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StartseiteInterview"Es gehen mehr Menschen in die Kirche als zu Fußballspielen"09.06.2019

Publizist über Pfingsten und Glauben"Es gehen mehr Menschen in die Kirche als zu Fußballspielen"

Kaum noch jemand weiß, warum wir Pfingsten feiern, Kirchenaustritte nehmen zu. Das bedeute aber nicht, dass Menschen weniger glaubten, sagte der Publizist Robert Leicht im Dlf. Im Gegenteil: Die Leute glaubten viel zu viel.

Robert Leicht im Gespräch mit Anja Reinhardt

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Der neue Vorstandsvorsitzende des Eliteinternats Salem, Robert Leicht, posiert am Dienstag (06.07.2010) in Salem vor der Schule. Leicht will die Suche nach einer neuen Schulleitung langsam angehen. Foto: Patrick Seeger dpa/lsw (zu dpa/lsw-Gespräch vom 10.07.2010) | Verwendung weltweit (Patrick Seeger/dpa / picture alliance)
Der Publizist Robert Leicht war Chefredakteur der "Zeit" und Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (Patrick Seeger/dpa / picture alliance)
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Die Bedeutung von Weihnachten und Ostern kennen schon Kindergartenkinder. Deutlich weniger Menschen wissen hingegen, was an Pfingsten gefeiert wird: dass der Heilige Geist über die Jünger kam und sie alle Sprachen sprechen konnten. Eine Geschichte, die mit Verständigung zu tun hat, mit Kommunikation.

Kann sie uns heute noch etwas erzählen, haben wir den Publizisten Robert Leicht gefragt, ehemaliger Chefredakteur der "Zeit", Honorarprofessor für öffentliche Kommunikation in Erfurt und ehemaliges Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Eine hoffnungsleitende Utopie

Das Miteinander-Reden in allen Sprachen bleibe zunächst einmal eine Utopie, erklärte Leicht im Dlf. Das Pfingst-Erlebnis sei ein einmaliges Erlebnis gewesen, dennoch aber eine hoffnungsleitende Utopie. Natürlich gelte: Wenn man nicht miteinander redet, gibt es keine Verständigung. Gleichzeitig habe aber jeder schon einmal die Erfahrung gemacht: Je genauer man miteinander redet, desto schwieriger kann die Verständigung werden.

Immer mehr Kirchenaustritte

Einer neuen Studie zufolge könnten die großen Kirchen bis 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Das habe aber nichts damit zu tun, dass die Menschen weniger glaubten, sagte Robert Leicht. "Ich halte dies für einen normalen Säkularisierungsprozess", sagte er im Dlf. Kirchenaustritte sagten nichts über den Glauben und "die Vitalität des Geistes aus." Ihm sei eine vitale Kirchengemeinde wichtiger als eine riesige Mitgliedschaft, die zwar zu hohen Kirchensteuern führte, aber nichts für die Gemeinschaft tue.

"Die Leute glauben viel zu viel"

Einen Rückgang der Gläubigkeit insgesamt kann Leicht nicht feststellen. Im Gegenteil. Die Leute glaubten viel zu viel - ob an Ernährungskonzepte, Globuli oder Spiritualität:

"Ich nehme die in dem Moment ernst, wo jemand mir sagen kann, dass seine weltanschauliche oder quasi-religiöse Einstellung etwas für seine persönliche Lebensführung bedeutet und wenn diese Orientierung etwas sagt für sein Gemeinschaftsleben."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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