick von außen

Gemeinsam mit dem kanadischen Politikwissenschaftler Laurence McFalls startete Herskovits das Archiv-Projekt 2013. Dass kein Deutscher das Projekt geleitet hat, ist dabei ein Vorteil. Einem Westdeutschen hätte man die Dämonisierung der DDR, einem Ostdeutschen die Verharmlosung der SED-Diktatur vorwerfen können. So ist ein Blick von außen möglich.

In den Privataufnahmen findet sich auch Subversives: Einige filmten heimlich die deutsch-deutsche Grenze. In anderen Filmen wird deutlich, wie sehr sich die Kleidung oder auch Hochzeiten in Ost- und Westdeutschland glichen: Ob in der Bundesrepublik oder in der DDR - Brautpaare mussten in den 1960er- und 1970er-Jahren den obligatorischen Baumstamm durchsägen.

Bei der "Open Memory Box" handelt sich um ein Projekt des Forschungsverbunds "Das mediale Erbe der DDR", an dem unter anderem das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam beteiligt ist. Das Projekt wurde unter anderem von der Bundesstiftung Aufarbeitung und dem kanadischen Social Sciences and Humanities Research Council gefördert.

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