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StartseiteSport am WochenendeRadprofi Floyd Landis gibt Doping zu20.05.2010

Radprofi Floyd Landis gibt Doping zu

Amerikaner belastet unter anderem Landsmann Lance Armstrong ebenfalls des Missbrauchs unerlaubter Mittel

Er habe den Großteil seiner Karriere gedopt, betonte Floyd Landis. Der Amerikaner räumte in E-Mails an Verantwortliche des Weltradsport-Verbandes UCI die jahrelange Einnahme von EPO, Testosteron sowie Wachstumshormonen ein und gab zu, sich Bluttransfusionen unterzogen zu haben.

Von Heiko Oldörp

Da strahlte er noch: Floyd Landis als Gewinner der 93. Tour de France. (AP)
Da strahlte er noch: Floyd Landis als Gewinner der 93. Tour de France. (AP)

Erstmals sei er im Juni 2002 mit Doping in Kontakt gekommen, so Landis. Damals fuhr er für das US Postal-Team, sein Kapitän war Lance Armstrong. Landis beschuldigt neben dem siebenmaligen Gewinner der Tour de France auch Mannschafts-Mitglieder von damals, wie George Hincapi, Levi Leipheimer und David Zabriskie des Dopings. Unter anderem hat er genaue Angaben über Blutabnahmen während eines Trainingslagers im Vorfeld der Tour 2003 gemacht, die in Armstrongs Appartment stattfanden. Das abgenommene Blut sollte den Profis später bei der Tour wieder zugeführt werden. Zugleich gab Landis an, dass sein damaliger Teamchef bei US Postal, Johan Bruyneel, die Nutzung unerlaubter Mittel toliert und seine Fahrer sogar dazu ermutigt habe.

Bruyneel ist jetzt verantwortlich für die neue Mannschaft vom Armstrong, das amerikanische Radio-Shack-Team. Sowohl er als auch Armstrong wollen sich vor dem Start der heutigen Etappe der Kalifornien-Rundfahrt zu den Anschuldigungen äußern.

UCI-Präsident Patt MacQuaid bezweifelt indes die Glaubwürdigkeit der Landis-Aussagen und spricht davon, dass diese "nicht neu" seien und zudem keine Beweise vorlägen. Landis sei, so MacQuaid auf Rache aus.

Landis räumte ein, dass er keinerlei Belege für seine Äußerungen habe, sondern man ihm einfach glauben müsse. Als Grund für sein Geständnis gab er an, endlich ein reines Gewissen haben zu wollen. Er habe psychisch und emotional sehr unter der jahrelangen Täuschung gelitten, so Landis.

Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass Doping-Missbrauch gemäß der Statuten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nach acht Jahren verjährt. Wenn er jetzt nichts sage, sei es sinnlos, sich überhaupt dazu zu äußern, meinte Landis.

Der 34-Jährige, der jetzt für ein unterklassiges Team fährt, wurde bei seinem Tour-Sieg 2006 des Testosteron-Dopings überführt, verlor seinen Titel und bekam eine zweijährige Sperre. Seine anschließende Klage vor Gericht scheiterte, kostete ihn rund zwei Millionen Dollar, sein Ansehen und seine Ehe.

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