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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehr Platz für das Rad14.05.2019

Radverkehrskongress in DresdenMehr Platz für das Rad

Flott, preiswert, CO2-neutral - für mehr Fahrradverkehr in Städten gibt es gute Gründe. Dagegen auch: Radwege sind oft holperig, zugeparkt oder enden abrupt. Beim Radverkehrskongress in Dresden erläuterte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, wie er den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad fördern will.

Von Bastian Brandau

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Ein Fahrradweg in Köln (Imago)
Das Fahrrad aber habe alles, um das urbane Verkehrsmittel der Zukunft zu werden, so Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (Imago)
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In der Kongressstadt Dresden gleicht Radfahren immer noch einem gefährlichen Abenteuer. Oft geht es über grobes Kopfsteinpflaster oder abrupt endende Radwege. 75 Prozent der Radfahrenden sagten bei einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs aus, sich nicht sicher zu fühlen. Demos für bessere Radwege sind daher in den vergangenen Monaten ein gewohntes Bild geworden.

"Ich bin täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit unterwegs und sehe Defizite in der Infrastruktur, und deswegen bin ich hier."

Ärger auch bei diesem Demonstranten darüber, dass ein Radstreifen auf der Albertstraße, einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung, nun doch nicht kommt. Der Stadtrat nahm vor einigen Wochen einen entsprechenden Entschluss zurück. Mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD.

Fahrrad als städtisches Verkehrsmittel der Zuknuft

Auch er habe Defizite wahrgenommen, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, CSU, der vom Bahnhof zur Messe mit dem Rad gekommen war. Und ja, es brauche Mut und Geduld, um aufs Rad zu steigen. Das Fahrrad aber habe alles, um das urbane Verkehrsmittel der Zukunft zu werden.

"Deswegen müssen wir dieses Verkehrsmittel stärker positionieren. Weil es umweltfreundlich ist. Weil es kaum Platz braucht, es leise ist, wendig, günstig. Und stößt vor allem keine Schadstoffe aus. Und es ist schnell. Jedenfalls zur Rush Hour ist man in vielen Städten schneller unterwegs mit dem Fahrrad als mit dem Auto."

Neuer Radverkehrsplan

Scheuer stellte acht Punkte für einen neuen Radverkehrsplan vor. Der soll 2021 in Kraft treten und dann zehn Jahre gültig sein.

"Ich wünsche mir einen lückenlosen Radverkehr in Deutschland. Das heißt zum Beispiel, dass Radwege nicht mehr plötzlich an einer Kreuzung enden und der Radfahrer dann sehen muss, wie er auf der anderen Seite der Kreuzung weiterkommt."

Scheuer will die Vision Zero für den Radverkehr, also das Ziel von null Verkehrstoten. Er will breitere und unabhängig vom Straßenverkehr laufende Radwege.

"Ganz wichtig: Ich plane höhere Bußgelder für das unerlaubte Parken auf Schutzstreifen."

Mehr Vernetzung

Die bisher gültigen 15 bis 35 Euro hätten kaum abschreckende Wirkung. Scheuer will außerdem den Lastenverkehr auf dem Rad stärken, den Radverkehr vernetzen. Die Bedingungen für den Bau von Radschnellwegen sollen erleichtert werden. Mit seinen Ideen setze Andreas Scheuer ein Zeichen, findet Burkhard Storck, Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs.

"Ich gehe mit allem mit, was ich heute gehört habe. Bei der einen oder anderen Frage ist natürlich noch, wie würde das detailliert geregelt, aber nein, ich gehe bei allem mit, was ich heute gehört habe. Vieles davon sind Dinge, die wir schon lange fordern. Es war nichts dabei, was uns sehr überrascht hat. Aber es hat uns natürlich sehr überrascht, dass es vom Minister, von diesem Minister, so deutlich gekommen ist."

Auch Bürger sollen sich per Umfrage beteiligen können. Wie eine Autostadt zur Fahrradstadt werden kann, machte die Stadtplanerin Brigitte Svarre aus Kopenhagen in ihrem Vortrag deutlich. Erst vor einigen Jahrzehnten habe das Umdenken begonnen, nun gilt Kopenhagen weltweit als Vorbild. Man wolle Städte für Menschen und eben auch für Fahrradfahrende.

"Wenn wir sagen, wir möchten Fahrradwege, dann müssen wir auch Platz für Fahrradwege schaffen, so ist es ja."

Gute Angebot erleichtern den Umstieg aufs Rad

Wie die Räume verteilen? Die Konflikte darum werden vielerorts, wie in Dresden, erbittert ausgetragen. Als eine deutsche Vorbildstadt gilt Münster. Anders als in Dresden setzt sich dort ein CDU-Politiker mit für bessere Radwege ein. Oberbürgermeister Markus Lewe ist bekennender Radfahrer, der jeden Tag neun Kilometer zur Arbeit auf dem Rad sitzt.

"Es ist eine Frage der Angebote. Je besser die Angebote sind, desto klüger sind die Entscheidungen der Mobilitätsnutzer. Und wenn die Angebote gut sind, steigen die Leute um aufs Fahrrad. Und wenn man dann merkt, dass Räume, die sonst durch Blechhaufen zugeparkt werden, ganz anders nutzbar sind, für Begegnungen, für Grünflächen, für urbane Qualität, dann wird das auch bei vielen Leuten Begeisterung auslösen."

Darauf hoffen auch die Dresdner Radfahrer. Radverkehr ist ein wichtiges Thema bei den in zwei Wochen anstehenden Kommunalwahlen. Wie es um die Situation in Dresden bestellt ist, davon können sich die Kongressteilnehmer heute Nachmittag ein Bild machen. 

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