Donnerstag, 18. August 2022

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Product Placement
James Bond oder James Brand

Hier eine Schweizer Uhr, da eine Markenlederjacke: Produktplazierungen in Blockbustern wie dem neuen James Bond "Spectre" sind fester Bestandteil der Filmfinanzierung und bringen den Herstellern oft ein Vielfaches der investierten Kosten - solange die bezahlte Werbung nicht allzu offensichtlich wird.

Von Philip Banse | 05.11.2015

    Daniel Craig als James Bond in einer Szene des Kinofilms "Spectre"
    Daniel Craig fungierte als James Bond mehrfach schon als Werbeträger des Product Placements (picture-alliance / dpa/Sony)
    Der folgende Dialog zwischen James Bond uns seinem Vorgesetzten hat dazu beigetragen, die Produktionskosten des jüngsten Bond-Films um 20 Millionen Dollar zu drücken.
    "Mexiko. Was haben sie da gemacht?"
    "Einen längst überfälligen Urlaub."
    Der werbende Dialog ist Teil eines Deals, den Sony Pictures Entertainment und Metro-Goldwyn-Mayer-Studios mit dem Staat Mexiko gemacht haben. Die Filmproduzenten bekamen steuerliche Förderungen in Höhe von 20 Millionen Dollar.
    "Ich lasse mir keine Zeit zum Nachdenken. "
    Zu viel des Guten kann negatives Image bringen
    Product Placements sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Bond Filme. "Der Morgen stirbt nie" soll komplett durch Produktplatzierungen finanziert worden sein. Die offizielle Webseite zu "Spectre" verzeichnet gleich 14 Markennamen als Partner: Bier, Uhren, Kleidung, Autos, Rasierklingen. Johannes Koeck hat mit seinem Cine Tirol Team die Bond-Produktion nach Tirol geholt. 500.000 Euro habe Tirol sich das kosten lassen, aber knapp neun Millionen Euro habe die Bond-Produktion im Tirol gelassen:
    "Das betrifft Unterkunft, Verpflegung, local crew, Tankstellen bis hin zu Briefmarken."
    Dazu würden Tausende Bond-inspirierter Tirol-Touristen kommen. Auf das Drehbuch habe er jedoch keinen Einfluss gehabt, sagt Koeck. Wie zu viel Drehbuch-Macht der Marken enden kann, zeigt "Casino Royale". Mitten im Dialog spricht Kontrahentin Vesper 007 auf seine Uhr an:
    Vesper: "Rolex?"
    Bond: "Omega."
    Vesper: "Beautiful."
    Von James Bond zu James Brand. In dieser Szene hat die Produktplatzierung eine Linie übertreten, sagt Darryl Collis der BBC. Collis Agentur Seesaw Media ist für Produktplatzierungen in den beiden jüngsten Bond-Filmen verantwortlich.
    "Bei so was fangen die Leute an, schlecht über die Marke zu denken. Diese Szene riecht etwas."
    Das gilt jedoch auch für die vielen Werbeauftritte maskuliner Autos - auch im neuen "Spectre".
    Q: "Atemberaubend, nicht wahr? Von 0 auf 100 in 3,2 Sekunden. Hat ein paar nette Tricks auf Lager."
    Was diese Produktplatzierungen wirklich bringen, lasse sich nicht wirklich messen, sagt Ferdinand Froning, Geschäftsführer von Locavi, einer Agentur, die Marken und Filmproduzenten zusammen bringt, in der "Süddeutschen Zeitung". Sein Kollege Darryl Collis, der in den letzten beiden Bond-Filmen Produkte platziert hatte, widerspricht. Beispiel: die Bond-Jacke aus "Skyfall":
    "Diese Jacke war online ausverkauft und brachte auf eBay das Fünffache des Verkaufspreises. Als die Firma die Jacke wieder auflegte, schnitt sie sie genauso, wie James Bond sie getragen hatte, und das hatte einen massiven Einfluss auf die Verkäufe."