Montag, 27.09.2021
 
StartseiteSport am WochenendeMehrfachstarter auf den Topplätzen05.09.2021

Radrundfahrt VueltaMehrfachstarter auf den Topplätzen

Primoz Roglic, bei der Tour de France nach Sturz ausgeschieden, ist designierter Sieger der Spanienrundfahrt. Hinter ihm liegen mit Enric Mas und Jack Haig weitere Tourstarter dieses Sommers. Ein Formhoch in Frankreich zahlt sich Wochen später noch in Spanien aus.

Von Tom Mustroph

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der slowenische Radprofi Primoz Roglic nach einem Etappensieg bei der Vuelta auf dem Podium (AFP / Miguel Riopa)
Primoz Roglic nach seinem Etappensieg auf dem Podium (AFP / Miguel Riopa)
Mehr zum Thema

Bahnrad-Olympiasiegerin Kröger „Wir waren darauf eingestellt, dass der Weltrekord nicht stehenbleibt“

Nach Rassismus-Eklat bei Olympia Radsport-Funktionär Moster droht Suspendierung

Tour de France-Sieger Pogacar "Er ist in den nächsten Jahren die absolute Referenz"

Radsport Dopingrazzia bei Tour-Team Bahrain Victorious

Radsport Training auf Zellebene

Sicherheit im Radsport Spuren von Reformgeist beim Giro d’Italia

Mehrfachbelastungen kreieren Sieger. Diese recht überraschende Erkenntnis bot am Ende die Vuelta a Espana. Denn die dritte große Radrundfahrt des Jahres stand ganz im Zeichen derer, die schon die Tour de France fuhren. Als Sieger schälte sich früh Primoz Roglic heraus. Der bestritt zuvor zwar nur die halbe Tour de France. Der Slowene schied nach Sturz vorzeitig aus. Das hohe Formplateau bescherte ihm dann aber den Olympiasieg im Zeitfahren und jetzt auch die tolle Performance bei der Vuelta.

Lange auf den Plätzen 2 und 3 lagen die Movistar-Kapitäne Enric Mas und Miguel Angel Lopez, ebenfalls im Juli bei der Tour dabei. Mas wurde sogar Gesamtsechster. In das finale Zeitfahren auf der letzten Etappe ging er als Zweiter. Auch der überraschende Drittplatzierte Jack Haig hat bereits Tour de France-Kilometer in den Beinen. Die alte Weisheit, dass man zwei große Rundfahrten in einer Saison als Klassementfahrer vermeiden sollte, ist konterkariert:

"Da kann man natürlich draus lernen", stimmt Jens Zemke zu. Der sportliche Leiter vom Rennstall Bora hansgrohe präzisiert allerdings: "Wir hatten dieses Jahr das besondere Jahr mit den Olympischen Spielen. Man sieht, bei ein paar hat es nicht funktioniert, wie Carapaz zum Beispiel oder auch mit Maximilian, wo es dann einfach irgendwo zu viel war."

Maximilian Schachmann, Spitzenmann von Zemkes Rennstall, ließ die Tour aus, um sich komplett auf Olympia vorzubereiten. Dort wurde er guter Zehnter. Sein Formhoch war aber nicht breit genug, um auch noch bei der Vuelta zu reüssieren. Entkräftet gab der Berliner nach der 12. Etappe auf. Der ebenfalls von Zemke erwähnte Richard Carapaz wurde Dritter bei der Tour. Er krönte sich in Tokio zum Olympiasieger. In Spanien stieg er aber ähnlich entkräftet wie Schachmann einen Tag später aus.

"Während des Rennens Tage zur Regeneration wählen"

Dennoch fällt das Fazit von Zemke bezogen auf die Doppelbelastung positiv aus: "Aber für die Zukunft kann man schon sagen: Tour und Vuelta funktioniert oder Giro und Vuelta funktioniert. Das kann man anschließend nach der Saison genau analysieren und sagen, was Sinn macht."

Die Rennfahrer selbst merken in diesem Spätsommer, dass sie diese Doppelbelastungen aushalten: "Man muss sich dazwischen gut erholen und auch während des Rennens Tage zur Regeneration wählen", lautet das Rezept von Sepp Kuss. Der US-Amerikaner ist wichtigster Berghelfer im Roglic-Team Jumbo Visma. Er holte bei der Tour selbst einen Etappensieg. Bei der Vuelta kam er auf der Königsetappe zu den Seen von Covadonga hinter Kapitän Roglic auf Tagesrang 2 an.

Gute Erfahrungen bei der Mehrfachbeanspruchung machte auch Guillaume Martin: "Ich denke, in diesem Jahr waren es nicht viele, die Tour, Olympia und Vuelta gut verkraftet haben. Mir ist das ganz gut geglückt und das macht mich froh."

Der französische Rundfahrtspezialist kam in diesem Jahr sowohl bei der Tour wie bei der Vuelta unter die Top 10. Auch in Zukunft will er sich an zwei Rundfahrten pro Saison versuchen.

"Zwischen den Rundfahrten fokussiert sein"

Das Geheimnis dabei ist neben der richtigen körperlichen Trainingssteuerung die mentale Seite, meint Patxi Vila, sportlicher Leiter bei Team Movistar: "Es ist immer gut, vorausgesetzt, du bist im Kopf bereit, drei Wochen zu leiden. Man muss auch zwischen Tour und Vuelta sehr fokussiert sein und die richtigen Dinge tun, sonst wird es sehr hart."

Bis zum vorletzten Tag gelang das seinen Schützlingen Enric Mas und Miguel Angel Lopez auch ziemlich gut. Sie lagen am Samstag noch auf den Plätzen 2 und 3. Auf der 20. Etappe brannten bei Lopez allerdings die Sicherungen durch. Er verpasste einen Angriff, wurde von der Teamleitung danach aus taktischen Gründen zurückgehalten und stieg wutentbrannt mitten im Rennen ins Teamfahrzeug.

Formhoch auf zwei Rundfahrten möglich

An der mentalen Belastungssteuerung muss im Hause Movistar also noch gearbeitet werden. Beim designierten Sieger Roglic war der Doppelstart zunächst gar nicht geplant: "Nur weil er mit Sturz aus der Tour ausschied und sich danach gut erholte, wurde die Vuelta möglich", erzählt sein sportlicher Leiter Addy Engels. Er sieht die Tour entsprechend auch nicht als gutes neues Vorbereitungsrennen für die Vuelta:

"Nein, die Tour ist die Tour. Es wäre nicht richtig und es wäre auch etwas respektlos, die Tour ein Vorbereitungsrennen zu nennen. Für ihn hat sich das gut ausgewirkt. Aber es war kein Plan. Und ich will auch nicht sagen, dass das der beste Weg ist, die Vuelta vorzubereiten: Bei der Tour mit einem Sturz auszuscheiden und dann die Vuelta zu fahren."

Stürze zu planen gehört – zum Glück - noch nicht zur Belastungssteuerung im Radsport. Die Ergebnisse der Vuelta zeigen aber, dass der Rückenwind einer guten Tourform auch in Spanien noch weit tragen kann. Als bester der Fahrer, die sich ausschließlich auf die Vuelta vorbereiteten, liegt Adam Yates auf Platz vier, hinter drei Tour-Teilnehmern.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk