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StartseiteSport am Wochenende"Mädchen die Möglichkeit geben, ihrem Traum vom Fußball näher zu kommen"07.07.2018

Projekt "Scoring Girls""Mädchen die Möglichkeit geben, ihrem Traum vom Fußball näher zu kommen"

Tugba Tekkal hat das Projekt "Scoring Girls" ins Leben gerufen, mit dem sie Mädchen mit Migrationshintergrund und aus schwierigen sozialen Verhältnissen zum Fußball bringt. Die Mädchen profitierten damit auch im Alltag, sagte Tekkal im Dlf. Und auch die anfangs skeptischen Eltern ließen sich meist überzeugen.

Tugba Tekkal im Gespräch mit Jessica Sturmberg

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Tugba Tekkal ist ehemalige Profi-Fußballerin des FC Köln und hat "Scoring Girls", ein Fußball-Integrations-Projekt, gegründet. (Deutschlandradio - Jessica Sturmberg)
Tugba Tekkal ist ehemalige Profi-Fußballerin des FC Köln und hat "Scoring Girls", ein Fußball-Integrations-Projekt, gegründet. (Deutschlandradio - Jessica Sturmberg)
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Tugba Tekkal erklärt, sie habe "Scoring Girls" für Mädchen zwischen acht und 18 ins Leben gerufen, weil sie selbst einen Migrationshintergrund habe - sie ist kurdisch-jesidischer Abstammung und in Deutschland geboren. Als Mädchen habe sie es selbst nicht leicht gehabt, Fußball zu spielen und mit Schrammen nach Hause zu kommen, habe sich nach Ansicht ihrer Eltern für ein Mädchen nicht gehört. "Ich musste erst heimlich spielen, mittlerweile sind meine Eltern meine größten Fans." Die 33-jährige Tekkal war Profispielerin beim 1. FC Köln. Zu ihren Beweggründen, "Scoring Girls" zu gründen, sagte Tekkal, dass sie Mädchen die Möglichkeit geben möchte, von möglichen Zwängen zu Hause auszubrechen und ihrem Traum, Fußball zu spielen, näher zu kommen.

Mädchen erlangen Selbstbewusstsein

"Das ist sehr schwierig", sagte Tekkal. Es sei harte Arbeit, die Eltern zu überzeugen, dass die Tochter Fußball spielen soll. Allerdings gebe es diejenigen, bei denen die Eltern anfangs dagegen waren, und mittlerweile größte Fans der Töchter seien. Die Eltern sähen, was der Fußball mit den Töchtern mache. Sie seien selbstbewusster und steckten sich neue Ziele. Der Sport hole die Mädchen aus der Lethargie heraus, in der sie häufig aufgrund ihres Lebens in Flüchtlingsunterkünften oder sozialen Brennpunkten seien.

Dass Mädchen mit Fußball erreichen könnten, was sie wollen, kann das Projekt nach Tekkals Ansicht transportieren. 15 bis 20 Mädchen trainiert sie pro Woche, zwei konnte sie bereits an einen Kölner Verein weitervermitteln. Einige sagten Tekkal, dass sie zwar keine Profis werden, aber später wie sie auch Gutes tun wollten, als Trainerinnen oder Krankenschwestern. "Das sind Aussagen, die mich beflügeln. Sie zeigen mir, dass es genau das Richtige ist, was ich tue."

Rundum-Betreuung statt reines Training

Am 14. Juli findet ein Benefizspiel in Köln statt, an dem ARD-Moderatorin Anne Will teilnehmen wird, Inka Grings, die frühere Nationalspielerin, die aktuelle Nationalspielerin Sara Doorsoun, und auch der Geschäftsführer des 1. FC Köln, Alexander Wehrle. Denn es sei zwar "schön, wenn Menschen kommen und auf die Schulter klopfen, aber ich kann den Mädchen damit keine Schuhe kaufen oder in den Zoo fahren." Neben ihrem sportlichen Engagement erledige sie Behördengänge mit den Familien oder suche gemeinsam mit den Mädchen nach Wohnungen. Es handle sich um eine Rundum-Betreuung, sie habe nicht erwartet, dass es so viel Arbeit sei. Ihr Handy klingle rund um die Uhr, so Tekkal.

Auch in den Familien finde ein Wandel durch den Fußball statt. Anfangs seien die Eltern "null begeistert" vom Fußball, doch dann erzögen die Kinder die Eltern mit, weil diese in deutschen Schulen oder durch deutsche Freunde bereits Teil der Gesellschaft seien. Sie habe es auch kürzlich gemeinsam mit einem Mädchen, das Kopftuch tragen sollte, sich aber vehement dagegen gewehrt habe, geschafft, die Eltern zu überzeugen, dass sie keines tragen müsse. "Das ist etwas Greifbares, was wir geschafft haben, da hat ein positiver Wandel stattgefunden, gerade auch bei den Eltern", so Tugba Tekkal.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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