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StartseiteAndruck - Das Magazin für Politische LiteraturDie AfD nimmt kein Blatt mehr vor den Mund12.04.2021

Radikale SpracheDie AfD nimmt kein Blatt mehr vor den Mund

Beim AfD-Parteitag haben die Delegierten den Entwurf für ihr Wahlprogramm verschärft und damit radikale Botschaften ausgegeben. Wie die Partei das genau macht, und dass sie auch meint, was sie formuliert, das hat der Journalist Michael Kraske in seinem Buch „Tatworte“ ausgeführt.

Michael Kraske im Gespräch mit Catrin Stövesand

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Michael Kraske: „Tatworte. Denn AfD & Co. meinen, was sie sagen“ (Buchcover: Ullstein Verlag, Hintergrund: IMAGO/Christian Ditsch)
Mit Worten zündeln. Michael Kraske stellt klar, dass AfD & Co. meinen, was sie sagen. (Buchcover: Ullstein Verlag, Hintergrund: IMAGO/Christian Ditsch)
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Einen Dexit hat die Partei ins Programm aufgenommen, also einen Austritt aus der EU. Den Hinweis eines Gegners dieses Antrags, dass die EU ohne Deutschland nicht mehr existiere, konterte ein anderer Delegierter mit den Worten: "Die EU muss sterben, wenn Deutschland leben will".

Kampfrhetorik dieser Art ist das Markenzeichen der AfD, vor allem der radikalen Mehrheit in der Partei. Und die setzte sich auch mit weiteren Forderungen durch. Im Wahlprogramm wird etwa erneut stehen, dass die AfD jeglichen Familiennachzug von Flüchtlingen ablehnt.

Tino Chrupalla (Bundessprecher der AfD) während seiner Rede auf dem 12. Bundesparteitag der AfD in Dresden am 10.04.2021. (picture alliance / Revierfoto) (picture alliance / Revierfoto)Mit welchem Programm die AfD in die Bundestagswahl zieht
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"Deutschland. Aber normal", so heißt der Wahlslogan der AfD. Das sei eine neue Variante der Selbstverharmlosung, erläutert der Buchautor Michael Kraske. Der Begriff "normal" solle das radikale Programm kaschieren. Zudem habe Parteichef Jörg Meuthen mit diesem Bild seine Behauptung wiederholt, alle anderen Parteien richteten das Land zugrunde. Das spiegele einmal mehr die Demokratieverachtung der AfD.

Zur Gegenwehr braucht es eine demokratische Agenda

Die Rhetorik der AfD sei Strategie und kein Ausrutscher, betont Kraske in seinem Buch. Sie soll rassistisches Denken in den öffentlichen Diskurs bringen, um dann später diskriminierende Politik zu ermöglichen. Sich daran zu gewöhnen, sei der erste Fehler, den die demokratische Öffentlichkeit dabei machen könne. Der zweite sei es, diese menschverachtende Sprache zu übernehmen, wie es etwa CSU-Chef Markus Söder mit seinem Begriff vom Asyltourismus gemacht hat. Es brauche also Abgrenzung, Widerspruch und vor allem eine demokratische Agenda, die gegen die Politik der AfD gesetzt wird.

Michael Kraske: "Tatworte. Denn AfD & Co. meinen, was sie sagen"
Ullstein Verlag, Berlin. 156 Seiten, 14 Euro.

12. Bundesparteitag der Alternative für Deutschland am 10.04.2021 in der Messe Dresden Tino Chrupalla (Bundessprecher AfD). (imago / Revierfoto) (imago / Revierfoto)Verfassungsschutz - Die AfD und der Verdachtsfall
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